Duell am Valentinstag: Liebesfilme – gute Unterhaltung oder eine Zumutung?

 

Sich am Tag der Liebe gemeinsam aufs Sofa kuscheln, die großen Emotionen zweier Menschen mitfühlen und das eine oder andere Tränchen verdrücken. Perfekt, findet Leonie Merheim. Bloß nicht, sagt Laura-Sophie Lang. 

Zum perfekten Abend auf der Couch gehören Liebesschnulzen

findet Leonie Merheim

Egal ob harter Kerl oder süße Prinzessin: Die eine große Liebe im Leben zu finden, davon träumt jeder. Und auch wenn einige nach diesem Satz schon energisch mit dem Kopf schütteln werden, ist es am Ende doch schöner neben dem Partner fürs Leben aufzuwachen, als neben dem Fertiggericht oder dem Laptop. Was gibt es also besseres, als sich das Ganze auch im Fernsehen anzuschauen?

Immer etwas Anderes

Böse Zungen werden jetzt behaupten, dass doch jede Liebesschnulze gleich abläuft. Falsch gedacht! Obwohl die Grundkonstellation natürlich schon meistens ähnlich ist – Mädchen trifft Junge, sie verlieben sich, irgendwas läuft schief und am Ende gibt es doch das Happy End – ist jede Geschichte einzigartig. Doch wirklich, vergleichen wir nur mal „Titanic“ mit „Wie ein einziger Tag“ von Nicholas Sparks. Obwohl beide Geschichten zumindest in einer ähnlichen Zeit spielen und beide Paare mit Klassenunterschieden zu kämpfen haben, ist das was dahintersteckt etwas ganz Anderes. In Titanic überwinden Rose und Jack ihre sozialen Unterschiede und lassen ganz nebenbei noch den bösen Ehemann links liegen, während Allie und Noah in „Wie ein einziger Tag“ zeigen, dass Liebe auch schwere Krankheiten vergessen machen kann.

Fürs Leben lernen

Leichte Kost ist so eine Liebesschnulze also nicht unbedingt. Denn obwohl weder mit harten Fakten um sich geworfen wird, noch eher selten bahnbrechende Erkenntnisse beim Zuschauer ankommen, so kann man doch etwas fürs Leben lernen. Den ersten Herzschmerz hat fast jeder schon erlebt und der ein oder andere erkennt sicher etwas von sich selbst oder vom (Ex)Partner in einem der Charaktere. Selbstreflexion also inklusive. Genau deshalb lohnt es sich bei den Gesprächen mal genauer zuzuhören oder zu sehen, wie im Film mit Problemen umgegangen wird.

Einfach mal heulen dürfen

Außerdem erfüllen Liebesschnulzen oft auch einen ganz bestimmten Zweck. Wenn er mal wieder da ist: Der Samstagabend, an dem alle sich im Club die Schuhe durchtanzen, man aber selbst so absolut keine Lust aufs Feiern hat. Dann wird es Zeit für die ollste Jogginghose, Kerzen und natürlich für die Liebesschnulze. Dieses Genre fordert die Emotionen wie kein anderes heraus. Spätestens wenn Rose ihr verzweifeltes „Komm zurück“ auf der Flügeltür im Meer ruft, kullert schnell mal eine Träne über die Wange. Diese Emotionen dann noch Arm in Arm mit dem Partner erleben zu können, stärkt auch die eigenen Gefühle. Am Ende steckt ja doch in allen von uns ein Romantiker. Es kann immerhin kein Zufall sein, dass die Neuauflage von Titanic vor einigen Jahren wieder so viele Besucher ins Kino lockte. Und das liegt sicher nicht nur am 3D-Effekt. Kaum ein anderer Film bietet so viel Identifikationsfläche. Und ganz nebenbei kann man sich dann noch wunderbar darüber aufregen, dass auf dieser verdammten Tür ganz locker Platz für zwei Leute gewesen wäre.

 

Liebesschnulzen? Vermitteln ein unrealistisches Bild von Liebe und Beziehungen

findet Laura-Sophie Lang

Kuss und Schluss. So enden die meisten Liebensschnulzen. Wie es danach weitergeht, wird dem Zuschauer oft vorenthalten. Was im Gedächtnis bleiben soll, ist die Vorstellung, dass es die perfekte Beziehung gibt, dass die Romantik bleibt und sich alles immer zum Guten wendet. Im wahren Leben ist das jedoch oft nicht so.

Und täglich grüßt das Murmeltier…

Klar, so einen verregneten Sonntag mit Kuscheldecke und Liebesschnulze hat wohl jeder schon mal verbracht, da nehme ich mich nicht aus. Wenn einem alles andere auf die Nerven geht, kann es echt gut tun, sich vor den Fernseher zu schmeißen und sich dort von Liebe, Harmonie und Kitsch berieseln zu lassen. Aber letztendlich bleibt es eine Geschichte im Fernseher, etwas das sich nicht auf das wahre Leben übertragen lässt. Schon von klein auf werden junge Mädchen mit dem Muster konfrontiert, dass der perfekte Prinz irgendwann kommt, um die hilflose Prinzessin zu retten. Das Schema zieht sich weiter durch die Jugend bis ins Erwachsenenalter, wo der Film dann nicht mehr „Arielle – Die kleine Meerjungfrau“, sondern „Pretty Woman“ heißt.

Doch was wenn der Prinz nicht kommt? Oder er zwar da ist, jedoch nach kurzer Zeit nicht mehr so charmant und liebevoll ist, wie angenommen. Da verwandelt sich der Prinz dann ganz schnell in das Biest und nicht andersrum. Und auch von der Seite der Männer aus steht oftmals eine böse Überraschung bevor, wenn sich Schneewittchen eher als böse Hexe entpuppt. Was ich damit auf übertriebene Weise sagen will: Keine Beziehung ist perfekt, nicht jedes Mädchen will gerettet werden und nicht jeder Prinz will ein gefügiges Mädchen.

Die Liebe wird heruntergebrochen

Was mich aber an Liebesschnulzen am meisten stört: Die Reduzierung des besten Gefühls der Welt auf eine Liebesbeziehung zwischen zwei Partnern. Denn auch wenn diese Art von Beziehung eine der Elementarsten in der Menschheitsgeschichte ist, gibt es Liebe doch noch in so vielen anderen Varianten. Sei es die Liebe zu den Eltern, den Geschwistern oder guten Freunden. Liebesschnulzen verkennen diese Form von Liebe, brechen das Gefühl oftmals auf eine gradlinige, monogame Beziehung zwischen Mann und Frau herunter. Und der Witz an der Sache: Genau diese Art ist oft die flüchtigste, die zerbrechlichste Art von Beziehung, wohingegen die anderen oft ein Leben lang halten.

Denn spinnen wir die Geschichte nach dem Kuss am Ende der Schnulze weiter, stehen dort oft Krisen oder Streits, die es zu überwinden gilt. Und das ist ja auch gar nicht schlimm. Im Gegenteil: Es ist das natürlichste der Welt und gerade an diesem Punkt wird eine Beziehung doch eigentlich spannend. Liebesschnulzen enthalten uns das jedoch vor und wollen uns in einer Blase aus Romantik und Kitsch gefangen halten, auf dass wir im wahren Leben dann oft enttäuscht werden, weil das ja gar nicht so abläuft wie im Film.

das-duell-feederFoto: stockxchng/bizior, S. Hofschlaeger/pixelio.de, Montage: Brinkmann/Schweigmann

Teaserfoto: David Zellaby bei Flickr.com Lizenziert nach Creative Commons CC BY-NC-ND 2.0

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.