Marionetten erobern die Bühne

Innovativ und außergewöhnlich verspricht die neue Inszenierung von Bertolt Brechts „Der Gute Mensch von Sezuan“ zu werden, die am 15. und 16. Mai im Musischen Zentrum an der Ruhr-Universität Bochum aufgeführt wird. Denn die Hauptdarsteller werden Marionetten sein.

Marionetten und Schauspieler treffen bei dem Stück aufeinander

Marionetten und Schauspieler treffen bei dem Stück aufeinander

Und noch etwas ist innovativ: Regisseur ist der Student Matthias Böttger, der im sechsten Semester Germanistik studiert. Das von ihm zum Teil gekürzte und individuell umgesetzte Stück soll dem Publikum, ganz nach Brechts Intention, vor allem eins vor Augen halten:  Dass sein Leben in einer Illusion verhaftet ist, der Illusion, in völliger Freiheit und Eigenbestimmtheit zu leben. Die Menschen überlassen nach dem Brechtschen Gedanken ihr Leben und ihre Entscheidungen meist aus Trägheit und Egalität, einer übergeordneten Macht, sei sie weltlich oder übernatürlich. Da lag es Nahe, so Matthias Böttger, den Großteil es Ensembles mit Marionetten zu besetzten.

An Aktualität hat dieses Thema nicht verloren: es beginnt bei dem Desinteresse an politischen Wahlen und endet mit dem beiläufigen Hinnehmen von globalen Problemen. Um die Intention Brechts eindrücklich zu kommunizieren, besteht das Ensemble des Theaterstücks aus zwei Schauspielern und etwa 20 handgefertigten, nahezu 65 cm großen und fast zwei Kilo schweren Marionetten. Geführt werden sie von acht Studierenden.

Marionetten sind die Hauptfiguren bei dem Studentenprojekt

Marionetten sind die Hauptfiguren bei dem Studentenprojekt

Schwerstarbeit für die Marionettenspieler

Körperliche Höchstleistung müssen die ungeübten Puppenspieler dabei vollbringen, denn sie müssen das Gewicht der Figuren bei einer Spieldauer von fast zwei Stunden stemmen. Für die realen Schauspieler ist es wiederum eine Herausforderung, sich auf Holzpuppen als gleichwertiges Gegenüber einlassen zu müssen. Die Stimmen der Puppen kommen aus praktischen Gründen vom Tonband – immerhin werden für das Stück 20 Stimmen benötigt. Dafür wurde das Stück eigens als Hörspiel aufgenommen.

Weitere Eigenheiten des Stücks sind Werbesequenzen, Livemusik und Videoinstallationen, die dem Publikum einen Spiegel unserer schnelllebigen übermedialisierten Zeit vorhalten sollen.

Eigeninitiative erwünscht

Realisierbar wurde diese Idee, indem Prof. Dr. Benedikt Jeßing, Lehrender des germanistischen Instituts, die Schirmherrschaft übernahm. Professor Jeßing überzeugte das Konzept und seine geplante Umsetzung. So wurde aus einer anfänglichen Schnapsidee, wie die Beteiligten im Nachhinein sagen, ein akkreditiertes Proseminar mit Übung. Die Vorfinanzierung wurde privat von dem Professor sowie Matthias Böttger übernommen.

Ideenreichtum, Eigeninitiative und viel Mut zur Verbesserung der Lehre sind im Studium zumindest hier durchaus erwünscht. Da die Studienordnung der Germanistik allerdings wenige Möglichkeiten zu einer derartigen Einbringung ins Studium bietet, plant das germanistische Institut nun, sie dahingehend zu öffnen, erklärt Professor Jeßing.

Von Sarah Krebs



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