Das Roxy Kino mitten im Pott

Ein Beitrag von Sandra Calvo Pastor und Alberto Sisí Sánchez

Dortmund erscheint auf den ersten Blick für Touristen zunächst als eine Stadt, ohne viel kulturellem Angebot. Aber die Stadt mitten im Ruhrgebiet weist kleine Schätze auf, die nicht schwer zu finden sind. Eins davon ist das Roxy Kino im Norden der Stadt. Abseits von Hektik des Einkaufs-und Barbereichs ist dieses kleine Kino zu finden. Ein vielleicht verrückter Traum von drei Personen. Aber hierbei sprechen wir nicht vom herkömmlichen Kino und Filmen, sondern von Filmen mit Qualität: Unkonventionelle Filme, nicht kommerziell und mit der Intention des reinen Entertainments.

Der Eingangsbereich des Roxy Kinos lädt in eine Zeit zurück in die Vergangenheit ein. Foto: Sandra Calvo Pastor

Der Eingangsbereich des Roxy Kinos lädt in eine Zeit zurück in die Vergangenheit ein. Foto: Sandra Calvo Pastor

An einem regnerischen Tag begaben wir uns auf die Suche nach jemandem, der genau solche Filme mag. In einer Stadt, die eher für die Fußballkultur und nicht die Filmkultur bekannt ist. Als wir am Roxy Kino angekommen waren, sahen wir ein Kino – alt dekoriert und mit vielen Merkmalen auf Filme, die die Geschichte des Kinos geprägt haben. Und wir sahen zwei Männer, die auf zwei Chester Sofas im Stil des 19. Jahrhunderts saßen und französisch „bohemia“ gekleidet waren. Einer von ihnen erwies sich als einer der drei Inhaber des Kinos.

Michael Markefka ist ein Filmliebhaber, der sich auf das Abenteuer eines kleinen Arthouse-Kinos in Dortmund eingelassen hat. Klassische Filme werden im Allgemeinen sehr wenig in Deutschland verbreitet. „Das Kino selbst wurde 1932 eröffnet und war regelmäßig, bis zum Zweiten Weltkrieg geöffnet, danach für sieben Jahre geschlossen. In den 50er Jahren wurde es erneut eröffnet.“ Markefka hat in Dortmund zunächst für ein Jahr gearbeitet und war vom Ort sehr begeistert, so dass er beschloss, in Dortmund zu bleiben. Im Februar 2011 kaufte er das Roxy. Seitdem führt er das Konzept „Roxy Kino“ mit zwei Freunden weiter, erzählt Markefka.

Auch der Klassiker "Rocky" läuft regelmäßig im Roxy. Foto: Alberto Sisí Sáncheze

Auch der Klassiker "Rocky" läuft regelmäßig im Roxy. Foto: Alberto Sisí Sáncheze

Eine leichte Wahl

„Das Kino wurde als unabhängige Kulturinstitution konzipiert und steht seit 1979 ganz im Zeichen der Filme.“ Markefka fiel die Entscheidung nicht schwer, nach dem Kauf des Kinos, weiter an dem Modell, alte Filmklassiker zu zeigen, anzuknüpfen. „Wir möchten das Roxy nie ändern“, selbst wenn es ein Unternehmen mit Risikofaktor ist, fügt der Jung-Manager hinzu. „Aber wir tun etwas für die Stadt, weil wir hier sind.“

Studenten: die neue Zielgruppe

Das Roxy exisiert ohne jegliche institutionelle Unterstützung. Als die Inhaber vor einem Jahr das Roxy übernahmen, war ihre Anfrage auf finanzielle Unterstützung bereits zu spät. „Ich werde es in diesem Jahr erneut versuchen“, sagt Markefka. Um ein solches Projekt am Leben zu erhalten, muss man „aber sehr bescheiden sein“, erzählt Markefka. Auf die Frage, welche Menschen das Roxy besuchen, sagt er, dass es die Menschen sind, die einen breiten kulturellen Hintergrund haben und eher älter sind. Es seien nur wenige Studenten, die das Roxy besuchen. Aber genau die sind die Zielgruppe der Inhaber: „Es ist eine perfekte Ergänzung zu vielen der Themen, die die Studenten an der Universität studieren“, sagt Markefka zum Abschluß.

Silvia M ist Erasmus-Studentin aus Spanien und studiert an der Ruhr-Universität Bochum. Foto: Sandra Calvo Pastor

Silvia Mosquera ist Erasmus-Studentin und liebt klassische Filme. Foto: Sandra Calvo Pastor

Nach unseren Recherchen, kennen nur wenige Studenten an der TU Dortmund das Roxy Kino im Dortmunder Norden. Einige mehr kennen das Programmkino im Depot: „SweetSixteen“.  Trotzdem haben wir eine Studentin gefunden, die das Roxy Kino kennt. Silvia Mosquera kommt aus Spanien und studiert Kommunikationswissenschaften an der Ruhr-Universität Bochum. Sie ist begeistert von klassischen Filmen. Das erste, was sie bei ihrer Ankunft in Deutschland tat, war ein Ort zu finden, wo man diese Filme sehen kann. Silvia ist über das Internet auf das Roxy Kino aufmerksam geworden. „Ich hatte die Gelegenheit Filme, wie Casablanca zu sehen, den ich schon unzählige Male genossen habe, aber nie in der deutschen Sprache. Außerdem habe ich geplant erneut dorthin zu gehen, weil sie ‚Mad Circus‘ projektieren. Es ist eine spanische Produktion, die ich ebenfalls bereits gesehen habe, aber ich möchte mir diesen Film auf Deutsch anschauen und somit die Sprache auf eine unterhaltsame Weise lernen.“

Filme ohne Worte

Neben Casablanca, hat das Roxy viele weitere, neugierige Projektionen zu bieten,  zum Beispiel „The Artist“. Dieser Film ist ein französicher Schwarzweiß-Stummfilm und handelt vom Leben in Hollywood im Jahr 1927. Ab dem 23. Januar wird dieser Film im Roxy Kino zu sehen sein. Der Film enthält keinen Dialog: Ein wichtiges, nicht Vorhandenes Element, warum dieser Film im Roxy Kino gezeigt wird. Auch eine gute Gelegenheit für alle ausländischen Studenten, sich zwei Stunden einen guten Film anzusehen und sich keine Gedanken über die deutsche Sprache zu machen.

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