Duell am Donnerstag:
Super Bowl – Trend oder Hype?

In der Nacht von Sonntag auf Montag ist es wieder soweit: Der Super Bowl, eines der größten Sportereignisse der Welt, wird erneut Millionen Zuschauer in seinen Bann ziehen. Doch auch wenn der „Super Bowl Sunday“ in den USA mittlerweile Feiertagsstatus erreicht hat – muss das Ereignis auch in Deutschland so gehyped werden? Unsere Autoren sind sich uneinig.

Football ist kein Trend, Football ist eine Religion,

findet Dominik Rosing.

Wer heute cool sein will, schaut American Football. Seit Jahren wird die Sportart aus den USA bei uns immer beliebter – und das mit Recht. Denn sie kombiniert einen brutalen Körper- und Adrenalinsport mit hoher taktischer Disziplin. Man nennt Football ja nicht umsonst „Schach auf Rasen“. Erst bejubeln die Fans ein knallhartes Tackling, das jeden normalen Mensch aus den Schuhen werfen würde, dann philosophieren sie auf höchster Ebene über die unendlichen Möglichkeiten des nächsten Spielzuges – eine willkommene Abwechslung zu Fußball.

Aber nicht nur der Sport bockt, sondern auch das ganze Drumherum. Der Super Bowl ist einzigartig, in ganz Europa gibt es nichts Vergleichbares. Höchstens vielleicht das Finale der Fußball-WM, aber da nimmt schließlich auch ein ganzer Haufen Nationen teil. Der Super Bowl hingegen ist von vornherein ein Duell zweier Teams, die um die begehrte Vince-Lombardi-Trophy fighten (weder verwandt noch verschwägert mit Pietro Lombardi). Dieses Mal spielen die New England Patriots gegen die Atlanta Falcons. Vor allem Erstere besitzen in Deutschland eine riesige Fanbase – nicht zuletzt wegen Star-Quarterback Tom Brady.

Sieben Bier sind eine Mahlzeit

Doch wer denkt, das Spiel der beiden besten Teams der NFL sei der einzige Grund, die komplette Nacht wach zu bleiben, der irrt gewaltig! Denn Super Bowl bedeutet Essen, viel Essen. Die einen verdrücken eimerweise Chicken Wings, bei den anderen gibt es Tortillas mit Dips so weit das Auge reicht. Und die ganz Kreativen bauen sich gleich ein ganzes Footballstadion aus Snacks jeglicher Art. Und wer kein Essen besorgt hat, der sollte wenigstens dem Motto „Sieben Bier sind eine Mahlzeit“ folgen – und dann hatte man immer noch nichts zu trinken …

Generell ist Vorbereitung ist das A und O. Schließlich geht das Spiel erst um 0:30 Uhr am Montag los. Also früh genug Urlaub beantragen! Besorgt euch im Vorfeld am besten auch gleich genug Kaffee und Energydrinks, denn ein Spiel kann locker bis 5:00 Uhr gehen. Aber es lohnt sich: Die vergangene Saison hat gezeigt, dass kein Spiel frühzeitig entschieden ist. Erst im Viertelfinale holten die Dallas Cowboys einen 15-Punkte Rückstand gegen die Green Bay Packers im letzten Viertel auf, nur um drei Sekunden vor Schluss doch noch den Kürzeren zu ziehen – Dramatik pur. Solche Spiele machen den Sport unberechenbar. Im Fußball ist spätestens beim 3:0 der Drops gelutscht.

Fette Halbzeitshow

Wer es bis zum Ende nicht packt, der sollte immerhin bis zu Halbzeitshow schauen, denn die hat es in sich. Erst gibt es die besten und witzigsten Werbespots der Welt zu sehen – etwa fünf Millionen Euro kosten 30 Sekunden Aufmerksamkeit. Dann gibt es die größten Liveacts des Jahres. Die Elite der Musikbranche versucht immer wieder, die Show des Vorjahres zu toppen. 2016 performte Coldplay zusammen mit Beyoncé und Bruno Mars, in diesem Jahr wird Lady Gaga als Headliner das Feld rocken.

Ich fasse zusammen: Bestes Essen, super Musik, weltklasse Unterhaltung, eine unfassbar geile und spannende Sportart – im Super Bowl ist alles vereint, was Spaß macht. Wer ihn nicht gucken will, der soll es lassen. Das Spektakel wird auch ohne ihn stattfinden. Also, liebe Super-Bowl-Verweigerer: Schlaft gut, und habt schöne Träume – ich bin am Montagmorgen auch wach im Paradies.

Noch eine unnötige Tradition aus Amerika, die in Deutschland übernommen wird,

findet Laura-Sophie Lang.

Was ist am 31. Oktober? Halloween, ganz genau. Ein Brauch aus den USA und Irland, der längst in Deutschland Einzug erhalten hat und von vielen Menschen gefeiert wird. Eine solche Tradition scheint sich auch im Sportbereich etabliert zu haben: Der Super Bowl. Viele Fans einen schauen sich das NFL-Finale in der Sportkneipe an, besonders Footballbegeisterte zelebrieren das Spektabel aber daheim bei bei Chicken Wings und Bier und schlagen sich die ganze Nacht um die Ohren. Aber ist es das wirklich wert? Reicht es nicht langsam mal mit den ganzen Bräuchen aus Übersee?

Das Geld regiert den Super Bowl

Klar, Football als Sport wird in Deutschland immer populärer, auch in Dortmund gibt es den Footballverein „Dortmund Giants“. Das Interesse scheint also da zu sein. Doch es scheint, als ob nicht nur die wirklich Footballbegeisterten den Super Bowl verfolgen, sondern auch Leute, die einfach mitreden wollen.

Aber was genau ist bitte so cool daran? Wenn man genau hinsieht, hat das Ganze mit Sport nämlich nicht mehr so viel zu tun. Im Vordergrund steht vor allem der Kommerz. Da wäre zum Einen ein überdimensionales Maß an Werbung. 30 Sekunden Werbung in der Pause des Super Bowl kosten ein Unternehmen etwa fünf Millionen Dollar. Die Werbespots werden oft nur für diesen einen Tag produziert. Aus Unternehmenssicht verständlich, erreicht der Super Bowl in den USA schließlich die höchste Fernseh-Einschaltquote des Jahres. Aber wird der Sport dadurch nicht zur Nebensache?

Wo bleibt da der Sport?

Dazu kommt noch eine Halbzeitshow, die das genaue Gegenteil einer gemäßigten Unterhaltung darstellt und auch noch Wochen nach dem Super Bowl Gesprächsthema Nummer Eins ist. Jedes Jahr treten dort hochkarätige Künstler mit einer spektakulären Show auf. Wobei das Rumgehüpfe von Katy Perry mit zwei etwas debil aussehenden Haien im Jahr 2015 schon etwas verwirrend war. Dieses Jahr ist es an Lady Gaga, die Zuschauer in der Pause des Sportereignisses zu unterhalten. Mal schauen, wie das so angenommen wird, denn bereits im Voraus gab es eine Petition von Hip-Hop Fans, die die Künstlerin nicht auf der Bühne sehen wollen. Und erneut: Der Sport rückt komplett in den Hintergrund.

Was also finden Menschen, die sich eigentlich gar nicht für den Sport an sich interessieren, so toll am Super Bowl? Es ist eine durch und durch amerikanische Veranstaltung, alles muss größer, schneller und besser sein. Deshalb werden auch jedes Mal neue Rekorde gebrochen, worauf die Menschen im Vorhinein wetten können. Noch ein kommerzieller Aspekt, der das Sportliche dahinter ausblendet.

Achso, und wenn es überhaupt jemanden hier interessiert: Teilnehmer des NFL-Finals sind in diesem Jahr die New England Patriots gegen die Atlanta Falcons. Noch nie davon gehört? Nicht schlimm, ich auch nicht.

das-duell-feeder

Foto: stockxchng/bizior, S. Hofschlaeger/pixelio.de, Montage: Brinkmann/Schweigmann 
Teaserfoto: Pete Sekesan bei Flickr. Lizensiert nach Creative Commons 2.0 Generic

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