Heftige Erdbeben in 2010 nicht ungewöhnlich

Vor Wochen bebte es in Chile und China – morgen vielleicht wieder auf Indonesien. Erdbeben treten völlig unerwartet und scheinbar aus dem Nichts auf, hinterlassen verwüstete Städte, Hunderte von Toten und schocken damit die ganze Welt.

Brennpunkt Chile: "Hier kann jederzeit wieder die Erde beben", sagt Professor Dr. Wolfgang Friederich.

Brennpunkt Chile: "Hier kann jederzeit wieder die Erde beben", sagt Professor Dr. Wolfgang Friederich.

„Erdbeben kann niemand direkt vorhersagen. Forscher haben das in den letzten 50 Jahren immer wieder probiert – jedoch vergeblich“, erklärt Professor Dr. Wolfgang Friederich, Lehrstuhlinhaber des Instituts für Geologie, Mineralogie und Geophysik an der Ruhr-Universität Bochum. Möglich sei es aber, vor ihren direkten Folgen zu warnen, zum Beispiel vor Nachbeben oder Tsunamis.

Erdbeben treten zwar immer überraschend auf, schildert Friederich, aber generell kenne man die Gefahrenpunkte: Entlang der tektonischen Plattengrenzen, wo eine Erdplatte sich unter die andere schiebt, komme es immer wieder zu Beben.

Reinhören: Mit hoher Wahrscheinlichkeit: Rund um Istanbul wird es wieder Erdbeben geben

Friederich selber hat nicht den Eindruck, dass es in diesem Jahr mehr Erdbeben als sonst gegeben habe. Dafür aber solche, die großen Schaden angerichtet und somit die Medienaufmerksamkeit auf sich gezogen haben. „So entsteht natürlich bei vielen Leuten der Eindruck, die Erde würde viel mehr beben als sonst – was aber nicht stimmt.“

Von Naturgewalten gezeichnet: Der Hindu-Tempel Prambanan in Indonesien wurde bei einem Erbeben 2006 schwer zerstört. Fotos: Caroline Biallas

Von Naturgewalten gezeichnet: Der Hindu-Tempel Prambanan in Indonesien wurde bei einem Erbeben 2006 schwer zerstört. Fotos: Caroline Biallas

Reinhören: Erdbeben bekommen mehr Präsenz durch Medien

Immer wieder habe es Phasen in der Geschichte gegeben, wo innerhalb weniger Jahre eine Vielzahl von schweren Beben aufgetreten sei: So sei 1960 in Chile das Erdbeben mit der weltweit größten jemals aufgezeichneten Magnitude von 9,5 gemessen worden. Innerhalb kurzer Zeit – also nur vier Jahre später – folgte das zweitgrößte gemessene Beben in Alaska. „Jetzt scheint wieder so eine Phase heftiger Beben zu kommen“, schildert Friederich. Geophysikalisch sei dieses Phänomen also völlig normal.

Im Ruhrgebiet wackelt ab und zu das Geschirr

Geophysikalisch geht es auch am Institut für Geologie, Mineralogie und Geophysik an der Ruhr-Universität Bochum zu. Dort gibt es den Bachelor- und Master-Studiengang der Geowissenschaften. Während des Grundstudiums bekommen die Studenten einen Überblick über alle einzelnen Gebiete – von Mineralogie bis Geophysik. Nach dem Abschluss des Bachelor of Sciene kann man sich im Rahmen des Masterstudiums auf eine von sechs Vertiefungsrichtungen spezialisieren; Professor Dr. Wolfgang Friederich ist zuständig für den Bereich der Geophysik.

Zudem verfügt das Institut über eine eigene seismologische Messstation, die sich etwa 500 Meter entfernt vom Unigelände befindet. Dort werden seit 1983 die durch den Bergbau verursachten Erdbeben beobachtet. Pro Jahr werden rund 1000 Beben im Ruhrgebiet gemessen – allerdings mit geringen Stärken (zwischen 0,7 und 3 auf der Magnitudenskala). Nur bei direkten Anwohnern kann schon Mal das Geschirr im Küchenschrank klappern.

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