Kino-Tipp: Erbarmen

logo_kino-tippMan nehme einen etwas grummeligen Kommissar, einen grausamen Kriminalfall und eine möglichst düstere Stimmung vor einer kalt wirkenden Landschaft. Fertig ist ein typisch skandinavischer Krimi. Auch der Däne Jussi Adler-Olsen bedient sich einiger dieser Klischees, seine Bücher um Kommissar Carl Mørck stürmten aber dennoch zu Recht die deutschen Bestsellerlisten. Jetzt kommt die Verfilmung des ersten Teils, „Erbarmen“, in Deutschland in die Kinos. Wie die Buchvorlage ist der Film typisch skandinavisch – und richtig gut.

Eigentlich hat Carl Mørck keine Lust mehr auf den Polizeidienst. Bei einem schiefgegangenen Polizeieinsatz ist einer seiner Kollegen ums Leben gekommen, ein anderer liegt vom Hals abwärts gelähmt im Krankenhaus. Nur Carl muss wieder zur Arbeit – und auch seine restlichen Kollegen würden auf den muffeligen Eigenbrötler lieber verzichten. Deswegen wird er in die Sonderabteilung Q versetzt. Seine Aufgabe: Sich in einem dunklen Kellerraum durch alte Akten ungelöster Fälle arbeiten. Helfen soll im dabei Assad, der auf den ersten Blick das genaue Gegenteil von Carl ist. Nur langsam wird Carl klar, dass ihm dieser fröhliche, laute Assistent gut zu tun scheint.

Carl Mørck (Nikolaj Lie Kaas, links) und sein Assistent Assad (Fares Fares) werden sich erst nach und nach sympathisch. Foto: NFP/Christian Geisnaes

Carl Mørck (Nikolaj Lie Kaas, links) und sein Assistent Assad (Fares Fares) werden sich erst nach und nach sympathisch. Foto und Teaserfoto: NFP/Christian Geisnaes

 Ein Fall weckt tatsächlich Carls Interesse: Das spurlose Verschwinden der jungen Politikerin Merete Lynggaard. Von einer Fähre verschwunden, eigentlich auf dem Weg in den Urlaub mit ihrem geistig behinderten Bruder Uffe. In der Ermittlungsakte steht Selbstmord. Doch Carl und seinem Assistenten Assad kommen Zweifel: Warum sollte Merete ihren hilflosen Bruder zurücklassen?

Jahrelang in einer Druckkammer eingesperrt

Was der Zuschauer bereits früh erfährt: Merete lebt tatsächlich noch. Seit Jahren eingesperrt und isoliert in einer dunklen, dreckigen Druckkammer, wo ein Unbekannter sie quält. Immer wieder stellt er Merete die Frage, dessen Antwort sich auch dem Zuschauer erst langsam erschließt: „Warum bist du hier, Merete?“

Zum einem richtigen skandinavischen Krimi gehört natürlich auch eine unheimliche Seenlandschaft. Foto: NFP/Christian Geisnaes

Zum einem richtigen skandinavischen Krimi gehört auch eine unheimliche Seenlandschaft. Foto: NFP/Christian Geisnaes

Während Carl und Assad also versuchen, Merete zu finden, muss diese in der Druckkammer das Rätsel ihres Entführers lösen. Der Film lässt beide Erzählstränge intelligent parallel laufen und schafft durch die unterschiedlichen Zeitebenen zusätzliche Spannung. Außerdem begeistern sowohl Nikolaj Lie Kaas als griesgrämiger und nur bedingt sympatischer Carl Mørck und Sonja Richter als nach und nach immer verzweifelter werdende Merete Lynggaard.

90 Minuten sind eigentlich zu kurz

Bei vielen Buch-Verfilmungen streichen die Regisseure zu wenig, geraten die Filme zu lang. In diese Falle wollte Regisseur Mikkel Nørgaard offensichtlich nicht tappen und liefert so einen knackigen 90-Minüter ab. Dabei bleiben aber leider einige Details auf der Strecke. Etwa das Verhältnis zwischen Carl und seinem lustigen, aber etwas geheimnisvollen Assistenten. Oder auch die Szenen in der Druckkammer: Während man zu Beginn des Films noch in epischer Breite sieht, wie Merete sich einen Zahn zieht, ist in der zweiten Hälfte kaum noch Zeit für Szenen aus der Druckkammer – denn der Zuschauer muss ja Carl zusehen, wie er den Fall gelöst bekommt.

„Erbarmen“ ist ein Film für alle, die auf düstere Krimis stehen und schon von der skandinavischen Umsetzung von Stieg Larssons Millenium-Trilogie begeistert waren. Ein wirklich gelungener Krimi mit tollen Darstellern, der leider am Ende etwas Potenzial verspielt.

 

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