Duell am Donnerstag: Sollten Studenten spenden, oder haben sie einen Freischein?

Spenden sind wichtig. Vielen Menschen würde es schlecht gehen, viele Projekte könnten nicht umgesetzt werden, wenn niemand freiwillig sein Geld dafür geben würde. Aber sollten sich da auch Studenten in die Pflicht nehmen? Cedrik Pelka und Katja Engel haben da ganz unterschiedliche Meinungen zu.

Studenten haben genug eigene Probleme

findet Cedrik Pelka

Als Schüler hatten wir unsere Eltern, die uns durchgefüttert und Taschengeld gegeben haben. Das Leben war finanziell gesichert, nur die Freizeit mussten wir selbst planen und uns unser Taschengeld einteilen. Jetzt sind wir plötzlich Studenten. Das bedeutet für viele ein komplett neues Leben – inklusive Umzug! Und das Schlimmste: Wir müssen uns selbst finanzieren. Der eigene Haushalt muss schließlich auch bezahlt werden. Nur, woher kommt das Geld? Nicht alle können viel Unterstützung von den Eltern bekommen. Das Bafög reicht oft gerade für die Miete und Lebensmittel. Und erzähl‘ mal einem Jura- oder Medizinstudenten, er solle nebenbei noch arbeiten gehen und gleichzeitig vernünftig lernen!

Das Konto ist schnell überzogen

Das Geld, das wir aus verschiedenen Gründen haben, müssen wir erst einmal richtig verwalten können. Natürlich haben viele von uns am Anfang Probleme damit. Da ist das Konto am Ende des Monats schneller mal im Minus, als wir gucken können. Und jetzt noch einen festen Betrag im Monat weggeben und die Schulden vergrößern? Selbst über fünf Euro denken wir zwei Mal nach.

Klar kann man jetzt argumentieren: „Spende doch fünf Euro im Monat und trinke einen Cocktail weniger!“ Ich finde aber, als Student sollten wir unser Freizeitleben nicht so einschränken müssen. Studieren ist etwas ganz anderes, als zur Schule zu gehen. Manchmal lernen wir sieben, acht oder neun Stunden an einem Tag. Damit müssen wir erst einmal umgehen können. Da wird man sich doch wohl noch einen Cocktail gönnen dürfen? Wir stehen mitten im Leben und sollten es deswegen auch ausleben können.

Zeit statt Geld spenden

Mein Lösungsvorschlag ist: Spende kein Geld, aber Zeit! Viele Studenten engagieren sich schon ehrenamtlich in Jugendhäusern, oder für andere soziale Organisationen. Das geht auch ganz einfach nebenbei mit wenig zeitlichem Aufwand. Sobald wir älter sind und regelmäßig genug Geld verdienen, sollte sich jeder mit dem Gedanken beschäftigen, Geld zu spenden. Und dann zu der richtigen Antwort kommen: ja, natürlich! Denn es ist natürlich sehr wichtig. Aber Studenten müssen das noch nicht. 

Tomorrow never comes

findet Katja Engel

Morgen. Sagen wir uns. Morgen hören wir mit dem Rauchen auf. Morgen lernen wir direkt nach der Vorlesung. Morgen fangen wir mit Sport an. Morgen heißt doch eigentlich nie. Darum machen wir uns auch etwas vor, wenn wir sagen: Morgen, da fangen wir mit dem „guter Mensch sein“ an, da spenden wir. Und darum sind wir eigentlich auch heute schon gut, weil wir das ja vorhaben. Ich finde, wer Menschen helfen möchte, sollte das heute, jetzt tun. Aufgeschobene Vorhaben sind wie Sylvestervorsätze, die kaum eine Woche halten.

Wenn die Welt auf dem Rücken eines Esels zu einem kommt

Manchmal hilft schon ein Esel weiter, der eine Bibliothek mit sich rumträgt und zu den Kindern kommt. Auf diese Weise kommen sie an ein Buch, das sie lesen und aus dem sie lernen können. Andere bauen kleine Dorf-nahe Brunnen, damit Mädchen zur Schule gehen können und nicht den ganzen Tag von Wasserstelle zu Wasserstelle laufen. Für das alles werden Spenden gebraucht. Den Menschen dort ist es egal, ob wir uns gut fühlen, wenn wir spenden. Ihnen ist es auch egal, ob wir auf unseren Anspruch auf Freizeitvergnügungen bestehen. Sie kämpfen ums Überleben, sie wollen und brauchen kein Mitleid. Was sie brauchen ist ganz simpel: Geld.

Was ist wichtig? Manchmal nur ein Keks.

Die Ärztin Tolu Oni beschreibt ihr Schlüsselerlebnis zu dem, was wichtig ist. Eines Abends, als sie nach einer langen Schicht im Krankenhaus in Südafrika, ins Auto steigt, klopft eine ihrer Patientinnen an die Scheibe. Sie hat Hunger und bettelt um einen Keks, den die Ärztin gegen Hungerattacken nach langen Einsätzen im Auto hat. Tolu Oni erkennt, dass sie immer nur die Behandlung von Krankheiten im Blick hatte. Dabei verhungern die Menschen. Seither behandelt sie keine Patienten mehr, sondern forscht zu den Ursachen von Hunger.

Ein einfaches Netz gegen Moskitos, Brot für die Welt? Wir retten nicht die Welt. Aber wird sie besser, wenn wir uns hinter unseren Klausurvorbereitungen verstecken? Oder hinter dem Cocktail, auf den wir auch verzichten könnten? Ich finde, wer spenden möchte, sollte das jetzt tun. Gerade als Student. Denn wir wissen den Wert von Bildung zu schätzen. Ermöglichen wir dies auch anderen. Jetzt. Ob mit Büchern oder mit Keksen.

 

 

das-duell-feederFoto: stockxchng/bizior, S. Hofschlaeger/pixelio.de, Montage: Schweigmann 
Teaserbild: Cedrik Pelka