Fake News – das Spiel mit der Realität

Foto: Gage Skidmore bei Flickr. Lizensiert nach Creative Commons 2.0 Generic

Für Donald Trump ist so ziemlich alles eine Sache der Auslegung. Für ihn zählt nur, was er selbst sagt – den Medien will er ohnehin nicht trauen. Plötzlich schwirren Begriffe wie „Fake News“ oder „alternative Fakten“ umher. Aber was ist das eigentlich? Und wer sagt überhaupt noch die Wahrheit?  

Schon bei der Live-Übertragung der Amtseinführung von Donald Trump konnten die Fernsehzuschauer erahnen, was Luftbilder später beweisen sollten: Es standen deutlich weniger Menschen auf den Wiesen vor dem US-Kongress, um dem neuen Präsidenten zuzujubeln, als noch im Jahr 2009, als Barack Obama seinen Amtseid ablegte.

Umso irritierender der erste Auftritt des neuen Sprechers des Weißen Hauses: Kaum war Sean Spicer vor die Journalisten getreten, sprach er auch schon vom „größten Publikum, das je bei der Amtseinführung eines Präsidenten dabei war. Punkt.“

Ein Vergleich der Luftbilder beweist das Gegenteil. Trotzdem halten der neue US-Präsident und sein Team an der Behauptung fest. Trumps Beraterin Kellyanne Conway sagt im Interview auf dem amerikanischen Sender NBC schließlich lediglich, Spicer habe „alternative Fakten“ präsentiert. 

Trump selbst setzt noch einen obendrauf. Nachdem er über den Nachrichtendienst Twitter zwischenzeitlich das ganze amerikanische Mediensystem als „Fake News“ bezeichnete, weist er bei seiner ersten Pressekonferenz als US-Präsident auch einen CNN-Reporter zurecht. „Dir gebe ich keine Frage, ihr seid Fake News!“, sagte er zu Jim Acosta.

Alternative Fakten – was soll das eigentlich sein?

Schon zuvor waren vor allem in den sozialen Netzwerken Diskussionen um Trumps Umgang mit der Wahrheit entbrannt. Nach den neuesten verbalen Angriffen auf die Medien wurde diese heftiger. Unter den Hashtags #alternativefacts und #fakenews machen User ihrer Empörung auf Twitter und Facebook Luft. Doch was genau sind denn Fakten? Was sollen „alternative Fakten“ in Abgrenzung dazu sein? Und was haben „Fake News“ damit zutun?

Der Duden gibt zumindest auf die erste Frage eine konkrete Antwort: Ein Fakt (Substantiv, maskulinum/neutrum) ist eine Tatsache, ist ein Teil der Wirklichkeit. Abgeleitet von dieser Definition zeigen alternative Fakten also eine alternative Wirklichkeit. Das Problem: Die gibt es nicht. Es gibt nur eine Wirklichkeit. Pressesprecher Spicer hat daher schlichtweg gelogen. Er hat Fakten, also Tatsachen, die jeder Fernsehzuschauer mit eigenen Augen sehen konnte, geleugnet und anders dargestellt, als sie der Wirklichkeit entsprechen. Was Spice darstellte, sind keine Fakten und keine alternativen Fakten: es sind Wunschvorstellungen.

Auch der Begriff „Fake News“ schwingt in aktuellen Debatten mit. Andre Wolf, Sprecher von Mimika, eines Vereins für Bekämpfung von Internetmissbrauch, hat gegenüber dem Sender n-tv versucht, eine Definition für dieses Phänomen zu finden: „Wir definieren Fake News als Webseiten, die wie normale Nachrichtenseiten daherkommen, aber ihre Geschichten aus kommerziellem Antrieb frei erfinden. Sie docken an reale Ängste und eine tatsächlich vorhandene Wut an.“ Der Vorwurf der „Fake News“ unterstellt Medien demnach, Inhalte frei zu erfinden und mit den Ängsten der Leser zu spielen. In Abgrenzung zu Falschmeldungen, die auch in seriösen Nachrichtenunternehmen vereinzelt vorkommen können, enthalten „Fake News“ keinen wahren Kern. 

Ein Beispiel für eine Webseite, die bewusst „Fake News“ produziert, ist Hot Global News. Die Seite wird von einem 16-Jährigen betrieben, er heißt Yaman Abuibaid. In einem Interview mit jetzt.de sagt er: „Ja, wir denken uns das einfach spontan aus. In den besten Zeiten haben wir ca. 8600 Euro im Monat damit verdient.“

Es gilt, die eigene Auffassung der Realität zu hinterfragen

Das hohe Gut, um das es in all den Diskussionen rund um #alternativefacts und #fakenews geht: die Wahrheit. Gerade in sozialen Medien nehmen Nutzer Nachrichten oft beiläufig auf und hinterfragen sie kaum. Dabei wäre genau auf Facebook eine gute Taktik, da sich falsche Meldungen über kaum einen Kanal so schnell verbreiten lassen. Jetzt soll das Problem genau dort aufgegriffen werden: Die sozialen Netzwerke sollen Klarheit schaffen, indem sie falsche Meldungen kennzeichnen und so eine Unterscheidung zwischen Wahrheit und Lüge treffen. In Deutschland soll das Recherchebüro Correctiv in Zukunft Falschmeldungen für Facebook kennzeichnen und richtigstellen. „Wir glauben, dass Menschen ihre Entscheidung auf Basis möglichst guter Fakten treffen sollten und nicht auf der Basis von Lügen. Das ist in einer Demokratie unerlässlich“, erklärt Correctiv-Chef David Schraven.

Auch in der Politik ist Debatte um „Fake News“ angekommen. CDU und CSU wollen soziale Netzwerke durch Gesetze dazu verpflichten, Richtigstellungen anzuzeigen, wenn User zuvor eine als falsch identifizierte Meldung gelesen haben. Justizminister Heiko Maas erklärt dem Spiegel: „Wir prüfen bereits sehr konkret, ob und wie wir soziale Netzwerke für nicht gelöschte strafbare Inhalte auch haftbar machen.“Offenbar konnte davon bislang nur noch nicht viel umgesetzt werden.

Sowieso hat bislang kaum jemand eine wirkliche Lösung des Problems parat. Donald Trump und diverse rechtspopulistische Parteien werden also weiter ihre eigenen „Wahrheiten“ verbreiten. Es liegt am Mediennutzer, „Fake News“ zu erkennen und im Idealfall auch als solche zu entlarven. Keine leichte Aufgabe in einer digitalisierten Welt, die Informationen im Überfluss liefert und viele Menschen in ihren eigenen Blasen zurücklässt, in denen sie in ihren eigenen Ansichten bestätigt werden. Wichtig ist es daher, sich seriösen Medien zuzuwenden und sich nicht nur über eine einzige Quelle zu informieren. Und: Mit anderen über das Nachrichtengeschehen zu diskutieren. Einerseits, um mögliche „Fake News“, die bereits im Umlauf sind, zu entkräften. Andererseits aber auch, um die eigene Auffassung der Realität zu überprüfen und zu hinterfragen.

Beitragsbild: Gage Skidmore bei Flickr. Lizensiert nach Creative Commons 2.0 Generic

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