US-Fernsehserien im Check

In Zeiten von Trash-TV findet man klassische Serien immer seltener. Dabei galten sie jahrzehntelang als stärkste Waffe des Fernsehens gegen den Konkurrenten Kino. Qualitativ hochwertige Serienproduktionen gibt es zwar noch immer, nur schaffen es wenige auf deutsche Sendeplätze. Dafür haben die Serien in den letzten Jahren den DVD-Markt erobert. Wir stellen euch fünf Serien vor, die ihr nicht verpassen solltet und sagen euch, wo ihr sie her bekommt.

Breaking Bad (seit 2008)

Foto: Sony Pictures Home Entertainment

Walter (Bryan Cranston) wandelt sich vom Biedermann zum eiskalten Dealer. Foto: Sony Pictures Home Entertainment

Worum es geht: Breaking Bad erzählt die Geschichte von Walter White (Bryan Cranston), einem Chemielehrer, der mit seiner Frau und seinem an Kinderlähmung leidenden Sohn in New Mexico lebt. Als Walter erfährt, dass er nur noch drei Jahre zu leben hat, beschließt er, in der ihm verbleibenden Zeit, das Auskommen seiner Familie zu sichern. Mit dem Gefühl nichts mehr verlieren zu können, beginnt er eine zweite Karriere als Schwerkrimineller und das mit einschlagendem Erfolg. Befreit von alltäglichen Sorgen und den Zwängen unserer Gesellschaft, wandelt sich Walter vom typischen Familienmenschen zum eiskalten Drogenhändler.
Warum es sich lohnt: Breaking Bad ist tiefschwarze Comedy und anspruchsvolle Charakterentwicklung zugleich. Die Grundstory ähnelt der Erfolgsserie Weeds, in der eine Mutter aus der amerikanischen Mittelschicht mit Marihuana dealt. Breaking Bad aber hat ein Suchtpotential wie die Droge Crystal Meth, die Walter in seinem Keller kocht. Ab Mitte der ersten Staffel steigert Breaking Bad das Tempo unerlässlich. Das Crack unter den Serien.
Wo läuft das: Arte zeigt die dritte Staffel ab Oktober. Staffel eins und zwei sind bereits auf DVD erschienen. Auf dem Bezahlsender Sky läuft Breaking Bad im Spartenkanal AXN.

Lass es, Larry (seit 2000)

Foto: Warner Home Video

Spielt sich selbst: Comedian und TV-Producer Larry David. Foto: Warner Home Video

Worum es geht: Larry David, Erfinder der erfolgreichen 90er Jahre Sitcom Seinfeld, spielt sich in dieser Improvisations-Comedy selbst. Ewig pessimistisch trottet Larry von einem Fettnäpfchen ins nächste und verprellt dabei Gaststars wie Ben Stiller oder Mel Brooks. Der Plot wird vom Alltag diktiert und ist oft so simpel wie genial. Etwa, wenn Larry Hausverbot in einer Edel-Boutique bekommt, weil er anprobierte Sachen selbst wieder zusammenlegt. Larry ist zugleich Täter und Opfer in seiner eigenen Show, deren achte Staffel in diesem Jahr in den USA startet.
Warum es sich lohnt: Curb Your Enthusiasm (so der Originaltitel) ist eine politisch unkorrekte High-Society-Studie. Die Tonart schwankt zwischen brachial und subtil. Wer sich darauf einlässt, sich mit Larry fremd zu schämen, kommt aus dem Lachen garantiert nicht mehr heraus. Positiv ist auch, dass die Gaststars hier niemals nur vorgeführt werden, sondern stets integraler Bestandteil der Geschichte sind. Bastian Pastewka kupferte seine nach ihm benannte Sat.1- Comedyshow von diesem Konzept ab.
Wo läuft das: Die erste Staffel ist kürzlich in Deutschland auf DVD erschienen. Sky zeigt Lass es, Larry im Spartenkanal FOX.

The Wire (2002 – 2008)

Foto: Warner Home Video

Hebt das serielle Erzählen auf ungeahnte Höhen: das Gesellschaftsdrama "The Wire". Foto: Warner Home Video

Worum es geht: Hauptspielort in The Wire ist die amerikanische Großstadt Baltimore. Handelt die erste Staffel vom hoffnungslosen Kampf der Polizei gegen den Drogenhandel, konzentrieren sich die Macher im zweiten Jahr auf die Arbeiter in den Docks. Staffel drei beleuchtet die Kommunalpolitik, Staffel vier das Schulsystem. In der letzten Staffel wendet sich The Wire schließlich den Lokalmedien zu. Ein schier unendliches Ensemble an Charakteren begleitet den Zuschauer auf dieser Fahrt in das finstere Herz Amerikas.
Warum es sich lohnt: Von vielen Kritikern als „visuelle Weltliteratur“ gepriesen, ist die Serie The Wire anspruchsvolle Kost. Dessen Erfinder David Simon arbeitete lange Zeit als Polizeireporter, was ein Grund für den hohen Realitätsgrad dieser Serie ist. Bevor die Produktion startete, sprach Simon mit dem Bürgermeister Baltimores und kündigte an, kein schönes Bild seiner Stadt zeichnen zu werden. Als gesellschaftliches Zeitdokument hebt sich The Wire vom Seriendurchschnitt deutlich ab.
Wo läuft das: In Deutschland ist bisher nur die erste Staffel auf DVD erschienen.

The Shield (2002 – 2008)

Foto: Sony Pictures Home Entertainment

Vic Mackey und seine Cops aus Los Angeles haben mehr als eine Leiche im Keller. Foto: Sony Pictures Home Entertainment

Worum es geht: The Shield handelt von den Cops einer Polizeistation im gefährlichsten Viertel von Los Angeles. Im Dauereinsatz gegen schwarze und mexikanische Gangs, stellt sich ein Sonderkommando, das Strike Team, selbst über das Gesetz. Mit brutalsten Methoden erzwingt das Team um Vic Mackey (Michael Chicklis) Geständnisse oder schiebt Verdächtigen Beweise unter. Ob der Zweck die Mittel heiligt, muss der Zuschauer selbst bewerten.
Warum es sich lohnt: The Shield verhält sich zu The Wire wie ein Cheeseburger zu Filet Mignon. Statt erzählerischer Dichte und charakterlichem Tiefgang erwarten den Zuschauer hier knallharte Action und oft eher simple Auflösungen. Doch die Geschichte, wie es dem Strike Team gelingt, sich den internen Ermittlungen gegen ihre illegalen Methoden zu erwehren und gleichzeitig kaltblütige Gangbanger zu überführen, hat hohes Suchtpotential. Außerdem ist Hauptdarsteller Michael Chicklis in seiner Rolle so gefährlich wie ein Pitbull.
Wo läuft das: Sechs der insgesamt sieben Staffeln sind in Deutschland auf DVD erschienen.

Mad Men (seit 2007)

Foto: Universal Home Entertainment

Hauptsache stilvoll: "Mad Men" führt uns die USA der 60er vor. Foto: Universal Home Entertainment

Worum geht es: Schauplatz ist eine New Yorker Werbeagentur in den Sechzigern. In einer Zeit vor Bürgerrechts- und Frauenbewegungen rauchen die Herren Kette und trinken schon morgens Alkohol. Die Damen lassen sich gefällig von ihren männlichen Vorgesetzen in den Hintern kneifen und für Schwarze führt der einzige Weg nach oben über den Aufzug, den sie bedienen. Neben allerhand Techtelmechteln im Büro entfaltet sich – in nun schon vier Staffeln – die Geschichte des Don Draper (Jon Hamm), der ein Geheimnis aus seiner Vergangenheit hütet.
Warum es sich lohnt: In mancherlei Hinsicht ist Mad Men das Gegenstück zu The Wire. Hier sehen wir nicht den Verfall, sondern den Aufstieg Amerikas, über den Beginn des Fernsehens und den Siegeszug des Kapitalismus. Wie die Werbung, um die es in der Arbeit der Protagonisten geht, ist deren ganzes Leben auf Hochglanz getrimmt und mindestens genauso hohl. Jede Staffel ist außerdem eine Reise durch Amerikas Geschichte. Von Kennedy bis Vietnam wird der Zuschauer Zeuge der Stimmungen eines Landes, das sich im Umbruch befindet. Für wen das nichts ist, der kann sich an der peniblen Ausstattung erfreuen oder einfach nur mitraten, wer mit wem als nächstes anbandelt.
Wo läuft das? ZDFneo wiederholt zurzeit die erste Staffel von Mad Men mittwochs um 23:30 Uhr. Staffel eins und zwei sind in Deutschland außerdem auf DVD erschienen.

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