Interview zu den Asylmonologen

Die aussichtsloseste Lage ist nicht aussichtslos. Die Bühne für Menschenrechte erzählt von Menschen, die für ein besseres Leben geflüchtet sind. Am Donnerstag,  12. Dezember, gibt es ihr erstes Stück, die Asylmonologe, ab 19.30 Uhr kostenlos in der Stadtbibliothek Dortmund. Wir haben Regisseur Michael Ruf vorab interviewt.

"Alles Erzählte ist wahr.", schrieb die Deutsche Welle. Foto: Andreas Weiand, Teaserfoto: Agata Kowalska

Die Asylmonologe: "Alles Erzählte ist wahr." Foto: Andreas Weiand, Teaserfoto: Agata Kowalska

Was kann man sich unter dem Stück „Asylmonologe“ vorstellen?

Die Asylmonologe sind ein dokumentarisches Theater. Wir haben Interviews mit Menschen geführt, die als Flüchtlinge nach Deutschland gekommen sind. Das hat teilweise mehrere Stunden oder gar Tage gedauert. Diese Interviews haben wir dann verdichtet, sie in eine narrative Form gebracht und Monologe verfasst. Wichtig dabei ist, dass wir nichts hinzu erfunden haben, wir haben die Interviews lediglich gekürzt. Auch die Ausdrucksweise der Protagonisten haben wir beibehalten, man spricht somit auch von wortgetreuem oder wortwörtlichem Theater.

Wie kam die Idee, die Bühne für Menschenrechte zu gründen?

Ich wurde inspiriert durch ein Projekt in England, die Actors for Human Rights. Diese haben es geschafft, in fünf Jahren ein Netzwerk von 600 professionellen Schauspielern und Musikern aufzubauen. Ich war sehr beeindruckt von diesem Konzept und habe mich dann gefragt, ob das nicht auch hierzulande funktionieren kann. Wir machen das jetzt seit zweieinhalb Jahren, haben etwa 170 Profi-Schauspieler und Musiker engagiert und Asylmonologe in über einhundert Städten aufgeführt.

Das Stück wird kein Eintritt kosten. Wie wird das Projekt finanziert?

Die Finanzierung war und ist immer ein schwieriges Thema. Dieses Jahr gelang es uns, einige Förderer zu gewinnen. Das waren dann hauptsächlich Stiftungen aus der Ecke der entwicklungspolitischen Bildungsarbeit, weil es auch ganz stark um Fluchtursachen und somit die Situation in den Herkunftsländern geht. Wir hoffen stark, dass wir im nächsten Jahr noch mehr Förderung für diese Arbeit bekommen, denn nur so können wir sie fortsetzen.

Flüchtlingsdramen und Snowden: Asyl ist ein kontroverses Thema in Deutschland. Wie hängt das mit den Asylmonologen zusammen?

Asyl ist ein Thema, über was sehr wenig und wenn dann sehr verzerrt und falsch gesprochen wird. Es ist ein Thema, über das ein sehr geringes Wissen verbreitet ist. Mir ist es wichtig, dass da eine Aufklärung stattfindet. Dass man erfährt, was ein Asylverfahren bedeutet. Wir finden, dass die Aufführungen nach wie vor sehr wichtig und sehr notwendig sind, vor allem wenn man an aktuelle Entwicklungen denkt, beispielsweise an die Proteste von rechtsextremen Kräften gegenüber Asylheimen.

Neben den Aufführungen gibt es auch Publikumsgespräche. Dienen diese auch der Aufklärung, dass die Menschen dem Begriff Asyl näherkommen?

Asyl ist durch und durch politisch ausgelegt. Es geht uns neben Aufklärungs- auch um Aktivierungsarbeit. Menschen, die bisher politisch inaktiv waren, sollen angeregt werden, selbst unterstützend tätig zu werden. In den Gesprächen kommen dann auch immer lokale Aktivistinnen und Aktivisten zu Wort kommen, um über die vor Ort bestehenden Gruppen und Initiativen berichten. Zudem können die Zuschauer Fragen stellen, schließlich ist das Thema für die meisten neu oder sie wissen nur wenig darüber. Da kann man dann auch konkret herausfinden, wie und auf welche Weise man sich vor Ort engagieren kann.

Gibt es denn konkret Fälle, in denen durch die Asylmonologe Menschen begonnen haben, zu helfen?

Das passiert oft, dass sich Menschen begegnen, die dann in der Zukunft kooperieren und sich gemeinsam für eine andere Flüchtlingspolitik einsetzen. Wir bekommen dann immer wieder aus den Städten die Rückmeldung, dass sich Leute engagiert haben. Vor kurzem waren wir beispielsweise in Bremen, und noch am selben Abend hat sich eine Gruppe formiert, die Asylsuchende unterstützt bei Ämtergängen oder Deutsch unterrichtet.

In der Presse wurde vor allem die Emotionalität des Stücks gelobt. Wie schaffen es die Schauspieler, die Emotionen so rüberzubringen?

Die Geschichten sind sehr stark, da passiert sehr viel und auch unsere Charaktere sind sehr starke Persönlichkeiten. Wir arbeiten deshalb ganz bewusst mit minimalistischen Mitteln. Es sind schlicht und einfach drei Schauspieler, die auf der Bühne stehen und die Geschichten erzählen. Wenn man hier noch viel an Bühnenbild oder Regieeinfällen hinzunehmen würde, würde das nur ablenken. Die Monologe stehen im Vordergrund.

Bekommen Sie auch Feedback von den Schauspielern?

Sie sagen mir immer, dass sie sehr viel Respekt vor dieser Arbeit haben. Das ist keine Erfindung, die sie umsetzen, sondern sie wissen genau, das sind wahre Geschichten, die sie als Schauspieler darbieten. Somit entsteht sehr viel Respekt vor diesen Menschen, die uns die Geschichten anvertraut haben. Besonders ist es dann für die Schauspieler, wenn sie die Protagonisten persönlich kennenlernen.

Hat es den Menschen geholfen, die Ihnen ihre Geschichte erzählt haben?

Uns ist natürlich wichtig, dass die Protagonisten, die sich uns so geöffnet haben, auch etwas davon haben. Im Falle von Ali Touré, einem jungen Mann, der in Hamburg lebt, konnten wir auch schon Kontakte knüpfen zu Menschen, die sich dann für Ali eingesetzt haben. Vor einem Jahr hat er dann einen Aufenthalt nach humanitären Gründen bekommen. Möglicherweise haben die Asylmonologe und die dadurch entstandene Öffentlichkeit hierzu einen Beitrag geleistet.

Was erwartet die Dortmunder?

Die Asylmonologe bieten wir wie in allen anderen Städten dar. Die Schauspieler sind dann Christina Puciata, Folker Banik und Harald Schwaiger. Musikalisch wird Volker Becker das Ganze begleiten. Spannend wird aber vor allem das Publikumsgespräch danach, hier wird auch ein Mensch mit eigener Fluchterfahrung anwesend sein. Er wird von seinen Erfahrungen und seiner politischen Aktivität berichten. Zudem wird eine Amnesty-Vertreterin dabei sein. Los geht’s um 19.30 Uhr in der Stadtbibliothek, der Eintritt ist frei.