Deutschland beliebt wie nie zuvor bei Auslandsstudis

Deutschland ist bei Auslandsstudierenden sehr beliebt. Das Statistische Bundesamt hat jetzt eine Studie veröffentlicht, nach der 2014 knapp jeder fünfte Erstsemester an deutschen Hochschulen aus dem Ausland kam. Die Zahl lag um 4,5 Prozent höher als im Vorjahr. Nicht nur die im Vergleich niedrigen Studiengebühren locken die Studierenden.

 Als José Chávez 2009 aus Mexiko nach Deutschland kam, hatte er ein Touristenvisum in der Tasche. Schnell entschied er sich jedoch, bleiben zu wollen. Und um das zu können, zu studieren. Nach erfolgreich bestandenem Sprachkurs schrieb er sich im Wintersemester 2010 an der Ruhr-Universität Bochum für den Studiengang Chemie ein.

José (29) kam aus Mexiko nach Deutschland. Unter anderem, um eine exotische Sprache zu lernen. (Foto: privat)

José (29) will die „exotische“ deutsche Sprache lernen. (Foto: privat)

„Ich wollte eine neue Kultur entdecken und eine exotische Sprache lernen“, erzählt er. Dem 29-Jährigen gefällt, dass das deutsche Studium so gut organisiert ist und auf einem viel höheren Niveau als in Mexiko.

China auf Platz eins

Auch wenn José einer von vielen ausländischen Studierenden an deutschen Hochschulen ist, ist er mit seinem Herkunftsland und seinem Studiengang selbst eher ein Exot. Laut dem Deutschem Akademischen Austauschdienst (DAAD) studierten 2012 circa 2.000 Mexikaner in Deutschland. Auf Platz eins der Herkunftsländer liegt mit 24.000 Studierenden China, danach kommen Polen und Bulgarien (jeweils etwa 12.000 Studierende), Russland, Marokko und die Türkei. Die beliebtesten Studiengänge waren 2014 laut der Destatis-Studie Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, gefolgt von Ingenieurswissenschaften und Sprach- und Kulturwissenschaften.

Deutschland wird zwar als Zielland ausländischer Studierender immer beliebter – liegt unter den OECD-Gaststaaten aber „nur“ auf Platz 3. Weitaus beliebter sind mit knapp 710.000 ausländischen Studierenden die USA und mit knapp 560.000 Großbritannien (Zahlen aus 2011).

Diese Weltkarte zeigt, aus welchen Ländern die meisten Studierenden nach Deutschland kommen, aber auch, wohin es die Deutschen zieht, wenn sie ins Ausland gehen.

Quelle der Daten: Statistisches Bundesamt, Erhebung im Wintersemester 2012/13

Andere Gründe bei Deutschen im Ausland

Obwohl Deutschland bei ausländischen Studierenden so beliebt ist, sind auch Deutsche viel unterwegs, wenn auch aus ganz anderen Gründen.  Sie zieht es vor allem nach Österreich, die Niederlande, die Schweiz und dann auch in die USA und nach Großbritannien, gefolgt von Frankreich, China und Spanien. Die Gründe dafür, Deutschlands Nachbarländer für ein Studium zu wählen, sind häufig, den Nummerus Clausus auf bestimmte Studiengänge zu umgehen.

Darüber hinaus ist aber auch Motivation, die eigene Selbstständigkeit und die Fähigkeit, mit neuartigen Situationen zurechtkommen zu trainieren und auch seine eigenen Stärken und Schwächen besser kennen zu lernen. Fremdsprachenkenntnisse zu erwerben und internationale Freundschaften zu schließen wird laut einer Studie des DAAD erst an dritter Stelle genannt.

Bessere Berufschancen

José hingegen schätzt die Qualität seiner Ausbildung. „Wenn ich das Studium schaffe“, sagt er, „kann ich überall weltweit arbeiten.“  So geht es auch vielen seiner ausländischen Kommilitonen. Viele immatrikulieren sich an einer deutschen Hochschule, weil Deutschland ein hochtechnisiertes Land ist, weil sie sich von einem Studium in Deutschland bessere Berufschancen erhoffen als in ihrem Herkunftsland und zuletzt auch, weil das Studium hier fast kostenfrei ist.

Viele wünschen sich auch nach ihrem Abschluss hier zu bleiben – auch José. Auch wenn die Bundesregierung das Vorhaben dieser gut ausgebildeten Akademiker begrüßt, schafft es nur jeder vierte. „Mir zum Beispiel macht die deutsche Bürokratie wirklich Probleme“, sagt José. „Es wird bestimmt nicht einfach meinen Aufenthaltsstatus zu bekommen und hier Arbeit zu finden.“ Weitere Gründe sind laut Deutschem Studentenwerk auch unzureichende Sprachkenntnisse, eine fachliche Überforderung, aber vor allem mangelnde Unterstützung und Beratung.

Das nimmt José aber gerne in Kauf. Und auch für Deutschland hat die wachsende Zahl der Studierenden aus dem Ausland neben dem interkulturellen Input noch einen anderen Vorteil: Während die Zahlen deutscher Studienanfänger aufgrund geburtenschwacher Jahrgänge langsam zurückgeht, bleiben die Zahlen dank der Bildungsausländer stabil.

Teaserbild: flickr.com / Universität Erfurt (http://bit.ly/1wXovMx)

1 Comment

  • betty sagt:

    Mir hat letztens eine Österreicherin erzählt, wie unmöglich hoch die Zahlen der Deutschen Studierenden in Österreich ist, und das, weil es keine Studiengebühren gibt. Klar, ich habe dann verstanden, warum sie sauer war, denn das ist eigentlich nicht in Ordnung, wenn die Steuerzahler im Land diese Studienplätze zahlen…. genauso in Deutschland mit den Ausländern. Als ich studierte, gab es bei uns noch keine Studiengebühren, aber alles voller Asiaten usw. Korrekterweise müssten die dann auch für die gute Bildung was zahlen, ausreichend genug, und nicht von unseren Steuern profitieren….

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