Das Ende der Glühbirne

Ihr Ende ist beschlossen. Der Tod folgt auf Raten. Die Glühbirne hat bereits 130 Jahre nach ihrer Erfindung ausgedient. Ab September 2009 wird sie aus den Warenregalen verbannt – Watt für Watt. Wir lassen die Ära der Glühbirne noch einmal kurz aufglimmen und beleuchten ihre zahlreichen Nachfolger genauer. Was ihr Euch demnächst am besten reinschraubt und wie ihr dabei spart…

Es ist ein Tod auf Raten - aber das Ende der kugeligen Glühlampe wie wir sie kennen ist bereits beschlossene Sache der EU. Foto: Weigt

Es ist ein Tod auf Raten - aber das Ende der kugeligen Glühlampe wie wir sie kennen ist bereits beschlossene Sache der EU. Foto: Franziska Weigt

Des Menschen Abnabelung von der Mutter Sonne begann 1879. Thomas Edison erfand die Glühbirne und läutete damit das Zeitalter der Unabhängigkeit vom Tageslicht ein. Doch schon 130 Jahre später endet jetzt die Ära der Glühbirne in der Europäischen Union (EU). Der Umwelt zuliebe sollen wir ab September 2009 auf ihr warmes Licht im Zimmer verzichten. Aber nicht nur dem Klima, auch der von der Stromrechnung gebeutelten Geldbörse soll das nutzen.

 Eine gute alte 100 Watt Glühbirne wie diese wird ab September 2009 nicht mehr im Laden verkauft. Foto: Weigt

Eine gute alte 100 Watt Glühbirne wie diese wird ab September 2009 nicht mehr im Laden verkauft. Foto: Franziska Weigt

Nicht alles ward Licht

Zunächst brachte Edisons Erfindung nur Vorteile: Der Tag verlängerte sich um mehrere Stunden. Fabriken konnten bis spät in die Nacht produzieren. In den Städten wurden die Straßen großflächig beleuchtet und dadurch sicherer. Nicht zu vergessen die Erfindung der Nachttischlampe! An die heute drohende Klimakatastrophe dachte damals natürlich niemand.

Dabei ist ein Problem der Glühbirne bereits seit ihrer Erfindung bekannt: Nur fünf Prozent der Energie wandelt sie in Licht um, 95 Prozent strahlt sie als Wärme ab. Eine ungeheure Energievergeudung, die sich heute niemand mehr leisten sollte – sowohl finanziell als auch umweltpolitisch. Den ersten Schritt machte Australiens Premierminister Kevin Rudd: Er unterschrieb 2007 für seine Nation als Vorletzter das Kyoto-Protokoll zur Reduzierung der klimaschädlichen Treibhausgase (die USA stehen noch aus). Zugleich kündigte er an, die Glühbirne bis 2010 in seinem Land abzuschaffen. Eine Idee, die Fidel Castro bereits 2005 wegen der ständigen Energieknappheit Kubas vorgeschlagen haben soll.

 Das warme Licht der Glühlampen ist bisher ihr größter emotionaler Vorteil im Kaufregal. Foto: Weigt

Das warme Licht der Glühlampen ist bisher ihr größter emotionaler Vorteil im Kaufregal. Foto: Franziska Weigt

Leuchtmittel-Sozialismus

Wer auch immer es erfunden hat, die EU ist dem australischen Beispiel gefolgt und hat das Ende der Glühbirne bis 2012 beschlossen, um Kohlendioxid (CO2) einzusparen. Das klimaschädliche CO2-Gas entsteht nicht etwa beim Leuchten der Glühbirne, sondern bei der Stromerzeugung. Denn werden Kohle und Gas verbrannt, so entsteht jede Menge CO2. Eine Ausnahme bildet die Energieerzeugung in Atomkraftwerken und mit Biobrennstoffen wie Holzpellets.

Also nicht die Glühbirne an sich ist ein Klimakiller, sondern ihre Verwendung so uneffektiv, dass sie verboten gehört. 95 Prozent der verbrauchten Energie werden nicht für Licht genutzt, auf Europa hochgerechnet könnten also Millionen Tonnen an Treibhausgasen gespart werden.

Sparpotential

Zum Vergleich: In einem Kohlekraftwerk entstehen circa 700 Gramm CO2 pro Kilowattstunde (kWh). Ein Kleinwagen hingegen erzeugt laut Naturefund durchschnittlich 160 Gramm pro gefahrenen Kilometer. Ersetzt man nur drei 60-Watt-Glühbirnen durch Energiesparlampen mit 11 Watt, spart man jährlich rund 100.000 Gramm CO2 ein.
„Ein Modellhaushalt mit vier Personen kann seine jährlichen Stromkosten halbieren, wenn er konsequent auf energieeffiziente Elektrogeräte setzt“, sagte Bundesumweltminister Sigmar Gabriel im Mai 2009 und verwies damit auf den Bericht der unabhängigen Stiftung Warentest (Ausgabe 01/2009), in dem errechnet wurde: „Schon der Austausch einer einzigen Glühbirne bringt richtig Geld: 177 Euro spart zum Beispiel die Philips G120 Soft White mit 20 Watt gegenüber einer herkömmlichen 100 Watt-Glühlampe – gerechnet auf 10.000 Brennstunden.“

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