Kommentar: Warum die Bundesliga langweilig geworden ist

Der FC Bayern holt zum fünften Mal in Folge die Meisterschaft und muss sich dafür nicht einmal anstrengen. International reicht es allerdings nicht, um gegen die Konkurrenz aus den anderen Fußballnationen mitzuhalten. Daran wird sich wenig ändern, wenn nicht mehr Geld in den deutschen Fußball fließt. Ein Kommentar. 

Liebe Bundesliga, wir müssen reden. Was ist nur aus Dir geworden? Wochenende für Wochenende hast Du mich auch im vergangenen Jahr wieder vor das flimmernde Licht meines Minifernsehers gelockt, in der Hoffnung, Du könntest mich mal wieder überraschen. Augenzusammenkneifend hockte ich mich vor Dich, regungslos und doch gespannt wie ein apathisches Kleinkind vor einem Goldfischglas. Doch Du, liebe Bundesliga, Du hast nur das getan, was ein Goldfisch eben tut: dich im Kreis gedreht. Immer und immer wieder. Enttäuschend ist das, da man doch immer so naiv ist und glaubt, Du machst etwas Spannendes. Und am Ende bist Du mittlerweile vor allem eins: berechenbar.

Begeisterung sieht anders aus: Ein Fan des FC Bayern. Foto: flickr.com/nelsonminar mit CC-Lizenz.

Bayern ist Meister. Zum fünften Mal in Folge. Schalke ist wieder grandios an sich selbst gescheitert. Und der HSV entkommt knapp dem Abstieg. Also: Alles ist wie immer.

Gewiss ist es leicht, den FC Bayern München für seine Dominanz zu hassen. Als Fußballfan, der allerdings seinen Herzschlag nicht innerhalb des Weißwurst-Äquators angesiedelt hat, ist es aber das einzig Richtige und Verständliche zu tun. Denn dass uns in der Liga eine Agonie der Spannung begegnet, liegt nun einmal daran, dass diese Übermacht aus dem Freistaat seine Gegner seit nun geraumer Zeit mit einer Leichtfüßigkeit vom Platz fegt, die einem lockeren Trainingskick am Sonntagnachmittag gleicht. Wenn sich Fans von Rumpelvereinen wie beispielsweise Darmstadt 98 dann freuen, dass die Klatsche in München nicht allzu hoch ausgefallen ist, muss man sich zwangsläufig fragen, wo man denn hingekommen ist.

Dortmund und Schalke scheitern an sich selbst

Das liegt zum einen logischerweise daran, dass viel Erfolg viel Geld bringt. Champions-League-Prämien, TV-Gelder, Transfererlöse – der FC Bayern hat sich zum Monopolisten der Bundesliga gewirtschaftet. Zum anderen allerdings haben es auch die anderen Vereine gehörig verbockt. Denn, dass ein Klub die Bundesliga dominierte, ist nicht neu. Zwischen 1969 und 1977 holten genau zwei Teams die Schale: Bayern und Gladbach. Der Unterschied zur heutigen Situation: Man hatte wenigstens immer das Gefühl, die Bayern müssten sich noch anstrengen, noch schwitzen für den Titel, noch zittern. Wie zum Beispiel beim grandiosen Saisonfinale 2001, als Schalke in letzter Minute den Titel noch verlor. Seit geraumer Zeit haben die Bayern aber keine ernstzunehmenden Verfolger mehr.

Borussia Dortmund galt als vielversprechender Kandidat für diese Position, mit einem kleinen Funken Hoffnung vielleicht sogar als Titelkandidat. Doch der Abgang von Gündogan, Hummels und Mkhitaryan hinterließ ein Loch im Kader des BVB, das auch der verkauzte Supertrainer Thomas Tuchel nicht zu stopfen vermochte. Allein der blutjunge Ousmane Dembele konnte sich von den Neuzugängen einen Ruf als Topverpflichtung erspielen. Götze, Schürrle, Batra – drei Namen von drei Topvereinen. Sie welkten auf der Bank oder in kurzen Einsatzzeiten mit mäßiger Leistung vor sich hin. Und Borussia Dortmund landet mit Ach und Krach auf Rang drei und damit in der Champions League.

Über Schalke, Leverkusen und Wolfsburg muss kaum ein Wort verloren werden. Alle Vereine sind hinter ihrem eigenen Anspruch und in der unteren Tabellenhälfte platziert. Schlechte Personalwahlen, schlechte Leistungen. Vom Titel weiter entfernt als Gelsenkirchen vom Ruf einer Metropole.

Statt den Rolling Stones gibt’s die Höhner

Und doch will uns die Bundesliga immer und immer wieder weißmachen, sie wäre die beste Spielklasse Europas. Blickt man allerdings auf den internationalen Vereinsfußball, muss man gähnen. Bayern scheidet zum vierten Mal in Folge gegen ein spanisches Team in der Champions League aus. Endstation Viertelfinale. Genauso Borussia Dortmund gegen den AS Monaco. Die deutschen Klubs können im Kräftemessen mit den anderen Ländern nicht mithalten.

Auch die Europa-League stellt sich ähnlich dar. Fast schon wie ein kleines Fußballwunder feierten es Anhänger und Experten, dass Schalke es als einzige deutsche Mannschaft unter die besten Acht schaffte. Mehr Mittelmäßigkeit geht kaum.

„Aber im Ringen um die Plätze hinter den Bayern, die Europa versprechen, und der Abstiegskampf – da ist doch wenigstens Spannung drin“, werfen einem Kritiker stets als Verteidigung der Attraktivität der Liga entgegen. Doch Spannung im Kampf um die Europa-League zu suchen, das ist so, als würde man auf ein Konzert der Rolling Stones wollen, aber doch nur Karten für die Höhner bekommen. In einer Klasse, die dazu da ist, den Besten zu ermitteln, sollte es nicht darum gehen, wer den vierten oder fünften Rang macht oder gar, wer überhaupt in der kommenden Saison noch mitspielen darf.

Die Schweiz als Mahnmal 

Als deutscher Fußballfan kann man in zwei Richtungen blicken: Über die Nordsee, nach England. Wo die Klubs ordentlich Investoren an Land gezogen haben, wo das Geld fließt wie eine frischaufgetane Quelle des Erfolges. Wo in den vergangenen fünf Jahren immer hin vier verschiedene Mannschaften Meister geworden sind. Sicherlich ist die zunehmende Kommerzialisierung der schönsten Nebensache der Welt schmerzlich für Fußballtraditionalisten. Aber sie ist auch für die Bundesligaklubs die einzige Möglichkeit, um Bayerns Vormachtstellung zu durchbrechen. Wenn mehr Geld und kluge Einkäufe zusammenkommen, dann besteht wieder eine Chance.

Oder wir können zu unseren Nachbarn in die Schweiz blicken, wo der FC Basel in diesem Jahr zum siebten Mal die Spielzeit als Spitzenreiter abgeschlossen hat. Und wo die Zuschauerzahlen mit jeder Meisterschaft geschwunden sind, sich mittlerweile auf einem erschreckenden Tiefstand befinden. Denn man weiß ja eh, wie es am Ende ausgeht. Ein Mahnmal für den deutschen Fußball.

Beitragsbild: flickr.com/30478819@N08 mit CC-Lizenz.