Wissenswert: Die Exzellenzinitiative

Foto: flickr.com/Karen Roe, Rafael Robles L, Lars Kasper, NASA Goddard Photo and Video; Montage: Marc Patzwald, Teaserfoto: flickr.com/poniblog

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Von Lisa Weitemeier

Der Kampf um den Elite-Stempel geht in die letzte Runde – welchen Trumpf die Ruhr-Uni Bochum im Finale der Exzellenzinitiative noch im Ärmel hat, wurde in einem Gästebuch der Uni fleißig diskutiert: “RUB ist die beste Uni wo gibt – weil sie sich bei aller Exzellenz, Internationalisierung und Spitzenforschung treu bleibt und ihre Wurzeln als Bildungseinrichtung für das Ruhrpott-Proletariat in die Zukunft überführt”, oder auch “weil man beim Überqueren des Campus und dem Geräusch der wackelnden Platten bereits weiß: hier bin ich Student und das ist auch gut so”.

Ob der Traum wahr wird, als Exzellenz-Universität bald auf Augenhöhe mit Spitzenunis wie der TU München oder Aachen zu sein, entscheidet sich heute (Stand: 15.6.12). Beim Rudel-Gucken im Audimax fiebern Professoren, Uni-Mitarbeiter und Studenten am Nachmittag gemeinsam der Bekanntgabe der Ergebnisse entgegen. Denn gegen 15 Uhr verkündet der Bewilligungsausschuss – in dem auch die Wissenschaftsminister von Bund und Ländern sitzen – in einer Pressekonferenz in Bonn, welche Hochschulen künftig mit staatlichen Mitteln aus der Exzellenzinitiative gefördert werden.
In Bochum will der AStA gegen die Anwesenheitspflicht vorgehen. Foto: pixelio/Niko Korte

Spitzenforschung in Deutschland stärken, auf internationalem Niveau konkurrenzfähig machen und so die Attraktivität des Wissenschaftsstandorts Deutschland steigern  – das ist das Ziel der Exzellenzinitiative, die von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Wissenschaftsrat im Anschluss an die Förderperiode von 2007 bis 2012 jetzt zum zweiten Mal durchgeführt wird. Finanziell wurde in der zweiten Auflage des bundesweiten Wettbewerbs deutlich aufgestockt: 2,7 Milliarden Euro sind diesmal im Pott – in der ersten Runde, die noch bis November 2012 läuft, waren es noch 1,9 Milliarden. Mit diesem Geld, das zu drei Vierteln vom Bund und zu einem Viertel von den Ländern stammt, werden über einen Zeitraum von fünf Jahren drei unterschiedliche Förderlinien finanziert: Graduiertenschulen zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses (Doktoranden), Exzellenzcluster zur Förderung von Spitzenforschungsbereichen und Zukunftskonzepte zur Stärkung der Universitäten als Ganzes.

Bremen, Berlin oder Bochum?

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Bochum auf dem Weg zur Elite-Uni? Foto: pixelio/Niko Korte

Exzellenz, Elite – dieses begehrte Prädikat erhalten Universitäten erst dann, wenn sie auf allen drei Linien gefördert werden, wenn sie also mindestens ein Exzellenzcluster, eine Graduiertenschule und ein Zukunftskonzept vorweisen können.

Ins Rennen um den Status als Elite-Uni gehen dieses Jahr sieben Hochschulen: Die Unis in Köln, Bremen, Mainz und Tübingen, die Humboldt Universität zu Berlin, die TU Dresden – und die Ruhr-Uni Bochum. In der Endrunde treten diese gegen die neun Universitäten an, die schon jetzt den Stempel “Exzellenz-Universität” tragen. Das sind die RWTH Aachen, die FU Berlin, die Universitäten in Freiburg, Göttingen, Heidelberg, Karlsruhe und Konstanz, München ist mit der Ludwig-Maximilians-Universität und der TU gleich doppelt elitär besetzt. Diese Unis müssen jetzt ihren Titel verteidigen, denn höchstens zwölf Exzellenz-Unis wird es geben. Neben diesen neun Zukunftskonzepten werden seit 2007 übrigens auch 39 Graduiertenschulen und 37 Exzellenzcluster gefördert.

Schon in der ersten Runde der Exzellenzinitiative kam Bochum überraschend ins Finale, scheiterte dann aber knapp. Dass man als “alter Hase” jetzt bessere Chancen bei der Entscheidung hat, bezweifelt Ulf Eysel, Prorektor für Forschung und Struktur: “Das wird eine Millimeterentscheidung. Wir sind jetzt unter den letzten sieben, letztes Mal waren wir unter den besten acht –  das freut uns natürlich, dass wir nochmal an derselben Stelle stehen wie vor fünf Jahren schon und nicht nur eine Eintagsfliege waren. Aber das sagt nicht aus, dass wir höhere Chancen haben – die anderen Konkurrenten stehen sehr auf Augenhöhe.”

Forschung, von der auch die Studenten profitieren sollen

In allen drei Förderlinien hat die RUB Anträge eingereicht, Kern der Bewerbung ist das Zukunftskonzept “International Faculty”. Die Vision: ein großer internationaler Forschungs-Campus soll entstehen. Man will Forschungsprojekte gemeinsam mit internationalen Partnern starten, man will Gastwissenschaftler nach Bochum locken und auch Studenten Studien im Ausland erleichtern, schlicht: internationale Forschung und Lehre für alle.

Setzt Bochum sich durch, gibt’s mehr internationale Forschungsprojekte mit Partner-Unis. Bild: RUB

Setzt Bochum sich durch, gibt’s mehr internationale Forschungsprojekte mit Partner-Unis. Bild: RUB

Denn der größte Kritikpunkt an der Exzellenzinitiative ist, die Lehre würde unter der Förderung der Spitzenforschung leiden. Frei nach dem Motto: Ein Top-Forscher forscht, und steht nicht im Hörsaal. So mussten die Universitäten in dieser zweiten Runde auch Konzepte zur forschungsnahen Lehre mit einreichen.

Es geht um Ruf und Anerkennung und um viel, viel Geld: 100 Millionen Euro bis ins Jahr 2017 winken der Ruhr-Uni Bochum, falls ihre Anträge überzeugen. “Ein Erfolg im Exzellenzverfahren würde aber auch eine klare Anerkennung der Tatsache sein, dass wir hier im Ruhrgebiet mit unseren Hochschulen hervorragende Leistungen erbringen können” sagt Eysel, und schreibt der Uni einer Art “Leuchtturmfunktion” bei einem Gewinn zu, die auch auf die anderen Unis im Ruhrgebiet abstrahlen würde, die bei der Exzellenzinitiative leer ausgegangen sind.  “Es zeigt, dass diese Region imstande ist, den Strukturwandel voranzubringen und dabei exzellente Leistungen zu erbringen.”

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