Finale im Wettbewerb um Klimastadt der Zukunft

CO2 fressende Algen, Abwasserwärme und Dachbegrünungen. Um die Klimastadt der Zukunft zu werden, haben sich die Ruhrgebiets-Städte, die im Finale des Wettbewerbs InnovationCity Ruhr stehen, einiges einfallen lassen. Ziel ist die Halbierung des CO2-Ausstoßes bis 2020. Am 4. November wird der Gewinner verkündet.

Die Vertreter der Finalistenstädte von InnovationCity Ruhr. Foto: InnovationCity Ruhr

Die Vertreter der Finalistenstädte von InnovationCity Ruhr. Foto: InnovationCity Ruhr

Bochum, Essen, Mülheim, Bottrop und Gelsenkirchen/Herten haben es ins Finale geschafft. Die fünf Städte haben in 60-seitigen Konzepten vorgestellt, wie sie eine Modellregion bis 2020 in einen Niedrigenergie-Stadtteil umstrukturieren wollen. Der vom Initiativkreis Ruhr ausgelobte Wettbewerb verspricht der Gewinnerstadt innerhalb der nächsten zehn Jahre 2,5 Milliarden Euro für Öko-Investitionen.

Ein typisches Stück Ruhrgebiet

Die Bewerbungsstandards sind streng. Jede Stadt muss eine Modellregion mit höchstens 70.000 Einwohnern auswählen. Diese sollte „ein typisches Stück Ruhrgebiet“ sein: dicht bebaute Wohngebiete, hohes Verkehrsaufkommen, Industrie- und Gewerbegebiete – ein Gebiet mit jeder Menge Potential für Verbesserungen.

Die Modellgebiete haben gemeinsam, dass sie größtenteils von einer sozial schwächeren Bevölkerung und überdurchschnittlich vielen Ausländern bewohnt werden. Die erarbeiteten Konzepte sollen als Vorreiter dienen und müssen auch auf andere Städteanwendbar sein. In der Praxis heißt das vor allem Gebäudesanierungen, Umstellung von Heizungsanlagen auf umweltfreundliche Systeme, klimafreundliche Standards bei Neubauten, Wärmepumpen und Solaranlagen, Elektroautos und Busse mit effizienten Antriebssystemen.

Keine politisch motivierte Entscheidung

innovationcity1Die unabhängige Fachjury, unter dem Vorsitz von Manfred Fischedick, Vizepräsident des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt, Energie GmbH,  betonte unterdessen, dass die Entscheidung der Jury nicht politisch motiviert sein würde. Im Vorfeld wurde vermutet, dass Essen schlechtere Chancen  habe, da die Stadt bereits Kulturhauptstadt ist.

Die Finalisten

Bottrop

Das Projektgebiet der Stadt Bottrop umfasst unter anderem die Innenstadt und den bereits existierenden Zero-Emission-Gewerbepark. Auf dem 2500 Hektar großen Gebiet wohnen rund 65.000 Bottroper. Als „Stadt der kurzen Wege“ und mittels neuartiger Methoden zur Energiegewinnung will die Stadt die Jury überzeugen.

Neben den bereits eingesetzten Wasserstoffbussen sollen  in der Klima-Modellstadt künftig Großraumgelenkbusse fahren. Diese werden mit Brennstoffzellen und „grünem“ Wasserstoff angetrieben, der aus Klärgas gewonnen wird. Auch bei der Wärmegewinnung will die Stadt neue Wege gehen. CO2 fressende Algen sollen mit Wärme und Mineralien aus Grubenwasser zu Aktivkohle weiterverarbeitet werden. Nach Angaben der Projektplanung werden ganze Bergwerke genutzt, um mittels Erdwärme Energie zu gewinnen.

Mülheim

Dachbegrünung als Wärmedämmung. Foto: InnovationCity Ruhr

Dachbegrünung als Wärmedämmung. Foto: InnovationCity Ruhr

Mülheims Projekt steht ganz im Zeichen des Klimawandels. Im 1300 Hektar großen Projektgebiet mit 57.000 Einwohnern sollen etliche neue Grünzüge und Freiräume die Frischluftzufuhr verbessern. Mit Grünpflanzen auf den Dächern Mülheims soll die Wärmedämmung der Gebäude verbessert werden.

Mülheim ist die einzige Stadt unter den Finalisten, die eine Halbierung der CO2-Emissionen bis 2020 als unrealistisch bezeichnet. Mehr als 41 Prozent sei nicht machbar, heißt es in der Bewerbung der Stadt. Dennoch will die Stadt die entwickelten Maßnahmen auch dann umsetzen, sollte sie nicht gewinnen.

Essen

Essen hat sich für seine Bewerbung ein Projektareal in Innenstadtnähe mit 61.500 Einwohnern ausgesucht. Diese sollen bald in „energieoptimierten Siedlungen“ leben. Satellitengestützte Thermal-Infrarotbilder haben ergeben, dass die Häuser aufgrund des maroden Bau-Bestandes sehr viel Wärme verlieren. Die Wärmedämmung soll auf Vordermann gebracht werden, was die Stadt vor allem wegen der stark zersplitterten Eigentümerstruktur vor Schwierigkeiten stellen wird. Weitere ambitionierte Ziele der Stadt: Ein Max-Planck-Institut für Energieeffizienz, der Einsatz von Hybrid-Bussen, ein Programm zur Dachbegrünung und Solar- und Mikro-Wind-Anlagen.

Bochum

In Bochum stützen sich die Pläne zur Reduktion der CO2-Emissionen vor allem auf privates Engagement. Hausbesitzer sollen zur verbesserten Wärmedämmung und zur Modernisierung ihrer Heizungen motiviert, ganze Wohnsiedlungen in Energiespar-Wohnquartiere umgebaut werden. Darüber hinaus werden innovative Konzepte zur Energiegewinnung vorgestellt. Neben den bekannteren erneuerbaren Energiequellen wie Erdwärme, Biogas und Solarenergie soll in Bochum künftig auch Energie aus der Wärme von Abwasser und die Abwärme von Grubenwasser genutzt werden. Damit sollen ein Schwimmbad und eine Schule beheizt werden.

Gelsenkirchen/Herten

Die Städte Gelsenkirchen und Herten, die sich gemeinsam für die Klima-Modellstadt bewerben, wollen die Jury mit dem Slogan „Wir sprengen Grenzen“ überzeugen. Das Laborgebiet umfasst acht Stadteile mit 70.000 Einwohnern. Als Herzstück des Projektes soll das ehemalige Bergwerk Westerholt ein internationales Qualifizierungszentrum für neue Energien im Bereich Handwerk, berufliche Bildung sowie Zukunftsenergien werden.

Die ehemalige Zechenbahn in Gelsenkirchen und Herten soll für Fußgänger, Radfahrer und Elektrofahrzeuge umgebaut werden und die Stadtteile verbinden. Auch ästhetisch sieht der Projektentwurf einiges vor: Ein Solarflügel von einem Kilometer Länge soll die Bergwerksgebäude überspannen und 33 Hektar der ehemaligen Kokerei könnten im Zuge des Projektes zu einem Landschaftspark umgebaut werden.