Das Duell: Sind Veganer (nur) cool?

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Ihr Fleisch? Tofu. Ihre Handcreme? Ohne Tierversuche. Veganer wollen der Umwelt und sich selbst guttun, indem sie ohne Tierprodukte leben. Eigentlich kann man also nichts gegen sie haben. Oder machen sich Veganer eigentlich nur was vor und folgen einem unbegründeten Hype? 

Veganer haben gute Gründe
findet Vanessa Reske

Nein, Veganismus ist mehr als nur ein Trend. Klar, zuerst war ich auch skeptisch, denn seit zwei Jahren geht es in meinem Umkreis nur noch um das Thema Massentierhaltung, Fleischverzicht und gesundes Leben. In meinem Studiengang sind mehr als die Hälfte Vegetarier und mein Mitbewohner lebt vegan. Ein Trend? Nein! Mein Mitbewohner ist seit fünf Jahren überzeugter Veganer. Und er hat mir direkt mal erklärt, worum es eigentlich geht:

Die „Vegan Society“ besteht seit mehr als 60 Jahren und ist nicht nur eine Bewegung gegen das Abschlachten von Tieren. Veganer versuchen, mit ihrer Ernährungsform Umweltprobleme zu lösen und profitieren dabei auch von einem geringeren Risiko für verschiedene Krankheiten. 

Tierschutz aus Eigennutz

Die Argumente der “Vegan Society” sind also durchaus fundiert begründet. Ein Beispiel: Nur wer auf Eier und Milch verzichtet, kann von sich behaupten, inakzeptable Mechanismen der Massentierhaltung zu boykottieren. Das klingt nicht nur gut, sondern ist auch wirklich wichtig. Denn bei der Produktion von Eiern werden Küken, die gerade mal einen Tag alt sind, maschinell getötet. Und wenn eine Milchkuh keine Milch mehr gibt, blüht ihr das Gleiche.

Also doch nur Tierschutz? Nein! Veganer sehen ihre Ernährungsform als gesünder an. Und das belegen auch verschiedene Langzeitstudien: Durch den Verzicht auf tierische Eiweiße sinkt das Risiko für Diabetes Typ 2 und Bluthochdruck. Und:  Jeder Veganer spart durch seine Ernährung fast die Hälfte seiner persönlichen CO2-Emmissionen.

Kein Trend – überzeugende Argumente

All diese Ziele, zum Beispiel zum Klimaschutz, bestehen seit Mitte der 90er-Jahre. Und Veganer und Vegetarier tragen dazu bei, sie zu erreichen. Durch Berichte in den Medien und Protestbewegungen gegen Massentierhaltung findet der Veganismus seither Zuwachs. Man sieht es ja an meinen Kommilitonen und meinem Mitbewohner.

Meine anfangs kritische Haltung dem Thema gegenüber hat sich durch diese überzeugenden Argumente dann auch schnell geändert: Wer vegan lebt, hat sich mit den Auswirkungen seiner Ernährungseinschränkung auseinandergesetzt. Und für die Mehrheit gilt: Veganismus hängt mit ethischen, religiösen oder gesundheitlichen Überzeugungen zusammen und nicht damit, irgendeinem Trend hinterher zu laufen.

Veganer schwimmen mit dem Trend
findet Judith Koch

Ich habe mal mit einer Veganerin zusammengewohnt, dich mich regelmäßig mit Veganer-Broschüren versorgt hat. Am Küchentisch hat sie mir einmal erklärt, wie verrückt es sei, dass Menschen als einzige Säugetiere auf diesem Planeten noch über das Säuglingsalter hinaus Tiermilch trinken. Ich habe nichts gegen Veganer. Solange sie ihren Lebensstil nicht mit quasi dogmatischer Überzeugung vertreten.

Soja kann auch böse sein

Wieso hält sich der Vegan-Trend überhaupt schon so lange, obwohl die Ernährung ohne tierische Proteine eine ganze Palette an Ergänzungsprodukten nötig macht? Viele Veganer behaupten, dass sie sich seit ihrem Ernährungswandel besser fühlen. Liegt das an ihrem Gefühl, Tag für Tag etwas Gutes zu tun? Das mag sein. Aber nicht jedes Soja-Produkt ist ökologisch unbedenklich. Denn auch für einige Sorten Sojanahrung wird der südamerikanische Regenwald gerodet und das Soja per Flugzeugtransport um den halben Globus transportiert. 

Der vegane Markt boomt

Veganismus ist in den letzten Jahren zu einer richtigen Lifestyle-Industrie geworden. Mittlerweile leben rund 900.000 Veganer in Deutschland. Und nicht nur das Essen ist vegan: Vegane Kerzen und vegane Kosmetik stehen im Öko-Supermarkt neben Sojamilch und Tofu-Cabanossi. 

Das freut den Erfinder der bisher einzigen veganen Supermarktkette Veganz. Neben veganen Lebensmitteln gibt es in Veganz-Filialen vegane Bäcker, Räume für vegane Restaurants und vegane Bekleidungsläden. Eine echte Einkaufsoase. Die Produkte sind teuer, doch die Kundschaft scheint das nicht zu stören. Übrigens: In dem hippen Veganer-Einkaufsparadies kaufen mehrheitlich Fleischfresser ein.

Tofu für Mitläufer

Die Annahme, dass der Vegan-Trend ausschließlich mit einem wundersamen ökologischen Bewusstseinswandel zu tun hat, halte ich für zu einfach. Veganes Leben – und damit der landläufigen Meinung nach auch gesundes Leben – ist in. Und die Wirtschaft hat ihren Anteil daran. “Vegan ist sozusagen über Nacht richtig cool geworden“, schreibt der Vegan-Koch Attila Hildmann in seinem Kochbuch “Vegan to go“. Und macht damit natürlich auch keine Eigenwerbung.

Veganismus ist offenbar ansteckend

Vielleicht wissen Veganer also, dass sie einem Trend aufsitzen. Sicher gibt es auch Veganer, die tatsächlich aus ethischer Überzeugung handeln. Angesichts des Hypes und der “Coolness“, die mitschwingt, will ich aber nicht glauben, dass das für alle Veganer gilt. So lange Veganer aber mit sich selbst zufrieden und gesund sind und die Welt ein Stückchen besser machen, dürfen sie meinetwegen auch weiterhin so „trendy“ bleiben.

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Foto: stockxchng/bizior, S. Hofschlaeger/pixelio.de, Montage: Brinkmann/Schweigmann 
Teaserfoto: Jörg Brinckheger / pixelio.de

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