Kulinarische Weltreise

Eine kulinarische Weltreise: Ananas aus Honolulu auf dem Dortmunder Streetfoodfestival. Foto: Johanna MAck

In einem Tag um die Welt? Funktioniert! Zumindest kulinarisch. Mit dem Streetfood Festival in Dortmund konnten wir uns am 12. und am 13. März hemmungslos durch diverse Kontinente schlemmen. Multikulturalität ist eines der Grundpfeiler des Festivals. Unsere pflichtlektüre-Reporter Johanna Mack und Jasmin Assadsolimani haben für euch ausgefallene Speisen gekostet und vom taiwanesichen Burgerpendant bis zum frittierten Oreo-Keks alles probiert.

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Das diesjährige Streetfood Festival fand das erste mal in der Kokerei Hansa statt.

Von der U-Bahn Haltestelle Buschstraße sieht man bereits das Industriedenkmal der Kokerei Hansa. Ein grauer Riese, der über den Dächern der Einfamilienhäuser empor lugt. Der Samstagvormittaghimmel scheint sich dem grauen Industriecharme angepasst zu haben. Durch ein Betonlabyrinth folgen wir der Beschilderung. Die Aufschrift „Streetfood“ verrät das Ziel der Suche. Es ist 12 Uhr und die Sonne schiebt ab und zu ein paar wärmende Strahlen durch die sonst dicke Wolkenwand. Die Kälte zieht durch den groben Stoff meines Wintermantels – wobei die Bezeichnung Winter wahrscheinlich in Anführungszeichen stehen müsste. Ich ziehe den Reißverschluss bis zum Anschlag hoch. Ein entfernter Beat ist zu hören, die Melodie fällt vermutlich dem Wind zum Opfer. Wir biegen langsam um die nächste Ecke, der Kies knirscht unter unseren Füßen, der Beat wird lauter.

 

Bunte Geschmacksrichtungen in Industrie-Kulisse

Bunte Foodtrucks wirken wie Farbklecks in der Kokerei Hansa. Rechts und links säumen sie den Weg. Ihre Verschläge sind aufgeklappt. Aus dem Inneren steigen Dampfschwaden empor, die sich bald in der klaren Märzluft verlieren. Ein mir unbekannter Duft steigt mir in die Nase. Er kommt aus einem matt grau lackierten Wagen. Würzig, ein bisschen süßlich und von einer exotischen Schwere. Zischend wird Fleisch auf einen Grill gelegt. Wir schlendern weiter, erhaschen Blicke in das Innere der Foodtrucks, in denen eine emsige Betriebsamkeit herrscht. Auf handbeschriebenen Tafeln stehen Gerichte mit fremdländischen Namen. Die Vielfalt stellt uns vor die Wahl. Mit welcher Köstlichkeit soll der Schlemmmarathon eingeleitet werden? Oder eher mit welchem Kontinent? Taiwanesisch, mexikanisch oder doch lieber Senegalesich? Mein Magen meldet sich, durch die wohlriechenden Dämpfe aus seinem morgendlichen Komazustand erwacht. Das in Eile runter geschlungene Frühstück-Müsli entpuppt sich als großer Fehler. Ich würde mir wünschen, meine Magengröße würde sich augenblicklich verdoppeln, um auch nur annährend den dargebotenen Speisen einen Platz bieten zu können. Ich besuche das Streetfood Festival in Dortmund mit einer Mission: es geht raus aus der geschmacklichen Komfortzone rein in ein multikulturelles Geschmackserlebnis.

Delikatesse Einhornfleisch?

Turbobao steht auf dem grauen Truck, Gua Bao auf der Speisekarte. Bevor wir uns jedoch den taiwanesischen Burger widmen können, hat etwas ganz anderes unsere Aufmerksamkeit erregt. Ganz unschuldig auf einem rosa Schild das Angebot: Einhornfleisch, für gerade mal 7499,99 Euro. Inhaber Predrag Stojanovic hält mir eine Blechdose unter die Nase. Einhorn und Regenbogen, abgebildet in idyllischer Eintracht. Der kitschige Kleinmädchentraum wird durch die eindeutige Aufschrift zerstört: „Unicorn Meat“. „Es gibt unendlich viele Einhörner. Die leben in Island. Und töten müssen wir sie auch nicht. Sie lachen sich von ganz alleine zu Tode“ beruhigt mich der Inhaber. Seine Beanie mit Einhorn-Emblem weist ihn auch eher als Einhornfreund und nicht -jäger aus. Das nötige Kleingeld fehlt mir zu dem exotischen Dosenfleisch jedoch trotzdem.

Zur Vorspeise in Taiwan

2 (2)Also doch Gua Pao. Ein taiwanesischer Snack oder wie Pedrag es ausdrückt: „Die Antwort Taiwans auf den Burger“.  Gua Pao zeichnet sich vor allem durch das gedämpfte Brot aus. „Es wird mit einem traditionellen Bambusdämpfer zubereitet. So ähnlich wie bei Germknödeln“ erklärt Predrag. Er schiebt mir eine weiße Pappschale über die Theke. Zwischen den zwei Brothälften eine Farbexplosion. Glänzendes braunrotes Fleisch neben intensivem orangem Mangochutney, gekrönt von lila Rote Beete Sprossen. Dazu reicht er mir eine Gabel. „Aber erst zum Schluss benutzen“, mahnt der Koch mich, „Streetfood muss man mit der Hand essen, sich beckleckern und dreckig machen“. Kein Problem, schmunzel ich. Erste Schwierigkeit: das butterweiche Brot aus dem Pappschälchen zu lösen, da es sich klebrig an dessen Rand klammert. Nachdem ich Predrags Anweisung ernst genommen habe und meine Hände vom Herauslösen bereits klebrig sind, nehme ich einen beherzten Biss. In meinem Mund vermischen sich verschiedenste Geschmackskomponenten, die ich gar nicht alle zuordnen kann. Die Süße vom karamellisierten Schweinefleisch mischt sich mit einer leichten Schärfe und der Frische der Mango. Ehe ich mich versehen habe, ist die weiße Pappschale leer und ich lecke die letzen Reste klebrig-süßer Soße von meinen Fingern. Ein guter Start in die kulinarische Reise, die jetzt unbedingt weiter gehen muss.

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Die beiden Niederländer backen die Paos frisch vor Ort.

Hauptgang in Brasilien

Fat Pao de Queijo – das einzige Wort, das ich verstehe ist „fat“ und das kann bei Essen ja nicht falsch sein. Brasilianische Käsebrötchen sollen sich dahinter verbergen, erklärt mir eine Schiefertafel, die an dem Stand lehnt. Gebacken wird der Snack in einer Muffinform und von den Niederländern Kelvin und Sovie. In einem brasilianischen

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Die Paos bestehen aus Tapiokamehl und werden mit verschiedenen Zutaten verfeinert.

Restaurant haben sie das Käsebrötchen erstmals bestellt und es danach nachgebacken. Traditionell ist der Snack gerade mal so groß wie eine Rocherkugel. Bei Kelvin und Sovie darf es ruhig mehr sein: Ihre Pao de Queijo bekommt man in ausgewachsenen Muffinportionen. Ich probiere die klassische Variante, die aus Käse, Milch, Eiern, Öl, Salz und Tapioka-Mehl. Das muffinartige Gebäck dampft noch. Außen ist es knusprig und innen schön fluffig. Der Geschmack wird eindeutig vom Käse dominiert. Und ich liebe Käse – also was soll ich sagen.

 

 

Der Nachtisch – ein American Dream

Sieht nach simplen Krapfen aus – aber im frittierten Teig verstecken sich Sickers und Oreos.

Nach dem Hauptgang folgt das Dessert und das wird bei mir heiß und fettig. Während der Ottonormalverbraucher Pommes oder Frühlingsrollen in der Fritöse gart, lässt Miriam Süßigkeiten ein flüssiges Fettbad nehmen. „Bei uns kommt alles in die Fritte“ lacht die 27-Jährige. „Der Trend geht zwar zur bewussten Ernährung, aber wir sind ungesund. Und wir stehen dazu.“ Ob Snickers, Kit-Kat, Mars oder Oreo-Kekse – bei „der kleine Munchkin“ wandert alles hübsch verpackt im Teigmantel in die Fritteuse. Auch wenn mein Magen schon gut gefüllt ist, kann ich an dieser Kalorienbombe nicht vorbeigehen. Ich muss einfach probieren, wie ein frittierter Oreo-Keks schmeckt. Nachdem Miriam den Kult-Keks mehre Male in einer Teigmasse gewälzt hat, lässt sie ihn unter einem Zischen in das flüssige Fett fallen. Sie war für ein Jahr als Au-Pair in Georgia, erzählt die 27-Jährige. Dort kreuzten die frittierten Süßigkeiten erstmals auf der Kirmes ihren Weg. „Da wusste ich: Das bringe ich mit rüber“, erklärt Miriam. Nach ein paar Minuten holt sie meine fertige Versuchung aus der Fritteuse. Von außen sieht die Süßigkeit wie ein handelsüblicher Krapfen aus. Als ich hineinbeiße offenbart sich der schokoladige Kern. Der Keks ist ganz weich geworden, die Milchmasse geschmolzen. Durch den Teigmantel wird die Süße des Keks gut aufgefangen. In meinem Magen breitet sich ein wohliges Völlegefühl aus. Das letzte Stück des frittierten Oreo-Keks wandert in meinen Mund. Danach ist klar: Noch ein Bissen und ich platze.

Fotostrecke, Fotos und Beitragsbild: Johanna Mack

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