Fußballer Mark Greine: Vom Profi zum Amateur

Ailton, Dariuz Wosz, Karsten Wolters, Ansgar Brinkmann… Die Liste von Fußballprofis, die ihre Schuhe nach der Profi-Fußballerkarriere nicht an den Nagel gehängt, sondern in Amateurligen geschnürt haben, ist lang. Auch Mark Greine, Spielertrainer beim SSV Rotthausen in Gelsenkirchen, zählt dazu. Vor seinem Engagement in der Kreisliga A spielte er unter anderem bei Schalke 04 und Rot-Weiß Essen.

"Fußball ist unser Leben" sangen schon die westdeutschen Nationalkicker zur WM '74. Aber was passiert mit dem Leben nach dem Profi-Fußball? Foto: Reiner Sturm/pixelio.de

"Fußball ist unser Leben" sangen schon die westdeutschen Nationalkicker zur WM '74. Aber was passiert mit dem Leben nach dem Profi-Fußball? Foto: Reiner Sturm/pixelio.de

Lässig gegelte Stoppelhaare und Sonnenbankbräune: Im Internet strahlt einem ein höchstens 25-jähriger Fußballer entgegen. Das Geburtsdatum im Spielerprofil verrät jedoch, dass Mark Greine mittlerweile 37 Jahre alt ist.
Der ehemalige Fußball-Profi sitzt an der Theke eines Gelsenkirchener Cafés. Der Sonnenbankteint und die Freude am Fußball sind geblieben. Sein Haar reicht mittlerweile fast bis zum Kinn. Eine gewisse Ähnlichkeit mit Ansgar Brinkmann lässt sich nicht abstreiten. Greine trägt dunkelblaue Jeans und einen beigebraunen Pullover.

Als Spielertrainer des SSV Rotthausen hat Greine in dieser Saison fast alle Partien auf dem Platz bestritten und in 14 Spielen 13 Tore erzielt – aus dem Mittelfeld. „Doch ich will perspektivisch ein wenig kürzer treten“, sagt Greine über sich selbst. Momentan fehle nur das Personal für diesen Schritt. Sein Team sieht der Coach bei drei Punkten Rückstand auf den Tabellenführer SV Gelsenkirchen Hessler auf einem guten Weg. Greine: „Wir haben in der Mannschaft einen Altersdurchschnitt von 23 und es gibt einige Jungs, die schon Verantwortung übernehmen.“

Bei seinem ersten Aufenthalt beim SSV Rotthausen 2007: Mark Greine. Foto: Cornelia Fischer

Bei seinem ersten Aufenthalt beim SSV Rotthausen 2007: Mark Greine. Foto: Cornelia Fischer

Viele Vereinswechsel

Als Finanzbeamter und Vater einer Tochter beackert Greine ohnehin mittlerweile auch andere Plätze. Seinen Beruf hat er schon zu Regionalligazeiten ausgeübt. Der Job brachte über die Jahre finanzielle Sicherheit neben dem Sport.
Beim Blick auf die Karriere des Gelsenkircheners drängt sich neben der optischen Ähnlichkeit ein weiterer Vergleich mit Ansgar Brinkmann auf. Dieser brachte es in seiner Profizeit auf rekordverdächtige 15 Vereinswechsel. Greine spielt derzeit bei seinem neunten – zuvor war er bei Schalke 04, ETB Schwarz-Weiß Essen und dessen Lokalrivalen Rot-Weiß Essen. Bei Schalke kam er nach einem kurzen Stelldichein in der Jugendabteilung nicht über die zweite Mannschaft hinaus. Auch deshalb begann Greine seine Ausbildung zum Finanzbeamten.

„So konnten meine Frau und ich in den Urlaub fahren, während viele Mitspieler zu Hause bleiben mussten“, sagt Greine rückblickend. Seine Frau lernte er mit 19 im zweiten Jahr bei den Blau-Weißen kennen. Bezeichnenderweise in einem Billardcafé nach dem Training. Dabei habe sich seine Frau noch nie für Fußball interessiert, sagt Greine und schmunzelt.

Viel Zeit für Urlaube hatten die beiden jedoch nicht. Gespielt wurde häufig schon um elf, weshalb Greine auch an Wochenenden um sieben aufstehen musste. „Außerdem haben wir vier bis fünfmal die Woche trainiert.“ Oft ging es ins Trainingslager anstatt in den Traumurlaub.

Auch als Mittelfeldspieler kopfballstark und torgefährlich: Foto: Cornelia Fischer

Mark Greine: auch als Mittelfeldspieler kopfballstark und torgefährlich. Foto: Cornelia Fischer

Vorteil für Halbprofis: Sie müssen keine Wäsche waschen

Damals spielte Greine ab und zu noch im Sturm. Heute, beim SSV Rotthausen, setzt er sich vor allem im Mittelfeld ein. Dass es im Fußball auch finanziell nur für das Mittelfeld reichte, lag unter anderem am Verletzungspech. Nach einem Kreuzbandriss und einer Zwischenstation beim SV Horst Emscher ging es für Greine 1994 das erste Mal nach Essen, zum ETB. „Dort wurde ich zwar Stammspieler, musste mich aber immer häufiger fitspritzen lassen“, sagt Greine, der die drei Jahre bei Schwarz-Weiß trotz Schalke-Affinität zu seinen schönsten Erfahrungen zählt. „Viel Geld habe ich damals in der Oberliga aber nicht wirklich verdient“, so der passionierte Fußballer. Der einzige Unterschied zur Kreisliga habe eigentlich nur darin bestanden, „dass die Halbprofis in der höheren Spielklasse ihre Wäsche nicht waschen mussten.“

Nach seiner Zeit am Essener Uhlenkrugstadion folgten kleine Abstecher zu den Vereinen Rotthausen SV und Westfalia Herne, beide ebenfalls Oberligisten. Danach landete Greine Anfang des neuen Jahrtausends in der zweiten Mannschaft von Rot-Weiß Essen. Die spielt nach wie vor in der Landesliga.

Karrierehighlight Cupfinale

Heute sind die Harre deutlich länger: Mark Greine Foto: privat

Heute sind die Harre von Mark Greine deutlich länger. Foto: privat

Trotz des sportlichen Gefälles nennt Greine heute gerne ein Ereignis, dass ihn in seiner Zeit in Essen besonders geprägt hat: In seinem zweiten Jahr (2004) musste er wegen einer Verletzungsmisere ein paar Mal in der ersten Mannschaft aushelfen. Im Finale um den Niederrheinpokal gegen Fortuna Düsseldorf durfte er so ab der 80. Minute auf dem Platz mitwirken und das vor rund 16 000 Zuschauern. Durch ein 2:0 sicherte sich Essen damals ein Ticket für die Hauptrunde des DFB-Pokals. Parallel dazu hatten die Rot-Weißen den Aufstieg in die zweite Bundesliga geschafft.

Durch diesen Erfolg stand dem verbeamteten Fußballer zum ersten Mal seine Nebentätigkeit im Weg. „Damals wollten die mit mir verlängern, aber durch meinen Zweitjob im Finanzamt wäre ich in eine höhere Steuerklasse gerutscht und zu teuer für den Verein geworden“, bilanziert Greine die wohl endgültige Entscheidung gegen eine späte Profikarriere.

Der heutige Spielertrainer war zu diesem Zeitpunkt bereits Familienvater und bereut es auch deshalb letztlich nicht, keinen neuen Kontrakt bekommen zu haben. Greine: „Mein Beruf sichert mir immer ein festes Gehalt.“

Diese Flexibilität genießt er bis heute – und das auch auf dem Platz, wenn sich seine Rotthausener im 3-5-2 auf den Gegner einstellen.