Zwei Stunden Fußballgolfen:
Auch etwas für Amateure

Dicke Bücher belasten den Rücken, im Kino zahlt man für Überlänge drauf. Zeit ist Geld – im wahrsten Sinne. Wofür also die knappe Freizeit verwenden? Wir lesen, spielen und schauen für euch – nach zwei Stunden hören wir auf. Entweder, weil wir fertig sind oder weil die Zeit um ist. Heute versuchen wir einzulochen. Nein, nicht was ihr denkt! Wir sind auf dem Fußballgolfplatz Soccerpark Westfalen in Dortmund Eving und versuchen dort unser Glück.

Grüne Wiese soweit das Auge reicht. Aber ein herausgeputzter Golfrasen ist das hier nicht. Ich stehe am Anfang des Fußballgolfplatzes Dortmund Eving, hinter mir ein orangenes Empfangshäuschen mit einem kleinen Café. Vor mir rund fünf Hektar Rasenfläche. Über den Platz verteilt sind Hügel aufgeschüttet, kleine Bäume dienen als Hindernis, genau wie Metalltore, Röhren, Baumstämme oder auch ein Traktorreifen. Die Hindernisse sind verteilt auf 18 Bahnen wie beim Minigolfen. An den Abschlagspunkten liegt Kunstrasen, damit der Boden nicht durch die Schüsse kaputt gemacht wird. Man sieht, dass der restliche Rasen sehr in Mitleidenschaft gezogen wurde. Kein Wunder, denn wenn man den Ball nicht richtig trifft, entstehen tiefe Löcher. Das wird mir vermutlich auch passieren, bei meinem nicht vorhandenen Fußballtalent.

Schnelldurchlauf

Fußballgolfen ist ähnlich wie Minigolf: Jeder Spieler bekommt eine Karte, auf der die Punkte eingetragen werden. Wer am wenigsten Schüsse braucht, hat gewonnen. Aber so oft schießen, wie ich will, darf ich auch nicht: Für jede Bahn gibt es eine Par-Vorgabe, die festlegt, wie viele Schüsse ein geübter Spieler brauchen sollte, um den Ball vom Abschlagspunkt ins Loch zu befördern. Die Regeln sind gnädig: Immerhin darf ich dreimal so oft schießen wie die Vorgabe. Wenn ich das nicht schaffe, muss ich die Anzahl der Schüsse und einen Strafpunkt aufschreiben.

Der Ehrgeiz ist bei mir schon am Anfang geweckt, auch wenn ich nicht behaupten kann, ich wäre in der engeren Auswahl zur DFB-Elf gewesen. Aber ein bisschen Training beim Fußballspielen mit meinen Brüdern im Garten hatte ich. Und diese Stunden sollen sich ja auch irgendwann mal auszahlen. Zum Glück spiele ich dieses Mal nur mit einem Gegner, dem Leiter der Parkanlage, Markus Havelt. Der 42-Jährige ist Fußballgolfprofi und auf seiner Bahn hat er natürlich einen Heimvorteil. Deshalb ist mein Ziel für heute klein: Nicht blamieren und auch die Par-Vorgaben nicht allzu sehr überschreiten. Beim Betrachten des Platzes fällt mir auf: Ein Hole-in-One ist hier unmöglich. Dafür sind die Bahnen mit einer Länge von mindestens 30 Metern einfach zu lang, selbst wenn es nur um einen geraden Schuss geht.

Kurzweilig

Der Ball rollt durch das Tunnelhindernis geradewegs auf das Ziel zu. Das Problem: Er muss noch ins Loch. Foto: Christina Strunck

Meinen Ball habe ich, wie jeder Spieler hier, vom Betreiber der Anlage bekommen. Natürlich habe ich mich – ganz Dortmunderin – für einen Schwarz-Gelben entschieden. Auf den ersten Bahnen hat er mir auch Glück gebracht: Für elf Par-Schüssen habe ich 15 gebraucht. Nach wenigen Minuten bin ich schon an Bahn 4 angekommen. Par-Vorgabe hier: Drei Schüsse. Dabei muss ich durch eine Röhre schießen, erst dahinter ist das Loch. Ich hole kräftig mit dem Fuß aus, der Ball fliegt und rollt und bleibt schließlich rechts vor der Röhre liegen. Mist! Jetzt muss ich versuchen, den Ball in die etwas höher gelegene Röhre zu bugsieren. Jetzt gut konzentrieren und bloß nicht zu kräftig schießen, denke ich mir. Und Schuss: Der Ball rollt durch die Röhre geradewegs auf das Loch zu. Geschafft! Ein kleiner Jubel und auf geht es zur nächsten Bahn. Groß freuen kann ich mich aber nicht. Markus Havelt ist eben Profi und liegt schon sieben Punkte vor mir. Auch wenn ich bei meinen Schüssen nicht auf einen Anruf von Jogi Löw warten brauche, mir macht das Ganze großen Spaß! 

Momentaufnahme

Ich komme an der neunten Bahn an und schaue mir erst einmal wieder auf dem Brett neben dem Abschlagspunkt an, wie ich spielen soll. Manchmal muss man genau zwischen zwei gestreiften Pfosten durchspielen, mal über einen Baumstamm lupfen, oder oder oder… Dieses Mal ist es ein Traktorreifen. Ich muss zuerst den Ball auf eine höhere Ebene leicht links vom Abschlagspunkt spielen, dann durch den Reifen und in das Loch dahinter. Nach nur einem Schuss liegt mein Ball schon vor dem Reifen. Ein Leichtes, ihn von da ins Loch zu bugsieren, ist es dann aber leider doch nicht für mich. Der Ball rollt über das Loch hinaus, und beim nächsten Schuss verfehle ich es knapp. Erst nach dem dritten Anlauf fällt er ins Loch.

Langatmig

Inzwischen bin ich bei Bahn 16 angekommen. Alles fängt dort so gut an: Der Ball muss zuerst in einer leichten Rechtskurve auf eine höhere Ebene geschossen werden. Erstaunlicherweise schaffe ich das auf Anhieb – Jogi wäre stolz auf mich. Ein Schuss weniger als erwartet. Aber der Ball muss bis zum Ziel noch einen kleinen Hügel hinauf. Zu allen Seiten des Lochs geht es bergab, wie bei einem Vulkan. Beim ersten Versuch rollt der Ball am Loch vorbei auf der anderen Seite wieder nach unten. Einmal ist ja nicht so schlimm, denke ich mir. Aber der nächste Schuss ist dann wieder zu lasch, und der Ball rollt mir entgegen, und natürlich bekommt er auch noch mehr Schwung durch den Hügel und rollt noch weiter weg. Ich probiere es wieder fester und schon ist der Ball wieder auf der anderen Seite. Das kann doch nicht wahr sein! Ich bin genervt und schreibe mir die Maximalzahl mit einem Strafschuss auf – zehn Punkte. Das macht mir mein Ziel natürlich total kaputt. Hügel herauf schießen ist einfach nicht mein Ding.

Unterschiedliche Hindernisse:  Hier muss der Ball in einen Bottich gelupft werden. Foto: Christina Strunck

Ich glaube, wenn man mit mehr Menschen spielt, machen auch solche Bahnen mehr Spaß. Dann ist man vielleicht nicht die Einzige, die weit über der Par-Vorgabe liegt. Aber wenn ich mir andere Spielergruppen hier ansehe, die zu sechst spielen, wäre mir das zu viel. Bis da alle den Ball im Loch haben, dauert es  eine ganze Weile. Zu Viert fände ich es ideal, Fußballgolfen zu gehen. Neun Euro kostet es pro Person auf dem Dortmunder Platz zu spielen. Wie mir der Parkbetreiber Markus Havelt versichert, sind auf der Bahn Fußballprofis nicht so sehr im Vorteil, wie viele Menschen vielleicht denken. Frauen würden oft besser abschneiden, weil sie nicht einfach drauf losschießen, erklärt Havelt. Es geht also um Ballgefühl, merke ich mir und schöpfe neue Hoffnung, was meine Chancen angeht.

Die Zeit ist um

Obwohl es draußen noch unter zehn Grad ist, habe ich meine Jacke inzwischen ausgezogen. Fußballgolfen ist zwar nicht extrem anstrengend, aber warm wird einem dadurch schon. Selbst in den kälteren Monaten kann man es spielen, wenn es nicht regnet. Die Saison in Dortmund Eving geht von März bis November.

Mein Ziel, möglichst nah an der Par-Vorgabe zu bleiben, hat sich vor allem in der zweiten Hälfte der Bahnen nicht ganz erfüllt: 69 Schüsse war die Vorgabe für den Platz, ich habe 102 gebraucht. Markus Havelt sagt: „Alles unter 100 ist gut“. Naja, ich bin fast gut. Und wer weiß, wie viele Schüsse Jogi gebraucht hätte?

Beitragsbild: Christina Strunck