Der Hund im Schafspelz

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Dicke Bücher belasten den Rücken, im Kino zahlt man für Überlänge drauf. Zeit ist Geld – im wahrsten Sinne. Wofür also die knappe Freizeit verwenden? Wir lesen, spielen und schauen für euch – nach zwei Stunden hören wir auf. Entweder, weil wir fertig sind oder weil die Zeit um ist. Heute machen wir ein Schaf zum Pudel.

Schnelldurchlauf

Lea ist zehn Jahre alt, hat lockiges, hellblondes Haar und mag Ballspiele. Heute muss sie zum Friseur, was sie gar nicht mag. Das ziept immer so. Lea ist ein Zwergpudel. Meiner, um genau zu sein.

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Zwergpudel Lea muss mal wieder zum Friseur.

Es gab da eine für mich recht traumatisches Begegnung mit einem Hund, den Lea offenbar nicht leiden konnte. Wie immer in solchen Situationen schob sie sich betont langsam und abweisend an ihm vorbei. „Das ist aber schon eine alte Dame, nicht wahr?“ erkundigte sich das andere Frauchen. Bitte, was?! Damals war Lea gerade mal eineinhalb, fast noch ein Baby, quasi. Nur war sie bis dato noch nie geschoren worden – und sah dementsprechend aus wie ein gut genährtes, zu klein geratenes Mutterschaf.

Der Schafslook macht also alt. Das wollte ich nicht auf mir und Lea sitzen lassen. Wenig später kam die Wolle runter und die Leute hielten sie wieder für einen Welpen. Puh!

Des Pudels Haarkleid
Für die Nicht-Pudelkenner: Anders als bei den meisten Hunderassen wächst das krause Fell des Pudels fortwährend. Deshalb muss er – wie wir Menschen auch – regelmäßig zum (Hunde-)Friseur und gekämmt werden. Ansonsten ist der Pudel im Schafspelz irgendwann nicht wieder zu erkennen. Das Positive an der Geschichte: Pudel haaren so gut wie gar nicht und sind daher auch für Allergiker geeignet.

Damit Lea also nicht wieder für eine Oma gehalten wird – die sie längst noch nicht ist – habe ich ihr in zwei Stunden eine Verjüngungskur verpasst und Friseur gespielt. Meistes übernimmt diesen Job meine Mutter, die das bessere Händchen für so was hat. Meine Erfahrung hält sich also in Grenzen.

Leas letzte Schur war schon einige Monate her und dürfte so im Spätsommer gewesen sein. Zugegeben, das Bürsten habe ich in dieser Zeit etwas vernachlässigt – die Folge: verfilzte Stellen an den Füßen und am Kopf. Arme Lea. Aber die Kleine ist hart im Nehmen.

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Die Ausrüstung: Pudelbürste, Schermaschine, Schere und Kamm.

Es war ein Fehler, dass wir sie damals erst so spät zum ersten Mal geschoren haben – das Welpenfell fühlte sich einfach zu fluffig an! Deshalb konnten wir ihr bis heute nicht nahebringen, dass wir ihr mit Schermaschine, Schere und Kamm nichts Böses wollen. So machte ich mich also daran, meinen zitternden, Schwanz einziehenden, knopfäuigen Hund herzurichten, der sofort wusste, was Sache war, sobald ich ihn auf den Wohnzimmertisch setzte. Kleine Anmerkung dazu: Hunde haben es lieber, bei der Schur erhöht zu stehen und für mich ist es einfach praktischer. Der Tisch wird hinterher selbstverständlich komplett desinfiziert…

Einige Problemzonen wie Kopf und Beine, an denen ich mit der Schere arbeiten musste, verlangten mir und Lea einiges an Geduld ab, während die Schermaschine mir die Sache vereinfachte. Zwei, drei Verschnaufpausen für mich und den Pudel waren nötig, ansonsten haben wir in den zwei Stunden eine ganz ordentliche Frisur hinbekommen.

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Plüschtier Lea

Kurzweilig

Die erste Viertelstunde bürste ich Leas Fell so gründlich wie sonst nie – umso weniger Knoten im Fell, desto leichter und schmerzfreier klappt das Scheren hinterher. Am Ende sieht sie richtig flauschig aus. Wie ein Plüschtier – süüüß!

Mit dem Einsetzen des lauten, durchdringenden Brummen der Schermaschine setzt auch Leas Zittern ein. Aber, da muss der Hund durch. Die Rücken- und Seitenpartie ist relativ easy. Lea ist tapfer und hält schön still. Es macht sogar ein wenig Spaß, die blonde Pracht abzusäbeln und den Haarhaufen wachsen zu lassen. Bei dem Anblick sieht man richtig, was man geschafft hat.

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Jetzt sieht sie ein bisschen so aus wie ein kleiner Löwe.

Nach gut 20 Minuten reiner Schurzeit sieht Lea so aus wie ein kleiner Löwe: Die Mähne ist beeindruckend. Zeit für eine fünfminütige Pause, in der die Maschine abkühlen, mein Hund sich etwas austoben und ich schon mal die herabgefallenen Haare aufsammeln kann.

Die Arme: Lea denkt wohl jedes Mal, wenn sie vom Tisch darf, sie sei fertig und freut sich dann immer tierisch, springt herum wie ein kleines Löwchen, äh Lämmchen. Ihr müsstet ihren herzerweichenden Blick sehen, wenn ich sie dann erneut draufsetze und die Maschine anknipse.

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Die Schermaschine macht ganz schön Lärm.

Langatmig

Es geht weiter, die Beine sind dran. Einen Teil schaffe ich mit der Maschine, aber an vielen Stellen sind die Haare zu verfilzt, da kommt das Teil nicht durch. Die Schere schon, mit ihr dauert nur alles viel länger. Und das sowieso schon, da sich Lea ständig hinsetzt oder ihre Beine wegzieht. Früher, als wir noch keine Schermaschine besaßen und Leas Fell komplett mit der Schere schneiden mussten, hat ein Haarschnitt einen halb Tag gedauert – und am Ende sah Lea so aus wie ein gerupftes Hühnchen. Die Maschine haben wir dann ziemlich schnell besorgt.

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Alles gar nicht echt: Eigentlich sind Leas Beine ziemlich dünn.

Den Kopf habe ich mir für den Schluss aufbewahrt, als Königsdisziplin sozusagen. Einmal habe ich ihre Kopfhaare zu kurz und die Ohren unterschiedlich lang geschnitten, das hat meine Mutter hinterher – so gut wie es ging – korrigiert („Hast du einen Knick in der Optik?!“). Deshalb habe ich jetzt Angst, zu viel abzuschneiden. Das ist echt schwierig, zumal auch die Haare an den Ohren und am Kopf etwas verfilzt sind. Ich entscheide mich für die längere Variante – ein bisschen Filz schadet bestimmt nicht.

Momentaufnahme

Noch einmal tief durchatmen, bevor der empfindlichste Teil kommt – Lea Schnauze. Ich betrachte die nun halbierte Portion Hund auf dem Tisch: Bis auf ihre Flausen auf dem Kopf bin ich recht zufrieden mit meiner Leistung. Lea hechelt und lässt den Schwanz hängen, aber sobald ich sie anspreche, bekomme ich einen Zungenschmatzer auf die Nase. Der Schwanz wedelt auch ein wenig. Na dann kann es ja weitergehen.

Noch vorsichtiger als an den anderen Stellen bearbeite ich die Haare an der Schnauze, die ich mit der Maschine nicht weg bekommen habe, mit der Schere – nicht, dass da was ins Auge geht. Gar nicht so einfach, denn Zappel-Lea zieht ständig weg. Nun hilft gutes Zureden mit Säuselstimme genauso wenig wie ein strenges „Lea, ruhig!“. Langsam und geduldig, Strähne für Strähne, nähere mich dem Ende.

Zeit um

Und fertig. Nun sieht mein Hund wieder einigermaßen ordentlich aus. Natürlich nicht wie ein „richtiger“ Pudel mit Krone und Puscheln an den Füßen – aber ganz ehrlich, das ist sowieso lächerlich.

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Der Unterschied ist deutlich sichtbar.

 Der Kommentar meiner Mutter: „Sie sieht etwas gerupft aus.“ Nun gut, da hat sie vielleicht recht. Aber ist doch ganz normal, dass die Haare direkt nach dem Friseurbesuch komisch liegen. Ist beim Menschen nicht anders.

_MG_7608Zwei Stunden sind um, natürlich ist das Ergebnis noch ausbaufähig, aber ich bin schon ganz zufrieden. Und Lea? Die gönnt sich erstmal ein Nickerchen nach dem anstrengenden Vormittag…

 

 

Fotos: Judith Wiesrecker

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