„Unten ohne“ läuft es sich besser

Führung

Zehn Grad, die Sonne versteckt sich hinter dicken Wolken und der Wind pfeift unangenehm durch den Lippepark in Hamm. Burkhard Reinberg trifft sich hier mit einer Gruppe zum Wandern durch den Barfußpfad. Und tatsächlich, sowohl Reinberg als auch die anderen fünf Teilnehmer der Barfußwandergruppe ziehen sich die Schuhe aus. Burkhard Reinberg ist ehemaliger Polizeibeamter und nun quasi hauptberuflicher Barfußgeher. Über das Leben „unten ohne“ hat er ein Buch verfasst und bietet unter anderem Barfußspaziergänge- und Wanderungen über die BIGFoot-Gruppe Hamm an. 

BIGFoot-Gruppe

BIGFoot steht für „Barfuß Initiative gesunder Fuß“. Die Gruppe wurde im Jahr 2008 im Rahmen eines Ideenwettbewerbs von Burkhard Reinberg gegründet. Die BIGFoot war auch Initiator des Barfußpfades Hamm welcher im Jahr 2012 offiziell eingeweiht wurde. Bei der Planung von Barfußpfaden unterstützt Reinberg außerdem Städte und Gemeinden in ganz Deutschland. (http://www.barfuss-trend.de/index.htm).

Voll und ganz überzeugt, bei dem Wetter barfuß zu laufen, scheinen aber nicht alle Teilnehmer. Doch Burkhard Reinberg ermutigt: „Der Körper verliert die meiste Wärme über den Kopf, nicht über die Füße. Eine Mütze ist also wichtiger als Schuhe“, erklärt der 50-Jährige. Barfußgehen auf kühlem Untergrund mache auch nicht krank – solange man sich genügend bewege, stärke es das Immunsystem. Reinberg sei deshalb in den letzten Jahren auch nie länger krank gewesen. 

Mit der richtigen Gangart über jeden Untergrund

Über einen sandigen Weg betritt die Gruppe den Barfußpfad. Humus, Glasscherben oder Marmorplatten – in vier großen Kreisen sind auf dem Weg viele Felder mit unterschiedlichen Untergründen eingebaut. Reinberg geht vor, erklärt und veranschaulicht dabei, wie die Fußmuskulatur und die Zehen mit den Belägen arbeiten – und wie diese Funktionen durch Schuhe wegfallen. Am wichtigsten zu beachten beim Barfußgehen sei die Gangart über den Fußballen anstatt – wie in Schuhen üblich – über die Ferse. „Wenn wir über den Vorfuß gehen, ist das für den gesamten Körper sanfter, weil wir das eingebaute Dämpfungssystem benutzen – die Fuß- und Beinmuskulatur.“ 

Wie die Gangart die Gesundheit beeinflusst, hat Burkhard Reinberg am eigenen Körper erfahren. In der Zeit vor der Polizei hat er als Zeitsoldat gedient und dort mit starken Rückenbeschwerden zu kämpfen. Als Therapie hat ein Militär-Arzt ihm damals das regelmäßige Barfußgehen in der Natur empfohlen, wodurch die Rückenschmerzen nach und nach verschwanden. Nach der Bundeswehrzeit wechselte er dann zur Polizei. Den aktiven Polizeidienst  musste Burkhard Reinberg aber dann nach 20 Jahren unter anderem aufgrund von Knieproblemen aufgeben. Die gewonnenen Erkenntnisse über den eigenen Körper und besonders die Füße hätten ihn dann motiviert, das Barfußgehen bekannter zu machen.

Barfußgehen fällt nur mit der falschen Mentalität auf

Im Wald barfuß zu laufen ist für Burkhard Reinberg angenehmer, als in der Stadt.

Im Wald barfuß zu laufen ist für Burkhard Reinberg angenehmer, als in der Stadt.

Ein Beispiel des Einflusses der Füße auf den gesamten Körper zeigt Reinberg auch der Gruppe auf dem Barfußpfad. Beim Gang über unterschiedliche Arten von Steinen erklärt er: „Hier werden besonders die Reflexzonen und die Feinsensorik der Füße angesprochen. Eine Massage dieser Zonen an der Unterseite des Fußes baut zum Beispiel nachweislich Stress ab und hilft auch gegen Kopf- und Rückenschmerzen.  

Zurück zum Barfußpfad, zurück zu den Füßen. Beziehungsweise dem Kopf. Denn der körperliche Aspekt des Barfußgehens ist das eine – der psychische das andere, erklärt Burkhard Reinberg den Teilnehmern: „Barfuß zu gehen benötigt Überwindung, Selbstbewusstsein und Mut. Wenn ich barfuß laufe, dann bemerkt es fast niemand. Man fällt nur auf, wenn man sich unsicher verhält, weil einem Barfußgehen in der Öffentlichkeit unangenehm ist.“

Burkhard Reinberg selber hat kein Problem damit, zum Beispiel in der Stadt ohne Schuhe zu laufen. „Manchmal passt es aber einfach nicht, barfuß zu sein“, weiß er selbst. Wenn es im Winter zu kalt ist oder er ins Restaurant geht, dann zieht er sogenannte Minimalschuhe an: Keine eingebaute Dämpfung oder Stabilisierung, bei geringem Gewicht – mit den Schuhen fühlt es sich an, als würde man Barfußgehen. Zudem wird die Funktionalität der Füße nicht eingeschränkt sondern trainiert.

Barfuß besser drauf

Barfußgehen, für Burkhard Reinberg ist dies ein Gefühl von Freiheit und Entspannung. „Unten ohne“ nimmt er die Welt ganz anders wahr, kann laut eigenen Aussagen besser abschalten. Stress spürt er in seinem Alltag nur selten, ganz anders als viele andere Leute.

Auch deshalb bietet Burkhard Reinberg nicht nur das Barfußgehen an, sondern gibt auch Kurse im Intuitiven Bogenschießen als Burnout-Prävention. Barfuß Bogenschießen, das mag anfangs merkwürdig klingen, habe aber eine große Wirkung auf den Körper. „Dabei geht es nicht darum, genau zu treffen, sondern um die Metaphorik. Beim Bogenschießen wie im normalen Leben funktioniert nichts ohne Anspannung, man muss aber auch loslassen und entspannen können – und das schaffen Viele heutzutage nicht mehr“, erklärt der 50-jährige Barfußgeher.

Teaser-/Beitragsbilder: privat/Burkhard Reinberg

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