Warum Wohnen im Pott noch so günstig ist

Das Sommersemester läuft, aber viele Studenten haben noch keine Wohnung. Quelle: flickr

Das Sommersemester läuft, aber viele Studenten haben noch keine Wohnung.

An den schwarzen Brettern in den Unis klebt ein Wohnungsgesuch neben dem anderen. Zimmer in WGs werden auch in Dortmund immer knapper. Vor allem die Single-Wohnung wird zur Rarität. Vermieter wissen: Wo viele Studis sind, können die Mieten gerne steigen.

Zwischen 2010 und 2015 sind die Mieten für eine typische Studenten-Bude deutlich gestiegen – teilweise um zweistellige Prozentwerte. Das hat das Institut der deutschen Wirtschaft in Köln (IW) zusammen mit der Deutschen Real Estate Funds (DREF) und Immobilienscout 24 herausgefunden. Dafür wurden elf beliebte Studentenstädte verglichen. Das Ergebnis: Manche Städte wie München, Hamburg oder Köln sind für Studenten fast nicht mehr bezahlbar. Doch, wie sieht es im Ruhrgebiet aus? Wir haben die fünf wichtigsten Fragen gestellt.

Wie steht’s um die Mieten im Ruhrgebiet? 

„Hier sieht es im Verhältnis noch ziemlich gut aus“, sagt Michael Voigtländer, Experte vom Institut der deutschen Wirtschaft in Köln. Studis müssen für eine 30-Quadratmeter-Wohnung in München bis zu 580 Euro hinlegen. In Bochum ist man für die gleiche Wohnung schon mit circa 329 Euro dabei. Hier seien die Mieten innerhalb von fünf Jahren nur um sieben Prozent gestiegen, sagt der Experte. „Zum Vergleich: In Berlin waren es 28 Prozent.“ Genauere Zahlen für Dortmund oder Essen gibt es nicht – nur Bochum hat’s ins Ranking geschafft. Warum? „Bochum repräsentiert das gesamte Ruhrgebiet. In allen größeren Städten im Ruhrgebiet ist der Wohnungsmarkt entspannt“, sagt Voigtländer.

Auch Claus Deese, Geschäftsführer vom Mieterschutzbund im Ruhrgebiet, sagt: „Ja, Studenten wohnen im Ruhrgebiet verhältnismäßig günstig, aber nicht billig.“ Das Gutachten hält er nicht für eine verlässliche Quelle. „Die Preise, die im Internet angeboten werden, sind oft nicht die, die letztendlich vereinbart werden“. Da müsste man schon mit den Mietern selbst sprechen.

Mietpreise im Städtevergleich. Quelle: Institut der deutschen Wirtschaft Köln

Mietpreise im Städtevergleich

Warum steigen die Mieten an?

Wo viele Studenten sind, nehmen Vermieter höhere Preise. Der Experte spricht von einem „außergewöhnlichen Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage“. Das heißt: „Die Zahl der Studierenden ist in den letzten fünf Jahren um mehr als 20 Prozent gestiegen. Das hat damit zu tun, dass die Wehrpflicht abgeschafft und die Schulzeit verkürzt wurde, was zu doppelten Jahrgängen an Hochschulen geführt hat“, sagt Voigtländer.

Und: Immer mehr Abiturienten wollen an die Uni. Für den Experten gibt es aber noch einen anderen Grund, warum die Mieten für kleine Wohnungen steigen: „Immer mehr berufstätige Alleinstehende und Senioren suchen kleine Wohnungen, nicht nur Studenten.“ Das Objekt der Begierde sei dabei 30 Quadratmeter groß, hat eine Einbauküche und liegt anderthalb Kilometer von der Uni entfernt. In vielen Städten fehlen schlichtweg Wohnungen, sagt der Experte: „Die Bautätigkeit kann derzeit mit der gestiegenen Wohnungsnachfrage nicht mithalten.“ Deshalb glaubt auch Claus Deese vom Mieterschutzbund, dass Wohnraum für Studenten in Zukunft teurer werden wird: „Es wird zwar viel gebaut, allerdings für die Reichen.“

Warum ist es im Ruhrgebiet denn noch so verhältnismäßig  günstig?

„Immer mehr Menschen ziehen nach Berlin oder Köln, weil es dort neue Arbeitsplätze gibt“, sagt Michael Voigtländer vom Wirtschaftsinstitut. Auch Zuwanderer würden in den Städten nach Jobs und damit auch nach kleinen, günstigen Wohnungen suchen. Im Ruhrgebiet sei das anders: Laut des Experten wachsen die großen Städte im Ruhrgebiet nicht, sondern wollen eher ihre Einwohnerzahl halten. Ein weiterer Faktor ist, dass die Ruhr-Unis Pendler-Unis sind. Viele Studenten wohnen also nicht im Hochschulort sondern pendeln zwischen Uni und Wohnort, beispielsweise Herne, Castrop oder Gelsenkirchen.

Wer allein nach dem Mietniveau geht, solle also versuchen, einen Studienplatz an der Ruhr-Universität Bochum zu bekommen. Dort kostet die einfache 30-Quadratmeter-Wohnung rund 329 Euro Warmmiete im Monat.

Prof. Dr. Michael Voigtländer. Quelle: Institut der deutschen Wirtschaft Köln

Prof. Dr. Michael Voigtländer

Wie kommen die Zahlen eigentlich zustande? 

Für das Gutachten wurden elf verschiedene deutsche Städten und das direkte Umland verglichen. Grundlage waren Inserate von Immobilienscout 24. Die Gutachter haben allerdings nur Angebote bis zu einem bestimmten Mietpries berücksichtigt. Alles, was besonders teuer oder besonders günstig war, fiel für den Durchschnitt raus. Nach Angaben der Gutachter ist ein sogenanntes hedonisches Verfahren verwendet worden. Damit können Unterschiede in der Qualität einer Wohnung beglichen werden – etwa bei der Lage, dem Baujahr oder dem Zustand. Bei diesem Gutachten waren nur westdeutsche Städte im Ranking. „Das hat uns viel Kritik beschert“, sagt Michael Voigtländer. Deshalb sollen beim nächsten Gutachten auch ostdeutsche Städte wie Leipzig oder Jena verglichen werden. Dort steigen die Mieten seit einiger Zeit stark an. 

Trifft das auch aufs Ruhrgebiet zu? Oder bleiben die Mieten hier niedrig?

Auch im Ruhrgebiet werden die Mieten weiter steigen – jedoch nicht so stark wie in anderen deutschen Großstädten. „Auch hier werden viele Abiturienten an die Uni kommen, die Zahl der Studenten steigt erst einmal weiter“, sagt Voigtländer. Außerdem würden immer mehr Flüchtlinge an die Universität kommen. 

Quellen
Beitragsbild: Flickr/ Michael
Bilder im Text:  Institut der deutschen Wirtschaft Köln

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