Postbote mit sechs Rädern

Wer in Düsseldorf-Grafenberg die Expresslieferung eines Elektromarktes auswählt, hat kurze Zeit später einen kleinen Lieferroboter vor der Tür stehen. Ein estländisches Start-up-Unternehmen testet dort selbstfahrende Lieferboten auf Rädern.

Ein bisschen sieht er aus wie eine weiße Marssonde auf sechs Rädern. Mit zwei LED-Augen vorne und einem roten Wimpel, wie man es von Einkaufswagen für Kinder kennt. Dazu piept der Lieferroboter ganz lustig, der durch die Straßen in Düsseldorf-Grafenberg steuert. Bis zu 15 Kilogramm kann er transportieren, das entspricht etwa dem Inhalt von zwei Supermarkttüten. Geht es nach den Herstellern, soll die kleine Maschine die Stadt-Logistik der Zukunft revolutionieren: Entwickelt haben den Roboter zwei der Skype-Gründer aus London mit ihrem Start-up-Unternehmen Starship, das in Estland sitzt. In mehreren deutschen Städten sind gerade Testprojekte angelaufen, die das Potential der Technologie ausloten soll. Unter anderem in Hamburg, München – und eben in Düsseldorf.

So stellt es sich das Unternehmen Starship vor: Der Lieferroboter soll selbstständig auf Fußwegen fahren. Foto: Starship

Dort liefert der Roboter Lieferungen der dort ansässigen Filiale einer Elektromarkt-Kette an Haushalte im Neubaugebiet um das Geschäft herum aus. Bisher nur Kleinteile wie Handy-Ladekabel, DVDs oder USB-Sticks. Ist der Test erfolgreich, sollen aber auch größere Dinge ausgeliefert werden – und die Technik auch in anderen Branchen zum Einsatz kommen: Angedacht sind Medikamenten-Lieferungen, Lebensmittel oder kleinere Pakete. 

Alleine darf der Roboter allerdings noch nicht auf dem Bürgersteig unterwegs sein. Denn rechtliche Fragen sind noch lange nicht geklärt, zum Beispiel: Wer haftet, wenn der Roboter einen Unfall baut? Deswegen begleitet Dino Dessi, Mitarbeiter von Starship, den Roboter in der Testphase bei jeder Lieferung.

Gesichert mit integrierter Alarmanlage

Sobald ein Kunde im Umfeld der Filiale online die Express-Lieferung auswählt, kommt er zum Einsatz. Heute hat ein Kunde einen USB-Stick bestellt. Dino Dessi schließt sich mit der Filiale kurz, zehn Minuten später kann er die Ware dort abholen und im Roboter verstauen. Klappe zu und los geht es: Über Funk ist Dessi mit seinem Kollegen Rasmus in der estländischen Zentrale verbunden. Der sieht dort das Bild, das die Kameras im Roboter ihm übermitteln. In der Testphase begleitet er den Lieferweg so virtuell, später soll das nur noch in Problemsituationen notwendig sein. Eine elektronische Karte steuert den Roboter über die Fußwege der Stadt. 

In das Fach im Inneren des Roboters passen ungefähr zwei Einkaufstüten. Foto: Starship

Selbstständig rollt das kleine Gefährt von der Filiale aus los. Über den Parkplatz geht’s rauf auf den 
Bürgersteig. Ein Hund beschnuppert den Roboter dort, das macht ihm nichts aus. „Funktioniert doch alles einwandfrei“, gibt Dessi seinem Kollegen in Estland auf englisch durch. Stehen bleibt der Roboter an der ersten Straßenkreuzung: „Hier muss ich noch helfen“, sagt Dino Dessi. Die Straße ist frei, er funkt wieder seinen Kollegen an: „Alles gut, du kannst weitermachen.“ Und das kleine Gefährt macht sich wieder auf den Weg.

Immer wieder würde er gefragt, ob man den Roboter klauen könne. „Ja, kann man“, sagt Dessi. Gesichert sei die Maschine allerdings mit einer Alarmanlage. Zudem sei es nicht ganz unauffällig, mit einem 20 Kilogramm schweren Roboter unter dem Arm durch die Stadt abzuhauen. 

Öffnen kann das Fach im Inneren nur der Kunde, für den die Lieferung bestimmt ist. Eingebaute Ultraschallsensoren informieren virtuell jederzeit über die Umgebung, in der der Lieferroboter unterwegs ist: So bleibt er zum Beispiel vor einer Baustelle stehen und sucht sich automatisch einen Weg an den Absperrgittern vorbei. Dessi steht daneben und grinst: „Auf den Kleinen ist eben Verlass.“ Trotzdem: Bis der Roboter für den Straßenverkehr zugelassen ist, wird es wohl noch dauern.

Von der Revolution der Stadt-Logistik noch weit entfernt

Weite Strecken kann der Roboter noch nicht zurücklegen, die Batterie hält einfach noch nicht lange genug. Deswegen wird es wohl auch in Zukunft vorerst bei kurzen Strecken bleiben. „Unser Ziel ist die Last-mile-delivery“, sagt Dino Dessi. Gemeint ist damit der letzte Abschnitt vom Zentrallager oder in diesem Fall von der Elektromarkt-Filiale zum Kunden. Das sei das teuerste Stück der Lieferkette: „Im Augenblick kostet das ein Unternehmen 7 bis 10 Euro pro Tour, unser Ziel ist es, diese Dienstleistung für unter einem Euro anzubieten.“ Der Service wird deswegen derzeit nur in einem kleinen Umkreis im Neubaugebiet um den Markt herum angeboten. Den Postboten wird der Roboter übrigens so schnell nicht ersetzen können: „Das Angebot ist eine Zusatzleistung für alle, die schnell an ein bestimmtes Produkt kommen wollen und in der näheren Umgebung des Marktes wohnen“, sagt Dessi. 

Der Kunde kann die Lieferung die ganze Zeit per GPS verfolgen: Wenn der Roboter vor der Tür steht, gibt’s eine SMS aufs Handy. So auch heute, als der Roboter nach gut zehn Minuten Fahrt an sein Ziel kommt. Ein weißes steriles Einfamilienhaus in Grafenberg. Nicht lange dauert es, bis eine Dame die Tür öffnet. Es sei nicht das erste Mal, dass der Roboter vor ihrer Tür stehe, sagt sie. Per Handycode öffnet sie das Fach des Roboters und nimmt ihren USB-Stick heraus. Bezahlt hat sie vorab schon online, sie macht die Tür wieder zu. Und Dino Dessi hat für heute Feierabend.

Beitragsbild: Nikolas Golsch

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