Duell am Donnerstag: Payback – geschenktes Geld oder Abzocke?

Nach dem ganzen Geschenkekaufen für Weihnachten ist das Portemonnaie leer. Zeit, um mal wieder auf Rabattaktionen und Schnäppchen zu achten – und dabei mit Payback ganz nebenbei Geld zu sparen? Sandra Schaftner hat ihre Payback-Karte immer dabei, Katrin Wrobel ist entschlossene Payback-Gegnerin.

Payback ist geschenktes Geld

meint Sandra Schaftner

Reich und Student? Eindeutig ein Widerspruch. Wenn es irgendwo etwas gratis gibt, sind wir Studierende am Start. Deswegen ist Payback für uns ideal: Leichter kann man fast nicht Geld geschenkt bekommen.

Bei Payback geht es darum, beim Einkaufen Punkte zu sammeln, die später bares Geld wert sind. Das Punktesammeln funktioniert fast automatisch. Man muss nur seine Payback-Karte beim Einkauf vorzeigen. Kein großer Aufwand also. Zwar machen nur bestimmte Geschäfte mit, aber die Auswahl ist groß: Real, Rewe, dm, Galeria Kaufhof, Aral, um nur einige zu nennen. Auch in vielen Online-Shops und auf ebay kann man Punkte sammeln. Dafür muss man nur seine Kartennummer angeben.

In zwei Minuten fünf Euro „verdient“

Je nach Shop bekommt man pro Einkauf im Wert von einem oder zwei Euro je einen Payback-Punkt. Wer nah an einem Supermarkt wie Rewe oder Real wohnt und fast immer dort einkauft, bei dem sammeln sich schnell einige Punkte an. Sobald man mehr als 200 Punkte zusammen hat, kann man sie einfach in bares Geld umtauschen. Ein Punkt ist einen Cent wert. Erst vor Kurzem habe ich am Rewe Servicepoint 500 Punkte in fünf Euro umgewandelt.  Zeitaufwand: zwei Minuten. Diese habe ich gleich beim nächsten Einkauf eingelöst. Das waren dann quasi fünf Tafeln Schokolade umsonst. Oder fünf Kilo Möhren. Oder mehrere Packungen Zucker – wie man will. Laut Payback sammelten die 28 Millionen deutschen Nutzer im Jahr 2015 insgesamt Punkte im Wert von 338 Millionen Euro. Das macht im Durchschnitt etwa zwölf Euro pro Kartenbesitzer.

Payback hat auch oft Coupons und Aktionen mit vielen Extra-Punkten. Zum Beispiel schenkte Payback mir vor kurzer Zeit zusätzlich 200 Punkte (sprich zwei Euro), als ich an einem Aktionstag Punkte am Servicepoint in Bargeld umwandelte. Einen Euro davon spendete ich nach meinem Einkauf an die Tafel, die an dem Tag vor dem Rewe stand – und erhielt dafür eine frische Waffel.

Ohne Einwilligung keine Werbung

Kritiker von Payback argumentieren oft: Das Geld sind mir meine Daten nicht wert! Darauf sage ich: Dann dürft ihr auch nicht Facebook oder Google nutzen. Natürlich speichert Payback ein paar Daten, sonst würde das System nicht funktionieren. Aber Payback ist vom TÜV geprüft, das heißt, die Daten sind geschützt, werden sicher gespeichert und nicht an Dritte weitergegeben.

Payback ist transparent, was seine Daten angeht: Jeder Kunde kann kostenlos anfragen, welche Daten von ihm gespeichert werden. Ich habe das auch gemacht und sechs Seiten Tabellen zugeschickt bekommen. Wie vermutet, weiß Payback meinen Namen, Wohnort, E-Mail-Adresse, Geschlecht und Geburtsdatum. Außerdem speichert das Unternehmen bei jedem Einkauf Tag und Uhrzeit, gesammelte Punkte, Geschäft und Betrag. Was ich genau gekauft habe, steht nicht auf der Einzeltransaktionsliste. Payback weiß also nur, wie viel Geld ich in welchem Geschäft ausgebe, aber nicht wofür. Das ist für mich in Ordnung.

Entgegen vieler Vorurteile werden Payback-Kunden auch nicht mit Werbung überhäuft. Entweder man willigt dafür bei der Bestellung der Karte gar nicht erst ein oder man widerruft die Einwilligung später. Dann darf Payback die Kundendaten nicht einmal zur Marktforschung nutzen.

 „Ja“ ist schöner als „Nein“

Es ist inzwischen Standard, dass Kunden an der Kasse nach ihrer Payback-Karte gefragt werden. Dann kann ich der freundlich lächelnden Kassiererin immer ein ebenso freundliches „Ja“ entgegnen. Denn das Wörtchen klingt einfach immer besser als ein „Nein“.

Payback ist Abzocke

findet Katrin Wrobel.

„Haben Sie eine Payback-Karte?“ Diese Frage scheint den Kassierer genauso zu nerven wie mich. Nein, ich habe keine Payback-Karte. Und werde auch in Zukunft keine haben.

Zunächst einmal deswegen, weil Payback sich schlicht und einfach nicht lohnt. Um meine mühsam gesammelten Punkte umtauschen zu können, bräuchte ich erst einmal einen bestimmten Punktestand. Das sind mindestens 200 Punkte (entspricht etwa 200-400 Euro), um Geld ausgezahlt zu bekommen, und mindestens 1000 Punkte (entspricht etwa 1000-2000 Euro), um mein virtuelles Punktekonto gegen eine Prämie einzutauschen.

Payback steuert das Kaufverhalten

Weil die Punkte aber nach gewisser Zeit wieder verfallen, werden Payback-Nutzer dazu verleitet, immer brav bei den Partner-Geschäften von Payback einzukaufen. Kundenbindung heißt das Zauberwort, das die Nutzer von Preisvergleichen mit anderen Geschäften abhalten soll. Ob Milch und Käse woanders günstiger oder qualitativ besser sind, soll uns auf der Jagd nach Punkten nicht mehr interessieren. So steuert Payback unterbewusst das Kaufverhalten der Kunden und schränkt deren Unabhängigkeit ein – für ein paar krumme Cents Gutschrift pro Einkauf.

Mit seinem Katalog an Prämien hängt Payback einen zusätzlichen Köder an den Haken. Die Aussicht auf einen Kochlöffel mit Temperaturfühler oder eine neue Skischuhtasche soll uns fleißig zum Punktesammeln und Einkaufen anregen. Weil die Punkte aber meist nicht ausreichen, muss man für die Prämien draufzahlen. Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen warnt davor, dabei in die Schnäppchenfalle zu tappen. Denn zum Teil seien die Prämien-Produkte bei Payback überteuert und anderswo günstiger erhältlich.

Payback als Datenkrake

Obwohl es so klingt – bei Payback geht es keinesfalls darum, dass gutmütige Geschäfte ihren Kunden Geld schenken möchten. Hinter Payback steckt das Unternehmen Loyalty Partner. Das profitiert nicht nur von dem veränderten Kaufverhalten der Payback-Nutzer, sondern auch von deren Daten. Die Geschäftsidee funktioniert scheinbar so gut, dass Loyalty Partner im Jahr 2010 für eine halbe Milliarde Euro vom US-Kreditanbieter American Express gekauft wurde.

Die Masse an Daten, die das Unternehmen sammelt, ist enorm. Loyalty Partner erhält von mehr als 30 Partnern und über 600 Online-Shops sensible Payback-Kundendaten. Das Unternehmen erfährt daher ganz genau, welcher Payback-Nutzer wann bei welchem Partner für wie viel Geld eingekauft hat. Einige Geschäfte leiten außerdem noch weiter, welche Produktgruppen gekauft wurden. So laufen bei Payback die Einkaufsdaten von – nach eigenen Angaben – 28 Millionen Payback-Nutzern zusammen. Hinzu kommen noch sogenannte Basisdaten wie Name und Adresse, die jeder Nutzer bei der Anmeldung angeben muss.

„Big Brother Award“ für Payback

Die Daten sind dazu geeignet, genaue Rückschlüsse auf die Lebensgewohnheiten der Payback-Nutzer zu ziehen: Wer häufig tankt, ist womöglich Berufspendler und wer plötzlich Windeln kauft, ist wahrscheinlich gerade Eltern geworden. Das Sammeln der Masse an persönlichen Daten ist einer der Gründe, weshalb sich Loyality Partner im Jahr 2000 den Negativpreis „Big Brother Award“ einhandelte.

Mit Hilfe der erhobenen Daten kann das Unternehmen individuelle Werbung auf die Nutzer zuschneiden und sie so gezielt zum Konsum drängen. Zwar erklärt man sich seit einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts durch die Anmeldung bei Payback nicht mehr automatisch damit einverstanden, Werbung per SMS und E-Mail zu bekommen und muss seit einiger Zeit auch für Reklame per Post erst zustimmen. Gegen das Sammeln persönlicher Daten können sich Payback-Nutzer aber weiterhin nicht wehren.

Grund genug, die Finger von Payback zu lassen. Wer Preise vergleicht, statt Punkten und Prämien hinterherzujagen, spart schlussendlich sowieso mehr.

das-duell-feederFoto: stockxchng/bizior, S. Hofschlaeger/pixelio.de, Montage: Brinkmann/Schweigmann 
Teaserbild: Pflichtlektüre

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