Make FC Bayern Great Again!

breitmaulfrosch-christianDie Moral ist tot, es lebe der König! Steuersünder Uli Hoeneß ist seit dem 25. November wieder Präsident „seines“ FC Bayern München. Die Anhänger lieben ihn trotz seines Verbrechens. Im Königreich an der Säbener Straße herrscht noch nie da gewesener Personenkult. „Geht’s noch?“, fragt sich der Breitmaulfrosch.

Nach 22 Uhr schreitet der Münchner Monarch am Freitagabend ans Redepult im Audi Dome. Hoeneß ist bei der Jahreshauptversammlung am 25. November erneut zum FCB-Präsidenten gewählt worden. Einen Gegenkandidaten, der die perfekte Selbstbeweihräucherung hätte stören können, gab es natürlich nicht. Der Steuererklärungs-Profi holte 98 Prozent der Stimmen. Achtundneunzig Prozent! Auf einem Friedhof irgendwo in Chile zieht Erich Honecker in diesem Moment angesichts der Zahlen anerkennend seinen Hut. Das wäre selbst der SED zu blöd gewesen.

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Hoeneß hinterzog mindestens 28,5 Millionen Euro an Steuergeldern. Quelle: flickr.com/m.p.3. unter Verwendung der Creative Commons Lizenz.

Mit der Inszenierung ist es an diesem Abend lange noch nicht vorbei. Zwei Faktoren hätten eine Rolle gespielt, damit Hoeneß wieder an der Spitze des Klubs stehen dürfe, sagt er: seine Familie und die Familie des FC Bayern. Andere Gründe hat der Mann mit dem roten Kopf sicherlich einfach nur vor Aufregung vergessen.

Da wäre unter anderem das deutsche Rechtssystem, das für Promis eine Ausnahme macht. Da wäre das Fünf-Sterne-Wellness-Resort „JVA Landsberg“, das Hoeneß einen unfreiwilligen, aber doch sehr angenehmen Urlaub vom stressigen Fußballalltag beschert hat. Und da wäre die Tatsache, dass Uhrenschmuggler Kalle „Rolex“ Rummenigge und Karl Hopfner im Versuch, Hoeneß zu ersetzen, maximal eine schlechte Parodie des Wut-Präsidenten waren.

St. Uli von München

Mit Uli Hoeneß kehrt jetzt ein Mensch in den Fußball zurück, der sich immer als Moralapostel inszeniert hat. „Kriminelle haben im Fußball nichts zu suchen“, sagte der FCB-Fürst einst über Christoph Daum, als dieser im Verdacht gestanden hatte, Kokain zu konsumieren. Es folgte ein medialer Spießrutenlauf und Daum, Trainer des größten Bayern-Konkurrenten Bayer Leverkusen, konnte sich den Job als Bundestrainer abschminken. Jetzt ist Hoeneß selbst hochgradig kriminell geworden. Zu stören scheint es niemanden. Seine Anhänger, die für ein paar Euro in der Südkurve stehen dürfen, haben ihrem König natürlich längst alles verziehen. St. Uli habe ja einst durch eine Millionenspritze den beinahen Insolvenzklub Borussia Dortmund oder den FC St. Pauli gerettet – wofür der Barmherzige immer noch gefeiert wird. Letztendlich war der bajuwarische Zuschuss nur ein Tropfen auf dem glühend-heißen Dortmunder Schuldenstein. Viel wichtiger war es für Hoeneß, ein politisches Druckmittel beim Erzrivalen zu platzieren, das bei Veröffentlichung die gesamte BVB-Führung bloß stellen würde.

Zurück im Geschäft

Hoeneß ist skrupellos, ein Machtmensch, ein Politiker. Moral und der FC Bayern sind weiter entfernt als der Hamburger SV von der Meisterschaft oder die SPD von einer seriös geführten Partei. Den Nordösterreichern ist das egal. Der Volksheld ist zurück. Er versteht die Sorgen des kleinen Mannes, ist einer von ihnen, nur mit ein paar mehr Millionen auf dem Konto. Ganz ehrlich: Steuern bezahlen ist was für Loser. Cristiano Ronaldo gefällt das. Viel wichtiger ist doch, dass im Süden die h.u.s.-Monarchie wieder auflebt: Hoeneß und Seehofer. Das riecht nach Weißbier, Lederhosen und einer gehörigen Portion Selbstüberschätzung. München ist wieder was auf der Fußball-Landkarte. Sportlich waren es das ja die ganze Zeit. Nun fliegen aber auch endlich wieder Giftpfeile durch Deutschland. Endlich wieder Sticheleien gegen Dortmund, 1860 München („Vielleicht baut Trump ein neues 1860-Stadion!“) Leipzig (völlig zu Recht übrigens) oder gegen die korrupten Fußballverbände. Und jetzt soll auch noch Kronprinz Fipsi Lahm per Schülerpraktikum in den Sommerferien an den Posten des Sportdirektors herangeführt werden. Breno ist für die Idee übrigens Feuer und Flamme. Ja Himme, Oarsch und Woiknbruch!

Stimmung in der Bude

In die Bundesliga-Bude kommt durch die Rückkehr des Königs wenigstens ein bisschen Stimmung. Vielleicht schreiben die großen Lyriker unserer Zeit ja irgendwann Gedichte über die Thronbesteigung an der Säbener Straße. Angelehnt an ein aktuelles Erfolgsgedicht könnte es heißen: Sackdoof, feige und verklemmt – ist Hoeneß der Präsident. Moment, war das jetzt Majestätsbeleidigung? Dann ruft schnell auf Twitter #freebreitmaulfrosch ins Leben!

In den Boulevardzeitungen können endlich wieder die Hoeneß-Themen ausgeschlachtet werden. Schlechte Wortwitze über seine weiteren Geschäfte sollte man sich an dieser Stelle schenken. Im Rest der Republik ist Uli Hoeneß auf einer Sympathieskala irgendwo zwischen Timo Werner, Lewis Hamilton und einer flächendeckenden Steuererhöhung. Aber who cares? In einer Fußballwelt, in der ein Energydrink-Hersteller auf die Herbstmeisterschaft zusteuert und der HSV immer noch Bundesliga spielen darf, ist sowieso jegliche Hoffnung auf Gerechtigkeit verloren. Dann können wir den Lederhosen-Messias auch wieder wirken lassen. Also: Welcome back Uli and make FC Bayern great again!