Klein, aber fein: Kontaktmesse RealITy

Die IT-Branche boomt. Händeringend suchen die Unternehmen nach Absolventen. Auf der Kontaktmesse RealITy an der TU Dortmund hatten Informatik-Studenten die Qual der Wahl: 29 Unternehmen zeigten sich von ihrer besten Seite.

Ungewöhnliches Rekrutierungsprogramm: Eine Runde Tip-Kick soll für ein offenes Gespräch sorgen. Foto: Henrik Veldhoen

Ungewöhnliches Rekrutierungsprogramm: Eine Runde Tip-Kick soll für ein offenes Gespräch sorgen. Foto: Henrik Veldhoen

Eigentlich war Jörn Esdohr zur RealITy gekommen, um sich zu informieren. Einblicke ins Berufsleben eines Informatikers wollte er gewinnen, ein paar Kontakt knüpfen, sich nach einem Praktikum umschauen. Jetzt spielt der Student Tip-Kick, zusammen mit Andrea Naumann. „Das ist eine wunderbare Methode, um ins Gespräch zu kommen“, erklärt sie.

„Absolventen gefragt wie nie“

Naumann vertritt die direktgruppe, eines von 29 Unternehmen auf der Kontaktmesse. Es sind weltweit operierende Firmen, wie die Deutsche Telekom, aber auch mittelständische Unternehmen aus der Nachbarschaft, die einen Stand auf der Messe haben. Sie alle haben eins gemeinsam: Sie suchen nach IT-Fachkräften – und zwar dringend. „Eine Kontaktmesse direkt am Campus ist dafür eine hervorragende Plattform“, erzählt Naumann. Sie und ihre Firma sind eigens vom Hauptsitz aus Hamburg angereist – außergewöhnliche Situationen erfordern eben außergewöhnliche Maßnahmen.

Denn: „Absolventen aus dem IT-Bereich sind so gefragt wie nie“, weiß Hans Decker vom Dekanat Informatik an der TU Dortmund. Gemeinsam mit der Fachschaft und dem Alumni-Verein organisiert seine Fakultät die RealITy nun zum fünften Mal. Dabei ist der Name der Kontaktmesse Programm: „Bei uns geben die Firmen einen realitätsnahen Einblick in den Beruf und erklären, was sie anbieten und erwarten“, sagt Decker.

Volle Hallen: Gerne wären noch mehr Unternehmen gekommen, doch der Platz war begrenzt. Foto: Henrik Veldhoen

Volle Hallen: Gerne wären noch mehr Unternehmen gekommen, doch der Platz war begrenzt. Foto: Henrik Veldhoen

Mehr Anfragen als Messestände

Der Andrang der Unternehmen ist groß. Mehr als zehn Firmen musste Decker absagen, darunter auch einem Branchenriesen aus dem Ausland. „Unsere Messe ist klein, aber fein“, sagt Decker. Er habe versucht ein möglichst buntes Bild zu schaffen. Software-Entwickler für Raumfahrt, Medizin und mobile Dienste wie Apps – tatsächlich säumen Stände aus den unterschiedlichsten Bereichen das Informatikgebäude. Die Firma Kostal etwa programmiert Mikrokontrollelemente für Autos – nur 200 Meter vom Messegelände entfernt. „Wir haben heute schon sechs oder sieben Kandidaten kennengelernt, bei denen wir uns eine feste Anstellung vorstellen können“, resümiert ein Vertreter des Unternehmens.

Um Nachwuchskräfte zu ködern, bieten die Firmen nicht nur Studentenjobs und Praktika an. Die Begleitung bei Bachelor- und Masterarbeiten komplettiert das Rekrutierungsprogramm der Unternehmen. Doch all das hilft nichts, wenn nicht genug Interessenten vorhanden sind. Rund 200 Studenten besuchen die RealITy in diesem Jahr – „Es hätten mehr Studenten kommen können“, sagt Hans Decker. Die Probleme der Branche schlagen sich auf die Kontaktmesse nieder: „Viele Absolventen suchen noch keinen Job oder haben Angebote zuhauf“, erklärt Decker das Phänomen.

Perspektivwechsel: Vor drei Jahren stand Tom Paschenda noch auf der anderen Seite. Jetzt wirbt er Studenten für seine Firma an. Foto: Henrik Veldhoen

Perspektivwechsel: Vor drei Jahren stand Tom Paschenda noch auf der anderen Seite. Jetzt wirbt er Studenten für seine Firma an. Foto: Henrik Veldhoen

Früher Student, jetzt Anwerber

Ein Musterbeispiel für die Wirkungsweise der RealITy ist Tom Paschenda. Am Stand der Firma capgemini berät er einen Studenten. Vor einigen Jahren stand Paschenda noch auf der anderen Seite, informierte sich auf der RealITy über seinen heutigen Arbeitgeber. Jetzt ist er selbst Anwerber auf der Messe. „Ich habe hier damals ein ausführliches Gespräch mit meinem Chef geführt“, erzählt er. „Beim Vorstellungsgespräch hat er sich dann an mich erinnert.“

Auch Jörn Esdohr hat einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Gerade hat er seine Tip-Kick-Partie beendet, jetzt tauscht er seine Daten aus. Mit dem Unternehmen wird er wohl nicht zusammen kommen – vorerst. „Wir melden uns dann in zwei Jahren bei Ihnen“, sagt Andrea Naumann. Die Floskel klingt merkwürdig, aber sie ist ernst gemeint. Nach jetzigem Stand wird es nämlich auch in zwei Jahren noch an Fachkräften in der Branche mangeln – trotz RealITy. Der junge Student hat bei der Hamburger Firma jedenfalls schon mal ein Stein im Brett.

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