Worauf Tiere Lust haben

Der Delfin – Süß, intelligent und dauergeil

Flipper ist aus menschlicher Sicht nicht immer so lieb wie im Film. Foto: ‚© Giovanni Romano / PIXELIO'

Flipper ist aus menschlicher Sicht nicht immer so lieb wie im Film. Foto: © Giovanni Romano / PIXELIO

Aus menschlicher Sicht erleidet das Bild von Flipper als Freund und Helfer beim Betrachten seiner sexuellen Vorlieben ein paar Kratzer. Denn egal ob Männchen oder Weibchen, jung oder alt – ein Delfin hat mit allem Sex, was gerade verfügbar ist. „Delfine haben einen unglaublich starken Sexualtrieb“, weiß Diplombiologe Mario Ludwig aus Karlsruhe. Wenn gerade kein Weibchen in der Nähe ist, benutzt der Delfin alles, was in seiner Reichweite ist – das kann dann sogar ein lebloser Gegenstand wie ein Wasserrohr sein. Auch ist es normal, dass sich mehrere zusammentun und andere Artgenossen vergewaltigen. Teilweise töten sie sogar die Nachkommen eines anderen Männchens, um ihre eigenen Chancen bei dann kinderlosen Weibchen zu erhöhen. „Also bei Delfinen ist alles möglich“, fasst der Biologe zusammen.

Tanzfliegen – Sex gegen Bezahlung

Doch es sind nicht nur Delfine, die für den Menschen seltsame Sexualpraktiken ausüben. Während Prostitution bei uns eher ein Tabuthema ist, haben sich die hier heimischen Tanzfliegen genau darauf spezialisiert. Diese Fliegen sind ungefähr einen Zenitmeter große, räuberische Insekten. Die Weibchen lassen sich für Sex mit Geschenken bezahlen. Das ist dann meistens ein Insekt, was das Männchen einwickelt: „Die haben an ihren Füßen kleine Spinndrüsen, so ähnlich wie das Spinnen haben. Damit können sie dann seidene Fäden produzieren“, führt der Biologe aus.

Diplombiologe Dr. Mario Ludwig. Foto: privat

Diplombiologe Mario Ludwig. Foto: privat

Mit dem Paket, einer Art „Miniaturwollknäuel“, fliegen sie dann zu den Tanzplätzen – Waldlichtungen, an denen sich tausende Fliegen zum gemeinsamen Sex treffen. „Je nach Größe oder Art des Geschenks, fällt dann auch die sexuelle Dienstleistung aus. Also ohne ein Geschenk braucht sich ein Männchen gar nicht blicken zu lassen“, erklärt Ludwig, „ein kleines Geschenk ist dann in etwa das, was man bei uns als einen Quickie bezeichnet.“ Manche Tanzfliegen sind aber sehr faul. Sie fangen kein Insekt, sonder schnappen sich Ästchen oder Zweige, die sie dann einpacken. Während das Weibchen das Paket auspackt, fängt das Männchen an sie zu begatten. Nach einer gewissen Zeit merken die Beschenkten aber, dass sie nur eine Mogelpackung bekommen haben – ihre Reaktion fällt dann jedoch unterschiedliche aus: „Manche Weibchen sind natürlich extrem sauer und jagen dann das Männchen zum Teufel und andere Weibchen stört das überhaupt nicht. Die sagen sich also offensichtlich ‚Hauptsache ich bekomme ein Geschenk‘“, fasst Mario Ludwig zusammen.

Der Rotrückensalamander – Der Kot ist entscheidend

Was der amerikanische Rotrückensalamander macht, um Weibchen anzulocken, berichtet Mario Ludwig:

Riesensepien – Transvestiten der Meere

Manche Tintenfische sind Transvestiten. Foto: ‚© Knaddldaddl / PIXELIO'

Manche Tintenfische sind Transvestiten. Foto: © Knaddldaddl / PIXELIO

Vor der Küste Australiens treffen sich einmal im Jahr die Riesensepien. „Bei diesen Tintenfischen ist das Verhältnis Männchen zu Weibchen aber vier zu eins“, weiß Mario Ludwig. Das bedeutet, dass nur die größten und stärksten Männchen eine Chance haben, ihre Gene weiterzugeben. Die Schwachen haben sich allerdings einen Trick einfallen lassen, erklärt der Diplombiologe: „Sie verkleiden sich als Weibchen. Sie verändern Form und Farbe und verstecken den typische männlichen Begattungsarm.“ In der Verkleidung kommen sie ohne Probleme an den starken Wachen vorbei und können dann das Weibchen begatten. Das kann aber auch Nachteile haben, sagt Ludwig: „Oft werden die kleinen Kerle von den großen Kerlen als Weibchen eingestuft und entsprechend sexuell bedrängt. Durch einen raschen Farbwechsel entgehen sie jedoch den Sexattacken.“

Japanmakaken – Homosexuell und homophob

Primatologe Volker Sommer. Foto: Mauro Roll (Rechte bei V. Sommer)

Primatologe Volker Sommer. Foto: Mauro Roll (Rechte bei V. Sommer)

Doch wie sieht das Sexualverhalten bei Säugetieren aus, die dem Menschen viel ähnlicher sind, wie den Affen? Der Primatologe Volker Sommer vom University College in London hat darauf eine Antwort: „Ich behaupte mal, dass alles, was Menschen so miteinander treiben können und treiben, dass man das in guter Annäherung auch bei anderen Tieren findet.“ So gibt es beispielsweise auch homosexuelles Verhalten bei Affen, wie bei Delfinen und Menschen. „Das Argument, dass Homosexualität gegen die Natur sei, weil man sich ja nicht fortpflanze und es das deshalb nicht bei Tieren gibt, ist komplett falsch“, sagt der Primatologe.

Als Beispiel hierfür gibt es die Japanmakaken. In manchen Gruppen reiten die Weibchen bei anderen Weibchen auf dem Rücken und reiben ihre Klitoris über den Rücken vom Weibchen. Dabei masturbieren sie mit ihrem Schwanz. „Dieses Verhalten wird gezeigt, obwohl es da Männchen gibt, mit denen die Weibchen Sex haben könnten. Das heißt, sie bevorzugen diesen homosexuellen Sex“, führt Sommer aus. Überraschend sei es dabei aber auch, dass manche Japanmakaken in anderen Gruppen dieses Verhalten wiederum als „abscheulich“ ansehen würden: „Während das in der Gruppe, wo es praktiziert wird, zum guten Ton gehört“, sagt Sommer.

Schimpansen – Sex als Mittel zum Zweck

Bei den Schimpansen dient Sex als "soziales Werkzeug". Foto: ‚© Siegfried Bellach / PIXELIO'

Bei den Schimpansen dient Sex als "soziales Werkzeug". Foto: © Siegfried Bellach / PIXELIO

Wenn Schimpansen Sex haben wollen, haben sie einen ganz eigenen Trick, weiß Sommer: „In manchen Bevölkerungen schlagen die Männchen mit der Faust oder mit den Knöcheln auf eine harte Oberfläche und klopfen sozusagen dabei.“ Für die Weibchen heißt das dann nichts anderes, als dass sie Sex haben wollen. Sex dient aber nicht nur der Fortpflanzung, weiß Sommer: „Sex wird oft eingesetzt als soziales Werkzeug, um andere zu manipulieren – speziell weibliche Säugetiere benutzen Sex oft als Gut, um sich Vorteile zu verschaffen.“ So schlafen manche mit Männchen, damit diese sie beschützen oder die Kinder nicht töten, die diese Weibchen bereits haben.

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