Kellnern? Nachhilfe? FIFA!

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Einen Job, um sich das Studium zu finanzieren oder einfach nur Geld zu verdienen, das haben viele Studenten. Auch Till M. arbeitet neben seinem Informatikstudium an der TU Dortmund. Aber er kellnert nicht, arbeitet in einem Lager oder gibt Nachhilfe – sein Nebenjob dreht sich rund um das Videospiel FIFA. Der 19-Jährige aus Waltrop ist Mitarbeiter und YouTuber bei „bPartGaming“.

Was ist bPartGaming?

bPartGaming ist eine Firma mit einem sechsköpfigen Team aus Redakteuren und leidenschaftlichen FIFA-Spielern. Neben Videos auf ihrem YouTube Kanal mit rund 70.000 Abonnenten produzieren die Mitarbeiter journalistische Artikel zu FIFA, kommentieren Liveevents, helfen Unternehmen beim Aufbau von eSport und vieles mehr. Außerdem hat die Firma ihr eigenes eSport-Team, in dem unter anderem der ehemalige deutsche Meister spielt.

Begonnen hat Till, der seinen Nachnamen lieber nicht nennen möchte, seine „FIFA-Karriere“ mit 16 Jahren. „Bei FIFA 12 habe ich angefangen zu skillen. Das bedeutet möglichst schöne Tore zu schießen, egal ob ich am Ende das Spiel gewinne oder nicht. Mit einem Kumpel habe ich mir dann zusammen eine Capture Card geholt, mit der das Bild und der Ton des Videospiels auf dem Computer gespeichert werden kann. Die schönsten Tore habe ich am PC bearbeitet und auf meinem eigenen kleinen YouTube-Kanal hochgeladen“, erzählt Till. Mit seinen sogenannten „Compilations“ hat er dann unter anderem bei einem Skill-Wettbewerb auf YouTube mitgemacht. Auf seine schönen Tore und das gute Editing der Videos ist bPartGaming aufmerksam geworden und hat Till 2013 mit in ihr Team geholt. 

Für bPartGaming produziert Till ein bis zwei Videos in der Woche, gestaltet die Vorschaubilder für alle YouTube Videos des Kanals, schreibt Artikel oder dreht Videos für Red Bull und wird extern zum Schneiden von Videos gebucht. „Ich finde den Bereich Video- und Bildbearbeitung sowie Postproduction sehr interessant. Ich kann dabei sehr kreativ etwas gestalten und versuche stetig besser zu werden und mir neue Fertigkeiten anzueignen“, sagt Till. Die Freude an seiner Arbeit wird dabei manchmal nur von dem Spiel an sich getrübt: 

Die Tätigkeit rund um FIFA habe mit seinem Studium thematisch und vom Produktionsprozess her fast nichts gemeinsam. Er habe sich sowieso relativ spontan für das Studienfach Informatik entschieden. „Ich hatte Info nicht in der Schule, fand aber Logik und Algorithmen immer interessant. In der Pause nach dem Abi, in der man sich entscheiden muss, habe ich gedacht ich probiere Informatik mal aus, weil es sowieso NC-frei war. Wenn man das Studium abschließen kann, ist das eine ganz gute Bank. Und mit den Erfahrungen aus der Arbeit für bPartGaming habe ich ein zweites ‚Paket‘, das ich liefern kann.“

Bisher laufe es im Studium so gut, dass es kein Problem sei, Lernen, Nebenjob FIFA und Freizeit zu vereinbaren. In seiner Freizeit spielt Till Basketball in der Oberliga, ist Skilehrer und pokert gerne. „Ich gehe dafür zu nicht so vielen Vorlesungen“, begründet er seine vielen Hobbys lachend. „Aber die Klausuren schaffe ich bisher trotzdem noch“, sagt er schmunzelnd.

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Mikrofon, Fernseher und Computer gehören zu Tills Setup.

FIFA und YouTube ist für Till mehr als nur ein Nebenjob. Natürlich werde seine Arbeit bezahlt, aber gerade bei YouTube sei es viel weniger, als die meisten Leute denken würden. Für den 19-Jährigen ist etwas anderes entscheidend: „Erstmal macht mir FIFA an sich, darüber Videos zu drehen und zu schreiben, total viel Spaß. Außerdem sammle ich bei bPartGaming viele Erfahrungen. Durch die Videos gewinne ich Sicherheit, kannselbstbewusst und souverän auftreten und ohne Probleme frei Sprechen. Videos auf Englisch für unseren internationalen Kanal zu drehen war eine große Herausforderung, habe aber die Sprache stark verbessert“, sagt Till

Im internationalen und deutschlandweiten Vergleich der YouTuber haben die Videos von Till und bPartGaming mit 5.000-10.000 Klicks im Schnitt relativ wenige Aufrufe. Erkannt wird Till auf der Straße und in der Uni deshalb auch nur selten. Das finde er auch nicht schlimm: „Ich bin nicht so extrovertiert und will, dass alle erfahren, dass ich YouTube mache. Zumal ich mich nicht als der YouTuber, sondern als jemand sehe, der gerne Leute unterhält und sich für Schnittprogramme interessiert“, sagt Till. Deshalb habe er auch seinen Kommilitonen nichts von seinem ungewöhnlichen Nebenjob erzählt. Eine lustige Geschichte ist trotzdem entstanden:

Die geringen Klickzahlen seiner Videos kann Till zum Teil nachvollziehen: „Unser Konzept sind seriöse und zum Teil analysierende Videos, die von 10 Minuten bis zu einer halben Stunde und im Extremfall auch eine Stunde dauern können. Damit sprechen wir eine für YouTube recht alte Zielgruppe an“, erklärt Till. Dadurch, dass aber gerade jüngere Jugendliche viel auf YouTube unterwegs seien und der Trend zu kurzweiligen Videos ginge, hätten andere FIFA-Kanäle einen großen Vorsprung. „Schade finde ich es irgendwie schon, dass sich nicht mehr Menschen meine Videos angucken. Aber ich produziere so, wie mir es gefällt, wie ich mir Videos angucken würde, und verstelle mich nicht dabei“, kommentiert Till.

Wie seine Zukunft aussieht, darüber ist sich Till schon im Klaren: „Ich möchte erst mal den Bachelor in Informatik schaffen und dann ins Ausland, vielleicht eine Asienreise machen. Danach möchte ich ausprobieren, wie es ist, wenn ich mal ein halbes Jahr nur bPartGaming mache. Erfahren, ob es sich finanziell lohnt, ob ich meine Fähigkeiten erweitern kann und ob es wirklich mein Ding ist. Wenn meine Aussichten gut sind, kann ich mir vorstellen, bPartGaming hauptberuflich zu machen.“ Der 19-Jährige findet es auch reizvoll, einen Master in Informatik zu machen. Aber das sei eher der Back-up-Plan.

Die sechs Mitarbeter von bPartGaming.

Die sechs Mitarbeter von bPartGaming.

Bilder: privat

1 Comment

  • Tim sagt:

    Hallihallo,

    sehr cooler Job! Ich habe damals im Bachelor Bücher gescannt oder für meine Chefs Citavi und Endnote gemanaged – FIFA hatte ich leider nicht so auf dem Schirm. Also zu hause dann schon und zum Teil auch sehr ausufernd, aber nicht als Einnahmequelle! 😀

    Ich finde den Ansatz mit den ausführlicheren Videos ganz gut und denke, dass man sich dadurch schön von den anderen Kanälen abheben kann. Wenn das noch stärker als USP platziert und das Profil dadurch geschärft wird, steigen vielleicht auch die Klickzahlen.

    Viele Grüße
    Tim

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