Ausstellung “Kollisionsfelder” im Dortmunder U

Der dritte Campus der TU Dortmund, der Campus Stadt im U-Turm, ist bekannt für spannende Ausstellungen, die zum Nachdenken anregen. Mit der aktuellen Sammlung zeigt das Museum Ostwall in Kooperation mit der Universität die Werke eines alten Bekannten: Hans Breder wurde 2007 bereits als Ehrendoktor gewürdigt. Zum wiederholten Male stellt er einige Kunstwerke in Dortmund aus.

Projektion auf Porzellantasse: Eine von vielen Videoinstallationen

Projektion auf Porzellantasse: Eine von vielen Videoinstallationen Fotos/Teaser: Lena Seiferlin

Eine nackte Frau tanzt, dreht sich um sich selbst, fällt auf den Boden, bewegt sich dort weiter. Es strengt an, ihr dabei zuzusehen, die Pupillen können ihren Bewegungen nur mit zu Schlitzen zusammengekniffenen Augen folgen. Denn die Nackte ist winzig klein und tanzt auf einer weißen Porzellantasse. Diese Projektion empfängt die Gäste der neuen Ausstellung „Kollisionsfelder“ auf dem Campus Stadt der TU im U-Turm. Seit dem 31. Januar sind dort Werke des Künstlers und Kunstdozenten Hans Breder zu sehen.

Den Zuschauer mit einbeziehen

Der 1935 in Herford geborene Breder ist ein Mulitmediatalent. Nach Anfängen als Assistent des Bildhauers Goerge Rickey stellte er bald selbst aus und begann an der Universität von Iowa Zeichnen zu lehren. Hier entstand auch das „Intermedia-Programm“. Laut Hans Breder selbst soll Intermedia „den Zuschauer mit einbeziehen“. Und das versucht der Künstler auch in Dortmund mit ganz unterschiedlichen Mitteln, eben mit einem Mix der gängigen Medien.

Hans Breder ist bei der Vernissage am Donnerstag selbst vor Ort. Von Freunden und Bekannten gibt es Lobesreden. Der Künstler aber ist ein Mann weniger Worte. Mit einem knappen „Willkommen“ eröffnet er die Ausstellung. Die startet mit dem Intermedia Archiv, das Hans Breders Programm dem Besucher erklären soll. Neben Videoprojektionen und Monitorarbeiten zeigt „Kollisionsfelder“ auch diverse schwarz-weiß Fotografien.

Viele der Arbeiten Breders erinnern an biblische Figuren oder Sagen aus der griechischen Mythologie. Autobiographische Ansätze finden sich in Breders Monitorarbeiten: Sechs

Eine ungewöhnliche Perspektive: Die Videoinstallation "Ikarus"

Eine ungewöhnliche Perspektive: Die Videoinstallation "Ikarus"

Kunstwerke mit allen Sinnen erleben

Bildschirme stehen im hinteren Teil der Ausstellung beieinander. Der Ton zu den gezeigten Videos kommt vom Kopfhörer. Musik ist da zu hören, durch die Gesprächsfetzen dringen. Ein anderes Video begleitet das bedrohliche Rauschen von einer Flutwelle oder Lawine.

Was der Sehende oder Hörende damit verbindet und vor allem empfindet, vervollständigt das Kunstwerk erst. „Ich fange damit an, die Sinne der Menschen anzusprechen“, erklärt Hans Breder seine Intention, „und an einem Kollisionszeitpunkt setzt das Denken aus“. Hier soll im Idealfall das Unterbewusstsein reagieren und den Menschen so Teil der Kunst werden lassen. Dabei erforscht der Künstler auch das Verhältnis von Geist und Körper: Wie reagiert der menschliche Geist zum Beispiel auf nackte Körper?

Zusammenarbeit von Geist und Kunst

Fast alle von Breder dargestellten und porträtierten Menschen sind nackt. Er orientiert sich damit an der Kunstgeschichte, „in der Akte durch die Jahrhunderte eine große Rolle spielten“. Gleichzeitig will er wiederum die Sinne reizen. Durch die Zusammenarbeit von Geist und Kunstwerkt sollen sich idealerweise die Barrieren zwischen Wirklichkeit und Scheinwelt aufheben. Die Wahrnehmung verschwimmt und lässt es zu Neues, bisher Unbekanntes zu entdecken. So hätte es Hans Breder jedenfalls gern: „Nicht ‚was‘ ist die Arbeit, sondern ‚wo‘ ist sie, darüber soll der Betrachter nachdenken“, formuliert er selbst. Irgendwo zwischen bewusst und unterbewusst entsteht das Kunstwerk.

Die Kollisionen spürt und sieht der Betrachter in den Werken des multimedialen Künstlers: die grellen Farben in der Videoinstallation „Opsis“ hypnotisieren beispielsweise geradezu durch ihren starken Kontrast. Im Werk „Ikarus“ kollidiert außerdem die Schwerkraft mit der scheinbaren Leichtigkeit des freien Falls.

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