Kommentar: Kleingeld im Überfluss

Einmal nicht passend bezahlt und klimper, klimper – das Kleingeldfach vom Portmonee ist wieder voll. Italien will jetzt damit Schluss machen. Das Rückgeld wird ab nächstem Jahr gerundet. Auch in Deutschland wäre es an der Zeit die ungeliebten kleinen Münzen abzuschaffen.

Italien macht es vor: Auf Vorschlag von Demokratische Partei des Ex-Ministerpräsidenten Matteo Renzi schaffen die Italiener ab dem 1. Januar 2018 die Ein- und Zwei-Cent Münzen ab. Damit wagen die Italiener einen Schritt, der auch in Deutschland schon längst überfällig ist. Es soll in Zukunft demnach auf den nächst größeren oder kleineren Fünf-Cent-Betrag gerundet werden. Allerdings sieht dass Recht der  EU- Zone vor, dass Kunden trotzdem noch auf die Auszahlung ihres Rückgelds bis auf den letzten Cent bestehen können. Zumindest solange die schon vorher geprägten Münzen noch im Umlauf sind.

Absurdes Kosten-Nutzen-Verhältnis

Die wohl kräftigsten Argumente für eine Abschaffung der kleinsten Euromünzen kommen aus der Wirtschaft: Die Produktion von Ein- und Zwei-Cent-Münzen seit der Euro-Einführung 2002 hat rund 1,4 Milliarden Euro gekostet. Der Materialwert des Kupfers ist höher, als die Münzen an sich. Alleine bei der Ein-Cent-Münze betragen die Produktionskosten 1,65 Cent. 
Und auch der Einzelhandel leidet: Alleine für das Einzahlen einer Geldrolle von Ein-Cent-Münzen im Wert von 50 Cent bei der Bank kostet rund 30 Cent. Diese Gebühren fielen natürlich im Falle einer Abschaffung auch in Deutschland weg – zumindest für die beiden kleinsten Geldrollen.

Bei einer Umfrage im Jahr 2015 hat sich die Mehrheit der Deutschen für eine Abschaffung der Ein- und Zwei-Cent-Stücke ausgesprochen:

 

Der Großteil der Bevölkerung ist einer Abschaffung der Ein- und Zwei-Cent-Münzen nicht abgeneigt, wie die Erhebung unter 1000 18- bis 70-jährigen Deutschen zeigt.

Quelle: myMarktforschung/Studie: Abschaffung Münzgeld

Kritik durch Verbraucherschützer

Kritik kommt vor allem von Verbraucherschützern. Sie argumentieren, dass die Preise wie 2,59 Euro oder 1,99 Euro aufgerundet werden und so mehr Kosten auf den Verbraucher zurückfallen. Aber wer bezahlt seine Einkäufe denn einzeln, sodass immer aufgerundet werden muss? Bei mehreren Artikeln, die auf 99 enden, kann sich der Verbraucher doch freuen, dass abgerundet wird.
Und welchen Vorteil bringen die Ein- und Zwei-Cent-Stücke: Oft landen die ungeliebten Kupfermünzen in Kaffeekassen oder in Spardosen von sozialen Projekten. Die Projekte kann man allerdings auch wunderbar mit mindestens Fünf-Cent-Münzen vom Rückgeld fördern. Alternativ könnte auch der aufgerundete Betrag direkt an den guten Zweck gehen. So machen es auch in Deutschland schon einige große Handelsketten.

Dass dieses System funktionieren kann, zeigen andere Nationen: In den Niederlanden wird in den Geschäften schon seit 2004 auf- und abgerundet. In Finnland gibt es bereits seit der Euro-Einführung ein Gesetz, das das Bezahlen ohne Ein- und Zwei-Cent-Münzen regelt. Genauso ist es mittlerweile in Irland und Belgien.

Weil es in diesen Staaten bereits hervorragend funktioniert, wird es Zeit für Deutschland als wirtschaftsstärkster Staat der EU ebenfalls ein Zeichen für die Zukunft zu setzen und die lästigen Münzen abzuschaffen.

Beitragsbild: flickr/Mark_K_, liezenziert nach Creative Commons 2.0 Generic

1 Comment

  • Hendrik sagt:

    Einfach mehr mit Karte zahlen. Ich zahle nach Möglichkeit alles mit Karte- und mit modernen kontaktlosen Karten, wie z.B. von Mastercard, Visa oder American Express geht das Zahlen auch ruckzuck, da nur noch die Karte angehalten und keine PIN mehr eingegeben werden muss (unter 25 EUR).

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