Sepak Takraw: „Kick den Rattan“

Fußball, Volleyball und Badminton kennt jeder. Es gibt aber auch eine Sportart, die alle drei Disziplinen miteinander kombiniert: Sepak Takraw. Hierzulande kennt es kaum jemand. In Südostasien ist es Nationalsport. Die pflichtlektüre erklärt, was Takraw ist und wie es funktioniert.

Saltos und Fallrückzieher gehören beim Takraw dazu. Foto: Bastian Kaiser

Saltos und Fallrückzieher gehören beim Takraw dazu. Foto: Bastian Kaiser

Gunnar Vogt hat vor dreizehn Jahren angefangen, Takraw zu spielen. Mittlerweile leitet der 35-Jährige das Training an der Deutschen Sporthochschule Köln. Sechs Spieler sind heute zum Training gekommen – darunter auch Frauen wie Judith Souverein. Zusammen mit Gunnar Vogt stellt sie uns die „Faszination Takraw“ vor.

Schüsse im Sprung und aus der Drehung

Gespielt wird auf einem normalen Badmintonfeld. Es gibt drei Positionen: Der „Tekong“ steht zentral hinten, macht das Anspiel und nimmt die gegnerischen Angriffe an. Der „Feeder“ wirft den Ball beim Anspiel zu, bereitet den Angriff vor und spielt den Ball hoch. So hat der offensive „Striker“, der auch in martialischer Weise „Killer“ genannt wird, mehr Zeit seinen Schuss vorzubereiten. Er wirft sich in die Luft und bringt den Ball mit einer salto-ähnlichen Drehung ins gegnerische Feld.

Ein Punkt ist erzielt, wenn der gegnerische Schuss ins Aus oder ins Netz geht, oder der Gegner mehr als drei Berührungen macht. Anders als beim Volleyball darf ein Spieler allein die drei Berührungen machen, bevor er den Ball über das Netz spielt. Berührt der Ball im gegnerischen Feld den Boden, gibt es auch wie im Volleyball einen Punkt.

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Der Spielball: löchrig und hart

Traditionell besteht der Ball aus geflochtenem Rattan – ein Rohstoff, der aus Palmen gewonnen und häufig in Korbmöbeln verbaut wird. Heute wird bei der Herstellung Kunststoff verwendet, der dem Rattan nachempfunden ist. Das Rund wiegt zwar nur etwa 180 Gramm, ist dafür aber sehr hart.

„Deshalb tragen die meisten Spieler Stirnbänder“, sagt Gunnar Vogt, „sonst gibt es unschöne Abdrücke auf dem Kopf und tut weh.“ Der Takraw ist deutlich kleiner als ein Fußball und außerdem nicht mit Luft gefüllt, sondern durchlässig. Das macht es deutlich schwieriger, ihn mit dem Fuß zu kontrollieren.

In Südostasien vor mehr als 500 Jahren entstanden

Die Geschichte der Sportart geht zurück bis ins 15. Jahrhundert: In Thailand und Malaysia spielten sich die Einheimischen schon damals den geflochtenen Rattanball gegenseitig zu. Mit der britischen Kolonialisierung kamen dann die Badmintonfelder nach Südostasien. Doch viele Einheimische spielten darauf lieber mit dem bekannten Rattan- als mit dem fremden Federball.

Noch heute streiten sich Thailand und Malaysia darüber, wer die Sportart erfunden hat. Ein Kompromiss in diesem Konflikt ist der Name Sepak Takraw, erklärt Gunnar Vogt von der Deutschen Sporthochschule: „Das ist ein Wortgemisch aus Malaiisch und Thailändisch. Sepak heißt ‚kicken‘ auf Malaiisch, und Takraw ist der Ball auf Thai.“

 

Profi-Spieler und Sport-Akademien: Thailand ist die Takraw-Hochburg

„Wenn man in Malaysia in ein Dorf kommt, wird zu 100 Prozent Takraw gespielt und man kann mitmachen“, sagt Gunnar Vogt. Es wird in Hinterhöfen, auf Rasen oder auf richtigen Feldern gespielt – überall da, wo man ein Netz spannen kann und Platz ist. In Südostasien ist Takraw Volkssport.

In Thailand gibt es sogar richtige Akademien und eine Profi-Liga, in der die Spieler vom Sport leben können. „Thailand kann niemand Paroli bieten. Malaysia hat mittlerweile Nachwuchsprobleme, weil alle Kinder Fußball spielen wollen“, sagt Vogt. Jedes Länderspiel wird dort live übertragen. An Thaiboxen oder Fußball käme die Sportart von der Popularität her dennoch nicht mehr ran.

Takraw in Deutschland: „Leider nur wenige Zuschauer“

Hierzulande war Takraw nie mehr als eine Randsportart. Deutschlandweit haben gerade einmal sieben Mannschaften Sepak Takraw im Angebot – vor allem in Großstädten. So wird in NRW zum Beispiel nur in Köln gespielt. Einmal im Jahr steigt hier mit dem „Chicken’s Cup“ ein internationales Turnier.

„Leider kommen dazu immer nur sehr wenige Zuschauer“, sagt Takraw-Spielerin Judith Souverein. Sie war schon bei Europa- und Weltmeisterschaften dabei. Denn: Deutschland hat auch eine Nationalmannschaft. Viele Spieler stammen aus dem Kölner Hochschulsport. In Asien gilt die Mannschaft mittlerweile als ernst zu nehmender Gegner: „Da gucken auch viel mehr Leute zu.“

Wer kann Sepak Takraw spielen?

Wer selbst den geflochtenen Ball kicken will, sollte vor allem Eines mitbringen: Ballkontrolle. Weil der Ball sehr schnell übers Netz kommt, kann auch eine gute Antizipation von Vorteil sein. So kann man vorausahnen, wo der Ball hinkommen könnte.

Damit man ihn dann auch verarbeiten kann, wie man sich das vorstellt, sollte man auch beweglich und dehnbar sein. Darin liegt nach Ansicht von Judith Souverein auch der größte Unterschied zu den Asiaten: „Die essen im Sitzen, sind viel beweglicher und haben einen ganz anderen Körperbau. Das spielt schon eine Rolle.“ Diese Beweglichkeit sei also ein großer Vorteil.

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