Das Comeback der Vinyl-Platte

Nicht nur Rock’n’Roll-Liebhaber werden bei „Blck Plastic“ fündig. Hier gibt es für jeden Musikgeschmack die richtige Schallplatte

Sie ist DAS Kultobjekt der Musikgeschichte: Die Schallplatte. Früher aus Schellack, heute aus Vinyl. Zwölf Zoll im Durchmesser und glänzend schwarz. Gerade erlebt die „Platte“ eine Art Renaissance, denn auch neue Künstler wie Cro, Joris oder Mark Forster haben den Oldschool-Tonträger für sich entdeckt und bieten ihre Songs nicht mehr nur auf Spotify oder CD an, sondern auch auf Vinyl. Für etwa 25 Euro kann also auch unsere Generation in den Genuss der knisternden Klänge kommen, in den auch schon unsere Eltern und Großeltern kamen.

Ungefähr 50 Schallplatten liegen gestapelt auf einem kleinen, runden Holztisch vor der Plattenspieleranalge in der Piano-Bar in Dortmund. Von Iron Maiden über ungarischen Rock bis hin zu den Beatles – die Vielfalt ist groß. Mitgebracht wurden die schwarzen Scheiben von 15 Männern und Frauen, die sich jeden Mittwoch hier zum Vinylstammtisch treffen. Von 19 Uhr bis 1 Uhr Nachts unterhalten sich die Musikliebhaber über die Musikkultur der letzten Jahrzehnte. Dabei wird dann gemütlich ein Bierchen an der Bar getrunken, Dartpfeile geworfen oder gepokert. Wenn eine Platte fertig gespielt ist, kann sich jeder der möchte eine neue vom Tisch nehmen und auflegen.

Fotos: Malin Annika Miechowski

Sascha Kuchenbuch und Jens Riwotzki genießen die gemütliche Atmosphäre hier. Alle zwei Wochen kommen sie zum Treff, um sich in ihre Jugend zurückversetzen zu lassen. Warum? „Na wegen der Nostalgie. Weil die Schallplatten so schön alt sind und knistern“, sagen sie einstimmig. Natürlich sind die beiden selbst große Sammler: Sascha nennt immerhin 50 Schallplatten sein eigen und Jens 300. Und wenn man so verrückt nach den schwarzen Alben ist, hat man doch bestimmt auch eine Lieblingsplatte? „Also bei mir ist das das eine Doppel- oder Dreifachalbum von den Ärzten. Die habe ich aber leider nicht mehr“, antwortet Sascha nach kurzem Überlegen. „Wenn wir von früher reden, ist meine Lieblingsplatte ‚Bochum‘ von Herbert Grönemeyer“, fügt Jens hinzu. Die beiden Musikliebhaber finden es übrigens richtig super, dass auch der musikalische Nachwuchs Schallplatten veröffentlicht und diese von der nächsten Generation gekauft werden. So sehen sie die Zukunft des Kultobjektes gesichert. 

Für Nachschub wird gesorgt: Aktuelle Alben werden nicht mehr nur auf Musikstreaming-Diensten oder CDs veröffentlcht, sondern immer häufiger zusätzlich auf Langspielplatten, kurz LPs. So sieht man neben altbekannten Schallplatten der Beatles und Nirvana mittlerweile das Album „Herz über Kopf“ von Singer-Songwriter Joris und „Raop“ von Rapper und Sänger Cro in den Regalen stehen. Die Schallplattenindustrie boomt und ein Abwärtstrend ist nicht in Sicht.

Einen Grund dafür kennt Carl van der Walle: „Man hört viel bewusster Musik und nicht nur so nebenbei.“ Er hat seine Liebe zur Musik zum Beruf gemacht, denn Carl van der Walle ist Konzertfotograf aus Leidenschaft und feiert dieses Jahr 50-jähriges Dienstjubiläum. So sammelt er nicht nur die Schallplatten der Musiklegenden, sondern er fotografiert sie auch. Der Liebhaber, der ursprünglich aus dem Bremer Raum kommt, hat schon Musikgrößen wie David Bowie, die Rolling Stones, Motörhead und Jimi Hendrix kurz vor seinem Tod auf Konzerten vor die Linse bekommen. Bei ihm laufen meistens Schallplatten aus dem Rockgenre. Auch der Fotograf liebt an der Schallplatte ihre Tradition und ihren Sound.

Ein Ort, an dem man am deutlichsten spürt, dass die Liebe zur schwarzen Scheibe ungebrochen ist und immer mehr Zulauf findet, ist der Plattenladen“Black Plastic“. An der Rheinischen Straße im Dortmunder Unionviertel kann man neben Rock auch in unzähligen anderen Genres fündig werden. Zum Beispiel bei Jazz, HipHop und Reggae. Hier findet man alles, was das Sammlerherz begehrt. Bei rund 8000 Schallplatten hat man die Qual der Wahl, wie Mitarbeiter Marcus Fischer berichtet. Wieviele davon pro Jahr verkauft werden, lässt sich schlecht sagen, aber seit dem Schallplattenboom werden es ständig mehr. Und für jeden Geldbeutel ist hier was dabei: „Die billigste Schallplatte kostet 50 Cent, die teuersten kosten schon an die 1000 Euro. Das sind dann aber besonders seltene in gutem Zustand“, meint Marcus Fischer. Am häufigsten werden aber nach wie vor Klassiker wie Smells like Teenspirit von Nirvana oder das Rote und das Blaue Album von den Beatles gekauft. „Die müssen wir immer vorrätig haben – in neu und gebraucht.“ Er selbst ist Plattensammler mit Leib und Seele, weshalb er bei sich zuhause mehrere tausend Scheiben besitzt. DIE eine Lieblingsscheibe zu benennen, fällt dem Angestellten schwer. „Dann würde ich ja denen, die ich nicht nenne, Unrecht tun.“

Auch Marcus Fischer freut sich über das wachsende Interesse der Jugend an Schallplatten. Zwischen 14 und 68 Jahren sind die Leute, die hier in der Rheinischen Straße in den Laden kommen.  Und während des Interviews betritt ein Vater mit seiner kleinen Tochter auf dem Arm den Laden. Auch sie soll später eine begeisterte Sammlerin werden.  

Liste der Schallplattenläden in Dortmund

 

Beitragsbild: Natalie Schmid, flickr

Teaserbild: Malin Annika Miechowski

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