Stress im Studium

Von Sarah Bolte

Die Forsa hat im Auftrag der Techniker Krankenkasse Telefoninterviews mit 1000 Studierenden aus NRW durchgeführt. Das Ergebnis: 40% der Studierenden fühlen sich häufig gestresst und sogar 6% sprechen von ständigem Stress. Stressfaktoren sind Prüfungssituationen, Zeitdruck, finanzielle Sorgen, Konkurrenzdruck, Zukunftsängste und Überforderung.

Jeder zehnte Studierende nimmt Psychopharmaka zum Stressabbau. Foto:flickr/NetDoktor.de

Jeder zehnte Studierende nimmt Psychopharmaka zum Stressabbau. Foto:flickr/NetDoktor.de

Ein dauerhaft oder häufig hoher Stresspegel hat Auswirkungen auf die körperliche und geistige Gesundheit eines Menschen: In der Befragung lag Nervosität und Unruhe mit 75% auf Platz eins der Stressfolgen bei den Studierenden. 64% der Befragten fühlten sich erschöpft. Außerdem klagten viele über Kopfschmerzen, Schlafstörungen und sogar Tinnitus. Alarmierende ist vor allem, dass 15% der befragten Studierenden schon einmal eine Panikattacke hatten und 23% schon einmal in Phasen tiefster Verzweiflung steckten. Zur Stressbekämpfung greift jeder Zehnte zu Psychopharmaka.

Burnout-Syndrom als Modebegriff

Wenn von Erschöpfung und Überforderung die Rede ist, fällt häufig der Begriff Burnout-Syndrom. Laut Definition ist Burnout der Zustand körperlicher, emotionale und geistiger Erschöpfung aufgrund beruflicher Überlastung, der häufig durch Stress ausgelöst wird. Eine Definition, die gut auf die Beschreibung der persönlichen Situation vieler Studierenden passt. Ursprünglich diente das Burnout-Syndrom jedoch zur Beschreibung der Situation von Erschöpfung und Überforderung bei vielen Arbeitnehmern in Pflegeberufen.

Kritiker wie Psychotherapeut Gregor Peikert warnen vor der Modediagnose Burnout-Syndrom. Sie werde zu oft und zu unspezifisch diagnostiziert und auf viele andere Berufsgruppen und Situationen übertragen. Da das Burnout-Syndrom nicht als eigenständige Krankheit anerkannt ist, sondern lediglich eine Zusatzdiagnose ist, werden Behandlungen nicht von der Krankenkasse übernommen. Die Burnout-Symptome treten aber häufig zusätzlich zu schweren psychischen Erkrankungen wie Depressionen auf, die dadurch leicht übersehen und dann auch nicht behandelt werden.

Macht die Bologna-Reform die Studierenden krank?

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Zu viel Stress macht nachweislich krank. Ihn einfach ausmerzen ist für Studierende kaum möglich. Foto:flickr/Alan Cleaver

Eine Befragung von psychologischen Beratern verschiedener Studentenwerken aus ganz Deutschland hat ergeben, dass über die Hälfte der Berater einen deutlichen Anstieg der Burnout-ähnlichen Symptome unter Studierenden in den letzten fünf Jahren beobachtet hat. Als Ursache wird häufig die Umstellung auf die Bachelor/Master- Struktur angeführt.

In der Pressemitteilung der Techniker Krankenkasse zur Forsa-Umfrage heißt es: “Die Forsa-Studie zeigt auch, dass die Studienreform (Bologna-Prozess) sich für 71 Prozent der Studierenden als großer Streßfaktor erweist.” Bei einer genaueren Nachfrage bei der Techniker Krankenkasse hat sich herausgestellt, dass die Studierenden gefragt wurden, ob sie in der Studienzeitverkürzung einen großen Stressfaktor sehen. Da aber nur noch wenige Diplom-Studenten an deutschen Hochschulen eingeschrieben sind, kann man davon ausgehen, dass vor allem Bachelor/Master-Studenten befragt wurden. Die können aber keinen direkten Vergleich ziehen, sondern nur eine subjektive Einschätzung geben. Aber auch Lehrende an den Hochschulen, die den direkten Vergleich haben, berichten häufig von einem erhöhten Leistungsdruck. Trotzdem gibt es keine vergleichenden Studien, die diese subjektiven Eindrücke bestätigen könnten.

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