Als Quereinsteiger in den Lehrerberuf

Im Mai 2009 trat sie in Kraft: die Reform des Lehrerausbildungsgesetzes. Seitdem können auch Seiteneinsteiger ohne klassisches Lehramtsstudium Lehrer werden. Die Anwärter müssen allerdings entsprechende pädagogische Voraussetzungen mitbringen und ein Studium absolviert haben.

Hat nach dem Magisterstudium als Quereinsteigerin ein Referendariat begonnen: Sarah Rosal Imieri. Foto: provat

Hat nach dem Magisterstudium als Quereinsteigerin die Schulbank in der Abendschule gedrückt, um Lehrerin zu werden: Sarah Rosal Imieri. Foto: privat

Normale Lehramtsstudenten müssen in der Regel mindestens acht Semester studieren, bevor sie ihre erste Staatsprüfung ablegen können. Dann folgt über zwei Jahre das Referendariat. Danach legen sie das zweite Staatsexamen ab und beenden ihre Ausbildung – bis dahin vergehen also häufig sieben Jahre oder mehr.

Das Referendariat der neuen „Lehrer-Azubis“, die alles andere nur kein Lehramt studiert haben, findet hingegen berufsbegleitend statt. In Abendkursen lernen sie all das, was mit Lehren zu tun hat: „Die Inhalte sind hauptsächlich pädagogisch-didaktisch, also zum Beispiel wie ich eine Unterrichtsstunde vorbereite oder was man bei Störungen des Unterrichts macht“, sagt Sarah Rosal Imieri. Sie hat Germanistik und Englisch an der TU Dortmund auf Magister studiert und kann nun dank der neuen Regelung an einer Bochumer Gesamtschule unterrichten.

„Ich habe schon während des Studiums festgestellt, dass mir Unterrichten Spaß macht“, sagt sie. Als Studentin hatte die heute 30-Jährige zwischenzeitlich als Assistant Teacher, also quasi als Aushilfslehrerin, in England gearbeitet. In Deutschland durfte sie aber keine Lehrerin werden: „Als ich mir den Magister als Staatsexamen anrechnen lassen wollte, hieß es immer: Dir fehlt ein Schein.“ Sie begann sogar ein Referendariat in Holland, brach es dann aber ab, als sie von der Reform hörte.

Mit der Neuregelung reagierte die Regierung auf den hohen Unterrichtsausfall in Nordrhein-Westfalen. 2005 fiel nach Informationen des Schulministeriums jede zwanzigste Unterrichtsstunde aus. „Wir haben nach wie vor zu wenig grundständig ausgebildete Lehrer, sodass es gerade im Bereich der Berufs- oder Gesamtschulen Stellen gibt, die nur mit Seiteneinsteigern gedeckt werden können“, sagt auch Dorothea Schäfer, Vorsitzende der Lehrergewerkschaft GEW in NRW.

Quereinsteigern wird  häufig vorgeworfen, Unterrichtsstoff nicht gut zu vermitteln. Foto: Karl-Heinz Laube/pixelio.de

Quereinsteigern wird häufig vorgeworfen, Unterrichtsstoff nicht gut zu vermitteln. In Abendkursen sollen sie deshalb das Lehren lernen. Foto: Karl-Heinz Laube/pixelio.de

Erfolg umstritten

„Lehrer-Azubi“ Sarah sitzt meist bis spät abends in der Schule. Hinzu kommen Zwischenprüfungen und regelmäßige Unterrichtsbesuche. Finanziell lohnt sich der Aufwand: „Normale“ Referendare verdienen im Durchschnitt etwa 1000 Euro im Monat. Quereinsteiger werden wie festangestellte Lehrer bezahlt und bekommen deshalb fast doppelt so viel.

Für Lehrergewerkschafts-Vorsitzende Schäfer gibt es trotzdem keine wirkliche Alternative zum Lehramtsstudium: Quereinsteigern fehlten oft entscheidende Fähigkeiten im Hinblick auf Stoffvermittlung und im Umgang mit Jugendlichen. „Seiteneinsteiger müssen daher immer eine Notlösung bleiben“, so die GEW-Vorsitzende.

Der Erfolg des alternativen Wegs bleibt umstritten. Zwar hat sich der Unterrichtsausfall in NRW 2009 im Vergleich zu den vier Jahren davor halbiert. Ob die Quereinsteiger dazu beigetragen haben, ist allerdings nicht klar: Laut Schulministerium gibt es dazu keine entsprechende Statistik.

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