Training mit Strom

Training mit Strom- klingt ein wenig komisch, ist aber eine Geschäftsidee, die mittlerweile auch in Dortmund immer erfolgreicher wird. Pflichtlektüre-Autorin Ildiko Holderer hat es mal im Selbstversuch ausprobiert und mit einem Experten über die Möglichkeiten und Grenzen dieses EMS-Trainings gesprochen.

Damit der Strom besser fließt, wird die Trainingskleidung vorher von Trainer Dennis mit Wasser eingesprüht. Fotos: Daniel Moßbrucker

Damit der Strom besser fließt, wird die Trainingskleidung vorher mit Wasser eingesprüht. Fotos: Daniel Moßbrucker

Ich fühle mich ein wenig wie ein Roboter – mit Elektroden an den Oberschenkeln, Armen, am Beckengurt und an einer speziellen Elektrodenweste. Und das kann auch noch jeder sehen, der am Dortmunder Bodystreet-Shop im Osten der Stadt vorbeiläuft.

Draußen steht ein großes Schild: „Warum ständig trainieren, wenn 20 Minuten locker reichen?“ Ob das mit den 20 Minuten stimmt, habe ich mich immer wieder beim Vorbeilaufen gefragt und probiere es deshalb jetzt selber aus. Zum Eingewöhnen gibt es erst einmal fünf Minuten lang Dauerimpulse des niederfrequenten Stroms. Ganz schön kribbelig fühlt sich das an, als ob man dauerhaft die Muskeln anspannen würde, aber weh tut es nicht.

Schummeln geht nicht

Der Trainer zeigt mir während der restlichen 15 Minuten Übungen, die ich „unter Strom“ nachahme. In die Hocke, Po raus, Arme zusammenpressen – ein wenig, wie beim „Bauch, Beine, Po“-Training, nur mit Elektrostimulation. Wenn es mal anstrengender wird, motiviert der Trainer mich, schummeln geht nicht.

Nicht, dass ich jemals wirklich intensives Krafttraining gemacht hätte – meine Sportarten sind eher Tanzen, Basketball, Joggen. Wirklich anders als nach einem zweistündigen Dance-Workout fühle ich mich hinterher aber nicht, eher so, als hätte ich ganz gut was getan. Der angekündigte Muskelkater bleibt auch aus- was natürlich auch daran liegen könnte, dass der Trainer mich ein wenig geschont hat.

Hoher Preis für straffen Körper?

Mit den Übungen werden fast alle Muskelbereiche trainiert.

Mit den Übungen werden fast alle Muskelbereiche trainiert.

Wie viel das genau kostet frage ich den Trainer – und bin ein wenig geplättet. Die Studiogebühr beträgt 39,99 Euro, im Jahresabo bezahlt man pro Sitzung 19,99 Euro drauf und im Halbjahresabo 24,99 Euro. Die Spezialkleidung wird entweder gestellt (4,99 Euro pro Nutzung) oder kann für 39,99 Euro erworben werden. Heißt also, für ein Jahresabo mit würde ich im Monat knapp 80 Euro bezahlen und für Studiogebühr und Trainingskleidung noch einmal knapp 80 Euro.

Was nun die Nachteile am EMS-Training seien, frage ich Dennis Horn, den Franchise-Nehmer der Bodystreet-Studios in Dortmund. „Dicke Muckis zu bekommen, wird schwer durch EMS und auch die Ausdauer wird nicht trainiert“, meint er. Wer allerdings seinen Körper straffen wolle und seine Muskeln in normalem Umfang stärken wolle, der sei hier richtig.

Mein erstes Fazit: Das Training macht Spaß, vor allem auch weil der Trainer für die Motivation sorgt. Und natürlich mein Eindruck, dass ich für die kurze Trainingsdauer echt was geschafft habe. Ob der Effekt jetzt wirklich höher ist als bei einem sechsstündigen Krafttraining und ob sich die hohen Preise auch wirklich bezahlt machen, bezweifele ich immer noch ein wenig.  Deshalb habe ich bei Ferdy Wissink nachgefragt, der als Physiotherapeut und Dozent arbeitet.

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