Warnung vor fieser Porno-Falle

Es gibt eine populäre Theorie, nach der sich neue Technologien vor allem dann durchsetzen, wenn sie ihren Nutzern einen leichteren, schnelleren und bequemeren Zugang zu einem sehr gefragten Gut verschaffen: Pornos. Neuerdings lockt eine besonders fiese Seite. Eine Warnung:

Im 15. Jahrhundert ermöglichte der Buchdruck in Massen die flottere Verbreitung anzüglicher Texte und Bilder. In den 80er Jahren entschied die Porno-Industrie den „Krieg der Video-Formate“: Sie durfte nur das technisch minderwertige VHS-System nutzen – das sich prompt gegen Video 2000 durchsetzte. Fotografie, Kabelfernsehen, Pay-TV… die Liste ist lang, wie die Süddeutsche Zeitung beweist, oder dieser rechtswissenschaftliche Aufsatz (Achtung, Englisch). Im Jahr 2010 kann private Lust auf Pornos mit einer Vorladung beim Chef oder großem Beziehungsstreit enden. Wie das funktioniert – und wie man sich schützen kann.

Kokettes Lächeln, böse Falle, brisante Info: Screenshot von DidYouWatchPorn.com

Kokettes Lächeln, brisante Info, böse Falle: "Did You Watch Porn? - Yes You Did!" Macht nix? Tja, bald weiß vielleicht dein Chef Bescheid... Screenshot von DidYouWatchPorn.com

Dass das Internet, unter anderem, ein gigantischer Umschlagplatz für Pornos ist, dürfte niemanden wundern. „Sex“ gehört seit den Anfängen des Netzes zu den meistgesuchten Begriffen – genau wie „nude“ in Kombination mit den Namen von Popsängerinnen oder Schauspielerinnen. Youtube-Klone mit pornographischem Inhalt aller Art schießen schneller aus dem Boden, als selbst der ärmste Porno-Junkie sie verfolgen kann – und auch Freunde der absurdesten Fetische finden Gleichgesinnte. Aus diesem Grund wird in Spam-Mails eben nicht nur für garantiert seriöse Investments geworben. Doch auch auf Links zu „extrem scharfen Videos“ oder Viagra im Sonderangebot fällt kaum noch jemand herein.

Böse Masche: Mail mit Daten zum Porno-Konsum an Mama oder den Chef

Umso böser ist die Masche einer Seite namens DidYouWatchPorn.com – sie behauptet, herausfinden zu können, ob derjenige, der sie anklickt, kürzlich Pornovideos im Internet gesehen hat. Wer neugierig ist, sich herausgefordert oder beleidigt fühlt und draufklickt, wird vielleicht tatsächlich überrascht sein, was die Seite so alles weiß: Die Porno-Gucker-Überführer-Website nutzt dazu die so genannte Chronik des Browsers. Diese dient eigentlich dazu, dass der Browser erkennt, welche Links schon geklickt wurden. Eine gute Erklärung der Technik dahinter mit weiteren angsteinflößenden Beispielen (Namentliche Identifizierung von praktisch jedem, der einen Account bei Facebook, StudiVZ und Co. besitzt!) gibt es hier. Fakt ist jedenfalls: Mit dieser Methode kann DidYouWatchPorn.com jedem genüsslich unter die Nase reiben, ob und auf welchen schmutzigen Seiten er (oder sie) unterwegs war.

Wer das hier liest, ist brav gewesen - oder hat seinen Verlauf gelöscht.

Wer beim Besuch von DidYouWatchPorn.com diesen Bildschirm sieht, war brav oder nur auf unbekannten Pornoseiten unterwegs - oder hat den Verlauf der besuchten Websites gelöscht.

Der Haken an der Sache: Wer den Link per Mail oder Facebook bekommt – in der Regel verkürzt und damit „verschleiert“ – und darauf klickt, riskiert, dass das Ergebnis zeitgleich auch beim Absender landet. Beim besten Kumpel oder der besten Freundin mag das witzig sein, bei Mama peinlich – beim Chef oder dem Partner kann der unbedachte Klick zu richtigem Ärger führen. Daher drei Tipps:

  1. Chronik / Verlauf regelmäßig aus dem Browser löschen. Wie das geht, steht in aller Ausführlichkeit hier. Das schützt vor der einen oder anderen bösen Überraschung, geht aber auf Kosten des Komforts. Das richtige Verhältnis zwischen Privatsphäre und Bequemlichkeit muss hier jeder für sich selbst finden.
  2. Gehirn an- und Augen auflassen schadet nie, eine Firewall und Anti-Viren-Software auch nicht. Und verdächtige verkürzte Links lassen sich fix „entschlüsseln“.
  3. Diese Warnung an alle Bekannten weiterleiten. Oder auch diesen Bericht, der das ganze noch einmal ausführlich erklärt.

18 Comments

  • Sophie sagt:

    Hallo liebe Pflichtlektüre,

    das Thema Internet und Datenschutz ist in der Tat sehr wichtig, da viele Leute einfach im Internet surfen und ne Menge Daten hinterlassen, die von vielen Leuten gespeichert und genutzt werden. Daher sollte das Thema in die Pflichtlektüre.

    Ich kritisiere allerdings auch, dass das Thema unbedingt mit einem Beispiel einer Porno-Website aufgegriffen werden musste. Das lässt den Schluss zu, euch ging es gar nicht primär um Datenschutz, sondern bloß um ne tolle Schlagzeile. Mein Tipp: Nehmt euch das Thema mal richtig zu Herzen.

  • Nachtrag: Wenn das iPad nicht zum Porno kommt, kommt der Porno eben zum iPad…
    schön aufgeschrieben haben die Geschichte Jörg Kremer und seine Konsorten:

    http://www.kremerundkonsorten.de/2010/09/21/make-my-day-die-andere-ipad-betrachtung-teil-6/

  • Hallo zusammen,

    über den Suchbegriff Grobschnitt landete ich auf Eure Seite. Und es stört hoffentlich keinen wenn ich hier kurz was anmerke 🙂 .

    Der Artikel ist schon ok, da über genau diese Masche „Sex sells“ die meisten Trojaner verpflanzt werden. Und da über Sex und ihre Macher noch genau wie vor 30 Jahren getuschelt wird, können die Initiatoren sicher sein, nicht entdeckt zu werden. Diese Masche wurde u. a. auch bei der Verbreitung des Wurms „Nimda“ im Jahre 2001 verwendet. Die Infiltrierung der wichtigsten Datenknoten lag seinerzeit bei ca. 65%.

    Und solange es Privatleute, Redaktionen, Unternehmen und Geschäftsführer gibt, die ihre Mails im HTML-Format empfangen und lesen, solange stehen Tür und Tor offen, um z. b. Spionagearbeit zu leisten (etwa Passwörter). Das Thema ist schon allein deshalb brisant, da so gut wie keiner zu seinem Partner sagt: Hey Schatz, auf Tit…..luder.de gibts wieder was Neues.

    Liebe Grüße aus Hückeswagen

    Dieter

  • Lieber Christian,

    schön, dass du schreibst. Schade, dass du die bisherigen Kommentare offenbar nicht gelesen hast. Zu den meisten deiner berechtigten Kritikpunkte habe ich dort Stellung bezogen. Daher antworte ich nun hauptsächlich zu den anderen, von hinten nach vorn:

    – Herzlichen Glückwunsch dazu, dass du dich als Mitglied einer Zielgruppe fühlst, die offenbar klüger und stilsicherer, jedenfalls aber besser ist als die, für die dieser Artikel deiner Meinung nach gedacht ist. Ich erlaube mir, in der Regel und zunächst einmal ohne Wertung jeden tun oder lassen zu lassen, was er oder sie will, solange es nicht gesetzeswidrig oder asozial ist. Und ja, das schließt die Freiheit auf Porno-Gucken ein.

    – Ich habe nicht „beim Thema Datenspuren/Datenschutz/Browser-Cache zu allererst an Pornos“ gedacht, sondern beim Thema Pornos zuerst an Datenspuren/Datenschutz/Browser-Cache. Dass sich das im Text widerspiegelt, will ich hoffen. Darüber streiten lässt sich, aber er führt doch nun einmal von Pornos zu Datenschutz und nicht andersherum.

    – Dass sich die Beschäftigung mit Datensicherheit und Privatsphäre lohnt, weil auch deine politische Einstellung niemanden was angeht, oder weil der Chef nicht sehen soll, dass du dich bei der Konkurrenz bewirbst, ist eine Kritik, die vor dir zurecht schon Gernot geübt hat. Diesen Punkt habe ich auch im ersten Tipp am Schluss des Textes angesprochen, wenngleich zugegebenermaßen nicht allzu konkret. Hier sind wir dann beim Thema „Breite oder Tiefe“ aus meinem Kommentar direkt über deinem. Fazit: „Es gibt nun wirklich tausend plausible und alltagstaugliche Gründe, weswegen ein vernünftiger Datenschutz sinnvoll ist.“ Da sind wir uns doch einig.

    – Die wichtigste Trennung im Journalismus ist nicht die von Nachricht und Kommentar, sondern die von Anzeigen und redaktionellem Inhalt. Von daher: Ich denke, ich spreche für die gesamte Redaktion, wenn ich den Themenvorschlag „Besuch im Bordell, ohne dass es die Freundin merkt“ ablehne. Die Anzeigenabteilung jedoch ist absolut getrennt von der Redaktion. In ihre Arbeit mische ich mich grundsätzlich und mit voller Absicht nicht ein – genauso wenig, wie diese sich in die der Redaktion einmischt. Von „Für so etwas will ich aber keine Werbung im Blatt haben“ bis zum umgekehrten „Schreib doch mal was Nettes über XY, der schaltet immer so viele Anzeigen“ ist es nämlich ein kurzer und gefährlicher Weg. Davon abgesehen kann man als Leser natürlich auch bei der Anzeigenabteilung gegen den Abdruck bestimmter Werbeannoncen protestieren. So ist es meines Wissens nach auch dazu gekommen, dass in der Printausgabe nicht mehr für sogenannte “Saunaclubs” und “Escort-Services” geworben wird.

    Tobias

  • Anja Willner sagt:

    Hallo Christian,
    ich finde eigentlich nicht, dass wir so oft über Sex schreiben, dass wir damit jemanden vor den Kopf stoßen würden. Trotzdem ist es natürlich dein gutes Recht, Kritik zu üben – dafür ist die Kommentarfunktion (auch) da.

    Zu deiner Kritik: Unser Autor hat diese eine Internetseite gewählt und stellt an diesem Beispiel dar, wie leicht man durch Datenspuren im Internet in die Bredouille geraten kann. Übrigens unabhängig davon, ob man wirklich irgendwelche xxx-Seiten aufsucht oder nicht. Der Text listet nicht alle möglichen Probleme auf, zu denen der laxe Umgang mit den eigenen Daten im Internet führen kann. Das ist aber auch gar nicht der Anspruch dieses Textes – es geht eben um dieses eine Beispiel, um diese eine Seite. – Über das Thema „Datenspuren/Datenschutz/Browser-Cache“ können wir sicher auch mal eine Service-Geschichte bringen, keine Frage. Da scheint ja durchaus Interesse zu bestehen.

    Viele Grüße
    anja (Redaktion)

  • Christian Schüller sagt:

    Juhu, kommen jetzt auch endlich wieder Anzeigen für sogenannte „Saunaclubs“ und „Escort-Services“ in der Printausgabe? Dann aber bitte auch einen Artikel darüber, wie ich den Puff denn besuchen kann, ohne dass meine Freundin es merkt.

    Im Ernst: Dass ihr eine Studentenzeitung für eine Uni sein wollt, an der ich studiere, ist mir hochpeinlich. Dass ihr beim Thema Datenspuren/Datenschutz/Browser-Cache zu allererst an Pornos denkt, sagt viel über euch aus – zum Beispiel dass mir eune Partnerinnen und Partner leid tun, wenn ihr denen eure sexuellen Vorlieben verheimlicht.

    Es gibt nun wirklich tausend plausible und alltagstaugliche Gründe, weswegen ein vernünftiger Datenschutz sinnvoll ist, und weswegen mein Browser-Cache meine Privatsphäre sein sollte: Zum Beispiel, weil meine politische Einstellung niemanden was angeht, oder weil der Chef nicht sehen soll, dass ich mich bei der Konkurrenz bewerbe, oder weil ich ein Geburtstagsgeschenk für meine Freundin bestellt habe. Aber welchen Fall wählt ihr euch aus? Klar, den heimlich-Pornogucken-Fall. Die anderen kommen im Artikel ÜBERHAUPT nicht vor. Da sieht man schon, für welche Zielgruppe ihr schreibt. Und deswegen ist es mir wirklich peinlich, dass ihr eure Zeitung an meiner Uni verteilt.

    Christian

  • Lieber Gernot,

    jedes Mal stellt sich die Frage, ob man eher ein Thema in aller Breite darstellen oder bei einem Aspekt in die Tiefe gehen will. Weil ich das Problem mit DidYouWatchPorn.com als akut ansehe, und zwar als akut ärgerlich bis gefährlich, habe ich den Text daraufhin ausgerichtet. Insofern: Brisanz, die „Gefälligkeit“ ist höchstens ein netter Nebeneffekt.

    Dass du den Text für thematisch verflacht hältst, finde ich immer noch schade, aber immer noch nicht erdrückend bewiesen. Meine „Spam-Mails mit Angeboten zu garantiert seriösen Investments“ sind doch nicht weit weg von deinen „dubiosen Gewinnspielen“, deine „Viren im E-Mail-Postfach“ kommen gern über meine „Links zu ‚extrem scharfen Videos‘ oder Viagra im Sonderangebot“. So viel zum Porno-Tellerrand. Der Fokus liegt aber klar auf der Pornographie, weil es so ein riesiges Geschäftsfeld ist. Die verlinkten Artikel und Videos (letztes Wort unter dem ersten Bild) bieten da eine Menge weiterer Informationen, während ich hier nur einen kleinen Abriss der Entwicklung geben konnte. Wie heißt der Spruch doch so schön? „Do what you do best – and link to the rest.“

    So habe ich versucht, eben nicht in einen belehrenden Tonfall zu verfallen. Das mag mir gelungen sein oder auch nicht, gerade beim Punkt „Verlauf löschen“ kann ich deine Kritik aber nicht nachvollziehen. Für alle habe ich es zur Erinnerung lediglich erwähnt – und für die „Unbedarften“ eine genaue Anleitung verlinkt. Dort kann im übrigen meiner Einschätzung nach fast jeder noch etwas lernen, etwa, weil es „den“ Verlauf gar nicht gibt und man lernen kann, zielgerichtet zu löschen.

    Zuletzt: Wer sich im Internet nicht verarschen lassen will, muss sich lediglich an die ersten beiden Tipps halten, die sind multifunktionell. Nur Tipp drei ist ein spezieller. Und wer seine Kritik sachlich vorbringt, kriegt auch eine Antwort – wenn auch nicht garantiert immer so schnell und so ausführlich wie in diesem Fall.

    Tobias

  • Gernot sagt:

    Lieber Tobias,

    zunächst einmal sind wir beim Bild unterschiedlicher Meinung, aber das dürfte wohl auch in den Bereich „Geschmackssache“ fallen. Ein etwas „neutraleres“ Bild hätte auch gereicht, aber ihr wollt ja auch eure page views 😀 Spaß beiseite.

    Mir hätte es einfach besser gefallen, wenn der Text nicht zu sehr die Pornografie ausschlachten würde und vielleicht eher auf andere Beispiele des unbedarften Klickens im Netz (dubiose Gewinnspiele, Viren im E-Mail-Postfach, …) eingegangen würde. Wenn du schon meinst, der Text solle „zum Nachdenken über Sicherheit“ im Internet anregen, wäre es glaubwürdiger, wenn du nicht nur die „Pornoschiene“ nehmen würdest. Denn so wirkt es eher so, als hättest du dieses Beispiel nur wegen seiner Gefälligkeit, nicht aber wegen seiner Brisanz gewählt. Ich hätte also eine Vielfalt an Beispielen besser gefunden, das gäbe dem Text mehr Gehalt und Seriosität. Wenn nur schlaglichtartig die Pornografie beleuchtet wird, kann das schnell einen thematisch verflachten Eindruck hinterlassen.

    Ich denke, dass du damit zum Einen ein populistisches Thema gewählt hast, die Textintention zum Anderen aber auch zynisch rüberkommt („Wir helfen euch aus der Pornofalle!“). Ich sehe keinen Widerspruch aus Populismus und (partiellem) Zynismus eines Artikels. Und meinst du wirklich, die Möglichkeit den Verlauf zu löschen kennen so wenige? Das hat so einen unnötigen „belehrenden“ Touch.

    Hättest du also über den Porno-Tellerrand hinaus geblickt, kämen deine wohlgemeinten beratenden Tipps zum Umgang im Netz besser zum Ausdruck. So wirkt es einfach nur lächerlich und boulevardesk – ist meine Meinung.

    Allgemein ist dir deine Kritik-und Diskussionsfähigkeit aber auch zu Gute zu halten und lobenswert. Dies solltest du dir auf jeden Fall bewahren, das gilt nicht nur für „fiese Porno-Fallen“! 😉 (Ich finde die Überschrift immer noch furchtbar) Ich hoffe, es gehört zum Standard, dass Pflichtlektüre-Redakteure auf Online-Kommentare kritischer Facon ebenso antworten wie auf Lob o.ä.

    Gernot

  • Peter sagt:

    @Tobias Jochheim Vielmehr war es eine „leibhaftige“ Pornofalle!

  • @Peter: Vor oder nach dem Lesen des Artikels?

  • Peter sagt:

    Kurzer Zwischenruf: „Bin gestern Nacht in die fiese Pornofalle geraten“ 🙂

  • Klar mache ich mir Gedanken zu deinen Kritikpunkten. Das ginge allerdings leichter, wenn du noch konkreter werden würdest und Beispiele nennst. Wie beim Screenshot. Hier finde ich allerdings in der Tat, dass er reinmuss. Diese Bebilderung halte ich für passend und habe sie gewählt, weil mir das Bild auch zumutbar erscheint. Ansonsten:

    – Was für einen Titel hättest du dir gewünscht, bzw. in welche Richtung sollte es gehen?
    – Dass du den Artikel für flach und eindimensional hältst, sei dir unbenommen. Vielleicht hat dich ja einer der verlinkten Texte mehr angesprochen. Aber auch und gerade hier wüsste ich gern: Was fehlt dir?
    – Zum Punkt Populismus: Was denn nun? Ist es nun „fast schon zynisch“, dass ich das Thema überhaupt aufgegriffen habe, oder ist es eins, das alle anspricht?

    Schließlich: Wie du schon sagst, vieles ist Geschmackssache. Von konstruktiver Kritik haben ja auch alle etwas. Wir freuen uns darüber (genauso wie über Lob natürlich, von daher Danke für deinen Kommentar zum Text über Schwulen-Rechte) und diskutieren gern. In diesem Sinne sind meine Fragen auch nicht rhetorisch gemeint, ich würde mich über eine erneute Antwort freuen.

    Schönen Gruß
    Tobias

  • Gernot sagt:

    Ich bin keinesfalls prüde oder ähnliches, dies wollte ich nochmal betonen. Ich schreibe auch aus keinem (politisch oder religiösen) konservativen Grund heraus. Es leuchtet mir auch ein, dass Journalismus immer mehr auf Servicewert abzielen muss (und auch sollte) und ihr im weiteren Sinne auch auf Gefahren des unbedarften,schnellen Surfens hinweisen wolltet. Keine Frage.

    Dennoch finde ich das Beispiel einfach unpassend, weil es sehr auf Effekthascherei (allein schon die Überschrift – „fiese Fallen“ liest man jeden Tag in der BILD) abzielt und Seriosität vermissen lässt. Mal ganz abgesehen davon, dass natürlich uuuunbedingt der Screenshot mit den „gewichtigen Argumenten“ der Dame mit reinmuss. Die Frage nach dem Servicewert eines Textes ist auch immer eine der Verhältnismäßigkeit – bestünde der Servicejournalismus nur aus solchen flachen, eindimensionalen Texten, hätte er das Prädikat „Journalismus“ wohl kaum verdient. Das Thema wird hier sehr auf die Spitze getrieben und wirkt meiner Meinung nach trotzdem vorwurfsvoll und belehrend: „Ihr seid doch eh alle auf Pornoseiten, sei froh, dass wir von der Pflichtlektüre ne Lösung parat haben“ – überspizt formuliert. Mir gefällt also generell die Machart des Artikels nicht. Die Intention verstehe ich, an der Umsetzung hapert es (von meiner Position aus).

    Im Übrigen finde ich deine „Rechtfertigung“ zum Populismusvorwurf verkehrt. Es IST ja vielmehr ein Thema, das alle anspricht, „Volksnähe“ suggeriert, verflacht ist und dem es an inhaltlicher Tiefe mangelt. Wie ich finde, könnte das jeden Morgen die Titelschlagzeile von Boulevardmedien sein.

    Aber gut, genug auf euch/dir rumgehackt; es würde mich freuen, wenn du dir wenigstens ein paar Gedanken zu meinen Kritikpunkten machst – ich erwarte ja nicht viel. Solang die Pflichtlektüre nicht ihren journalistischen Fokus nur noch auf „seichte“ Themen legt, kann man ja zufrieden sein.

    Beste Grüße,
    Gernot

  • Vanessa sagt:

    „Es ist ja fast schon zynisch, wenn ihr meint, viele eurer Leser hätten einen Schutz gegen “Pornoaufdeckungsseiten” nötig.“

    Viele unserer Leser schauen sich Pornos im Web an? Keine Ahnung. Geht mich nichts an. Ist aber auch egal. Eine Berichterstattung und damit Warnung ist in jedem Fall angebracht. Denn wie Tobias schreibt: Nicht immer ist auf den ersten Blick ersichtlich, wohin ein Link führt, den man per Mail oder über Facebook erhält. Und nicht alle Seiten, die man in seinem Verlauf hat, hat man gezielt aufgesucht – wer hat nicht schonmal erlebt, dass er munter durchs Netz surfte, unbedarft klickte und plötzlich öffneten sich Porno-PopUps oder andere unliebsame Seiten.

    (Ich gehe übrigens nicht davon aus, dass alle 80.000 Studierenden im Ruhrgebiet asexuelle Klosterschüler sind. Das ist allerdings meine unbelegte Privatmeinung.)

    Vanessa Giese
    Redaktionsleitung Print

  • Lieber Gernot,

    Danke für dein Feedback. Vorweg: Das Thema ist von mir, nicht von uns. Wie die anderen Redakteure (Hauptstudenten der Journalistik, die u.a. bereits ein betriebliches Ausbildungsjahr hinter sich haben – im Impressum mit dem Zusatz „verantwortlich“ gekennzeichnet) habe ich große Freiheiten, was die Themensetzung betrifft. Zugespitzt ausgedrückt ist das einzige Kriterium das potentielle Interesse unserer Leser.

    Zu deiner Kritik: Sowohl das Studium als auch das echte Leben haben mir beigebracht, dass viele Leser Service zu schätzen wissen. Genau wie das Aussortieren relevanter Informationen aus dem Wust aus Nachrichten, Halbwahrheiten, Werbung, Spam und PR immer wichtiger wird, wollen alle Medien näher an ihren Lesern sein. Beides erfordert, unter anderem „handfeste“ Informationen zu bringen, eben solche mit Servicecharakter.

    Dieser Artikel wird mir weder einen Pulitzerpreis bescheren* noch die Welt retten – aber bestimmt den einen oder anderen Streit über Porno-Konsum vermeiden, der durch den für viele undurchsichtigen Trick mit dem verkürzten Links bzw. URL entstehen könnte. Das Sexualverhalten jedes Einzelnen (dazu zähle ich Porno-Konsum im weiteren Sinne) ist Privatsache, ich habe nicht darüber zu richten. Und eben weil ich denke, dass die Intimsphäre intim bleiben sollte, habe ich diesen Artikel geschrieben. Ich wette, dass es einen Haufen Leute gibt, dem es unangenehm ist, wenn der technische Beweis für seine Vorlieben (oder Experimente, oder schlicht Neugier) in Sachen Pornografie Dritten auf dem Präsentierteller serviert wird, im Hintergrund versandter E-Mail sei Dank.

    Du glaubst, das betrifft nur eine Minderheit? Mag sein, ich vermute aber anderes. Meine Überzeugung ist auch: Selbst wenn etwas nur wenige interessiert – oder es ihnen gefällt oder hilft – ist schon einiges gewonnen. Es wird ja keiner zum Lesen gezwungen. Und wer immer nur Themen anspricht, die garantiert alle ansprechen, betreibt höchstwahrscheinlich Populismus. Schmerzhaft mit anzusehen bei der „Bild“. So viel zur Ethik. Worauf sich deine Anmerkung zu „rechtlichen Aspekten“ bezieht, ist mir nicht klar. Der Vorwurf, boulevardesk zu sein oder zu arbeiten, trifft mich, wenn du damit etwas anderes meinst als die Themenwahl als solche und vielleicht den Antext (?)

    Im Übrigen möchte ich mit dem Artikel (und bei näherem Interesse auch mit den verlinkten Texten) zum Nachdenken über Sicherheit und Privatsphäre im Internet anregen. Dafür entwickelt sich zwar gerade ein Bewusstsein, aber meiner Ansicht nach zu langsam.

    Das war lang, hat dich aber hoffentlich nicht erschlagen (ich setze mal voraus, dass Duzen okay ist). …Noch Kritik, Fragen oder Anmerkungen? Schieß(t) los.

    Der Autor

    PS: Die fragliche Kategorie wäre aber: http://www.pulitzer.org/bycat/Public+Service

  • Tobias sagt:

    Lieber Gernot,

    Danke für dein Feedback. Vorweg: Das Thema ist von mir und nicht in einer Redaktionskonferenz beschlossen worden. Wie die anderen Redakteure (Hauptstudenten der Journalistik, die u.a. ein betriebliches Ausbildungsjahr hinter sich haben – im Online-Impressum mit dem Zusatz „verantwortlich“ gekennzeichnet) habe ich große Freiheiten bei der Themensetzung. Zugespitzt ausgedrückt ist das einzige Kriterium das potentiell große Interesse unserer Leser.

    Zu deiner Kritik: Sowohl das Studium als auch das echte Leben haben mir beigebracht, dass viele Leser Service zu schätzen wissen. Das Aussortieren relevanter Informationen aus dem Wust aus Nachrichten, Halbwahrheiten, Werbung, Spam und PR wird immer wichtiger, gleichzeitig wollen alle Medien näher an ihren Lesern sein. Beides erfordert, unter anderem „handfeste“ Informationen zu bringen, halt solche mit Servicecharakter.

    Dieser Artikel wird mir weder einen Pulitzerpreis bescheren noch die Welt retten – aber bestimmt den einen oder anderen Streit über Porno-Konsum vermeiden, der durch den für viele undurchsichtigen Trick mit dem verkürzten Links bzw. URL entstehen könnte. Das Sexualverhalten jedes Einzelnen (dazu zähle ich Porno-Konsum im weiteren Sinne) ist Privatsache, ich habe nicht darüber zu richten. Und eben weil ich denke, dass die Intimsphäre intim bleiben sollte, habe ich diesen Artikel geschrieben. Ich bin mir sicher, dass es einen Haufen Leute gibt, dem es unangenehm ist, wenn der technische Beweis für seine Vorlieben (oder auch nur Experimente?) in Sachen Pornographie Dritten auf dem Präsentierteller serviert wird, im Hintergrund versandter E-Mail sei Dank.

    Du glaubst, das betrifft oder interessiert nur eine Minderheit? Mag sein, halte ich aber für unwahrscheinlich. Meine Überzeugung ist auch: Selbst wenn etwas nur wenige interessiert, es ihnen gefällt oder hilft, ist schon einiges gewonnen. Es wird ja keiner zum Lesen gezwungen. Und wer immer nur Themen anspricht, die garantiert alle ansprechen, betreibt höchstwahrscheinlich Populismus. Schmerzhaft mit anzusehen bei der „Bild“. So viel zur Ethik. Worauf sich deine Anmerkung zu „rechtlichen Aspekten“ bezieht, ist mir nicht klar. Der Vorwurf, boulevardesk zu sein oder zu arbeiten, trifft mich, wenn du damit etwas anderes meinst als die Themenwahl als solche und vielleicht den Antext.

    Im Übrigen woltle ich mit dem Artikel (und bei näherem Interesse auch mit den verlinkten Texten) zum Nachdenken über Sicherheit und Privatsphäre im Internet anregen. Dafür entwickelt sich zwar gerade ein Bewusstsein, aber meiner Ansicht nach zu langsam.

    Das war lang, hat dich aber hoffentlich nicht erschlagen (ich setze mal voraus, dass Duzen okay ist). Wenn noch Kritik, Fragen oder Anmerkungen sind, schieß(t) los.

    Der Autor

  • Gernot sagt:

    Das ist nicht euer Ernst,oder? In der Vergangenheit wurde ja oft über die Qualität der Pflichtlektüre (und ihrer Internetpräsenz) diskutiert und ich gehörte zu euren schärfsten Verfechtern.
    Aber mit Texten wie diesem macht ihr euch wirklich lächerlich! Wo seht ihr darin denn den journalistischen Mehrgehalt? Es ist ja fast schon zynisch, wenn ihr meint, viele eurer Leser hätten einen Schutz gegen „Pornoaufdeckungsseiten“ nötig. Ihr lernt doch in eurem Journalistikstudium auch viel über ethische und rechtliche Aspekte eures künftigen Berufs. Beziehen die sich nur auf „BILD“-Niveau? Dieser Text ist eine Armutserklärung für die Pflichtlektüre und an Boulevardeskem gar nicht zu übertreffen.

    Ich hoffe, ich kann mit meiner Kritik zumindest für etwas mehr Differenziertheit bei der Auswahl der Themen in Zukunft sorgen. Auch über eine Rückmeldung würde ich mich freuen.

    ein verärgerter Leser

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