Warnung vor fieser Porno-Falle

Es gibt eine populäre Theorie, nach der sich neue Technologien vor allem dann durchsetzen, wenn sie ihren Nutzern einen leichteren, schnelleren und bequemeren Zugang zu einem sehr gefragten Gut verschaffen: Pornos. Neuerdings lockt eine besonders fiese Seite. Eine Warnung:

Im 15. Jahrhundert ermöglichte der Buchdruck in Massen die flottere Verbreitung anzüglicher Texte und Bilder. In den 80er Jahren entschied die Porno-Industrie den „Krieg der Video-Formate“: Sie durfte nur das technisch minderwertige VHS-System nutzen – das sich prompt gegen Video 2000 durchsetzte. Fotografie, Kabelfernsehen, Pay-TV… die Liste ist lang, wie die Süddeutsche Zeitung beweist, oder dieser rechtswissenschaftliche Aufsatz (Achtung, Englisch). Im Jahr 2010 kann private Lust auf Pornos mit einer Vorladung beim Chef oder großem Beziehungsstreit enden. Wie das funktioniert – und wie man sich schützen kann.

Kokettes Lächeln, böse Falle, brisante Info: Screenshot von DidYouWatchPorn.com

Kokettes Lächeln, brisante Info, böse Falle: "Did You Watch Porn? - Yes You Did!" Macht nix? Tja, bald weiß vielleicht dein Chef Bescheid... Screenshot von DidYouWatchPorn.com

Dass das Internet, unter anderem, ein gigantischer Umschlagplatz für Pornos ist, dürfte niemanden wundern. „Sex“ gehört seit den Anfängen des Netzes zu den meistgesuchten Begriffen – genau wie „nude“ in Kombination mit den Namen von Popsängerinnen oder Schauspielerinnen. Youtube-Klone mit pornographischem Inhalt aller Art schießen schneller aus dem Boden, als selbst der ärmste Porno-Junkie sie verfolgen kann – und auch Freunde der absurdesten Fetische finden Gleichgesinnte. Aus diesem Grund wird in Spam-Mails eben nicht nur für garantiert seriöse Investments geworben. Doch auch auf Links zu „extrem scharfen Videos“ oder Viagra im Sonderangebot fällt kaum noch jemand herein.

Böse Masche: Mail mit Daten zum Porno-Konsum an Mama oder den Chef

Umso böser ist die Masche einer Seite namens DidYouWatchPorn.com – sie behauptet, herausfinden zu können, ob derjenige, der sie anklickt, kürzlich Pornovideos im Internet gesehen hat. Wer neugierig ist, sich herausgefordert oder beleidigt fühlt und draufklickt, wird vielleicht tatsächlich überrascht sein, was die Seite so alles weiß: Die Porno-Gucker-Überführer-Website nutzt dazu die so genannte Chronik des Browsers. Diese dient eigentlich dazu, dass der Browser erkennt, welche Links schon geklickt wurden. Eine gute Erklärung der Technik dahinter mit weiteren angsteinflößenden Beispielen (Namentliche Identifizierung von praktisch jedem, der einen Account bei Facebook, StudiVZ und Co. besitzt!) gibt es hier. Fakt ist jedenfalls: Mit dieser Methode kann DidYouWatchPorn.com jedem genüsslich unter die Nase reiben, ob und auf welchen schmutzigen Seiten er (oder sie) unterwegs war.

Wer das hier liest, ist brav gewesen - oder hat seinen Verlauf gelöscht.

Wer beim Besuch von DidYouWatchPorn.com diesen Bildschirm sieht, war brav oder nur auf unbekannten Pornoseiten unterwegs - oder hat den Verlauf der besuchten Websites gelöscht.

Der Haken an der Sache: Wer den Link per Mail oder Facebook bekommt – in der Regel verkürzt und damit „verschleiert“ – und darauf klickt, riskiert, dass das Ergebnis zeitgleich auch beim Absender landet. Beim besten Kumpel oder der besten Freundin mag das witzig sein, bei Mama peinlich – beim Chef oder dem Partner kann der unbedachte Klick zu richtigem Ärger führen. Daher drei Tipps:

  1. Chronik / Verlauf regelmäßig aus dem Browser löschen. Wie das geht, steht in aller Ausführlichkeit hier. Das schützt vor der einen oder anderen bösen Überraschung, geht aber auf Kosten des Komforts. Das richtige Verhältnis zwischen Privatsphäre und Bequemlichkeit muss hier jeder für sich selbst finden.
  2. Gehirn an- und Augen auflassen schadet nie, eine Firewall und Anti-Viren-Software auch nicht. Und verdächtige verkürzte Links lassen sich fix „entschlüsseln“.
  3. Diese Warnung an alle Bekannten weiterleiten. Oder auch diesen Bericht, der das ganze noch einmal ausführlich erklärt.