Jetzt wird abgerechnet, liebe Autokorrektur!

Liebe Autokorrektur,

lange habe ich überlegt, ob ich dir diesen Brief überhaupt schreiben soll. Aber jetzt ist es genug! Du glaubst gar nicht, wie genervt ich im Moment von dir bin. Nur wegen dir denkt meine Cousine, ich hätte bei ihrer Hochzeit vor wenigen Wochen in den Geldtopf geschissen. Dabei habe ich doch nur ein paar Euro in den Topf geschmissen. Und das ist noch nicht alles: Als ich mich entschuldigen wollte, hast du dem Ganzen noch die Krone aufgesetzt. Denn aus einem Lob zu ihrem eleganten Körper, wurde plötzlich ein Elefantenkörper. Na beulen Dank.

Dabei warst du mir doch in vielen Situationen eine treue Freundin. Hast mich gerettet, wenn ich (schlaf)trunken war und mich kaum konzentrieren konnte. Dann warst du es, die mich vor vielen sehr peinlichen Fehlern gerettet hat. Du hast glücklicherweise erkannt, dass ich niemanden töten, sondern mir nur die Haare tönen wollte. Wie sehr habe ich deinem Erfinder, Dean Hachamovitch, dann gedankt. Wie gut, dass ausgerechnet dieser amerikanische Microsoft-Mitarbeiter in den 90er-Jahren eine Möglichkeit fand, den Menschen das Schreiben am PC zu erleichtern. Wie gut, dass es das auch für das Handy gibt. Da du mich ja schon eine Weile kennst, weißt du, dass greffen meist treffen bedeutet oder dass ich mit Altwe Alter meine. Wenn du willst, kannst du so nützlich sein.

Auch Fluchen will gelernt sein

Aber dann kommen wieder diese Momente, da könnte ich dich einfach nur versüßen! Ach Duck! Und das regt mich am meisten auf: Du korrigierst alle meine schönen Schimpfwörter. Es ist nicht so, dass ich ständig fluche in meinen Nachrichten – aber ein bisschen sollte doch möglich sein? Doch in diesem Fall bist du plötzlich ganz brav, kennst kaum eine Beleidigung. Dein Wortschatz sollte also dringend vergrößert werden. Ich versuche es ja schon und achte auf das, was ich schreibe, aber sollte das nicht eigentlich deine Aufgabe sein? Mich zu korrigieren – und nicht ich dich? Denn nicht nur bei Schimpfwörtern, auch bei Orten und Zeiten ist dir vieles oft nicht bekannt.

Aus meinem letzten Urlaubsort Olhos D’Agua, einem kleinen Örtchen an der Algarve, hast du einfach mal Olhos Status gemacht. Hätte ich doch lieber mal eine Postkarte geschrieben, dann hätte ich nicht zig irritierte Nachrichten meiner Freunde bekommen. „Ja, mir geht es gut und nein, ich habe mich nicht kurzfristig für ein Medizinstudium entschieden oder lerne gerade Latein.“ Als wäre das nicht genug, machst du aus einer meiner liebsten Beleidigungen, dem wunderbaren Wörtchen „Arschloch“, gerne mal ein „Erdloch“. Kraftausdrücke üben wir wohl besser nochmal, sonst urinierst du noch den ganzen Sinn. Ruinierst meine ich natürlich.

Ach liebe Autokorrektur, was soll ich mit dir machen? Mich von dir trennen? Ich muss zugeben, oft amüsierst du mich schon mit deinen Verbesserungen. Besonders die Nachrichten meiner Eltern machst du oft sehr amüsant. Wenn zum Beispiel Mama wissen möchte, wie ich ihren neuen Hoden finde, sie aber eigentlich Hose meinte, bringt mich das schon zum Grinsen. Mein Vater dagegen wünscht mir keine Gute Nacht, sondern Gute Macht. Aber andererseits ist es schon sehr peinlich, wenn ich meinen Lieblingssänger abschlachte – nein, ich habe nicht vor ihn zu töten – ich bin ein Fan, der ihn anschmachtet. Wenn du so weitermachst, löst du vermutlich wirklich den dritten Weltkrieg aus. 

Wenn ich mir da alleine schon die WhatsApp-Chats mit meinen Freunden ansehe, da bin ich froh, dass diese unsere besondere Beziehung kennen. Ob es das Verwechseln von „der, die, das“ ist oder das Vertauschen von Tür und zur. Du bist nicht zu überlesen. Symptom statt Fehler, Regen statt Rechnen oder Ossi statt Isso – das alles ist schon passiert. Zum Glück muss ich meinen Reubinnen, äh Freundinnen, nicht mehr erklären, dass ich keinen Durchfall habe, sondern, dass es sich um ein Duschgel handelt. Und ich will meine Freunde auch nicht in den Arsch nehmen. In den Arm aber gerne.

Langeweile? Sicher nicht!

2014 hast du in Großbritannien für ein wenig Chaos gesorgt und spendenwillige Menschen spontan zu Eisbär-Rettern gemacht. Die Krebshilfeorganisation Cancer Research UK hatte damals zu Spenden aufgerufen. Man solle eine SMS mit dem Wort „Bear“ an die 70099 schicken und so drei Pfund spenden. Gesagt, getan. Doch natürlich hattest auch du wieder deine Finger in Spiel. Du konntest es nicht lassen und hast bei einigen Nachrichten aus dem Beat ein Bear gemacht. Das Problem: In Großbritannien teilen sich mehrere Hilfsorganisationen die Telefonnummer. Das Bear ging somit an WWF, die sich freuten, dass so viele Menschen auf einmal Eisbären adoptieren wollten. Glücklicherweise konnte der Irrtum rechtzeitig aufgeklärt werden.

Auch wenn du manchmal ziemlich anstrengend bist, der Tag der Trennung ist noch nicht gekommen. Denn ich muss eins zugeben: Du bist lernfähig. Erst gestern hast du es das erste Mal geschafft, das Wort Technikgenie richtig zu schreiben. Ich bin stolz auf dich! Und um ehrlich zu sein: Ohne dich würden viele Konversationen ganz anders und langweiliger aussehen. Als ich zum Beispiel mit meiner Freundin Stella geschrieben habe und wir darüber debattiert haben, wer beim Fußball-Länderspiel Deutschland gegen Norwegen denn wohl spielen würde, hast du daraus einfach mal Deutschland gegen Seeräuber gemacht. Seitdem ist das unsere liebste Bezeichnung für die Männer aus dem Norden und ein echter Insider. Deshalb an dieser Stelle: Dankeschön für etliche Lacher und einige unvergessliche Momente mit dir. Du magst zwar oft nervenaufreibend sein, aber langweilig bist du sicher nicht!

In Liebe

Deine Nina

 

Beitragsbild: Nina Louwen