Zwei Stunden … Zocken: Ist Dark Souls III wirklich so schwer?

Dicke Bücher belasten den Rücken, im Kino zahlt man für Überlänge drauf. Zeit ist Geld – im wahrsten Sinne. Wofür also die knappe Freizeit verwenden? Wir lesen, spielen und schauen für euch – nach zwei Stunden hören wir auf. Entweder, weil wir fertig sind oder weil die Zeit um ist. Heute spielen wir das Computerspiel Dark Souls III, ein Fantasy-Mittelalter-Rollenspiel, das dafür bekannt ist, wirklich schwierig zu sein. Der Wecker ist gestellt, los geht’s:

Schnell einen Charakter erstellen und los geht’s. Ich spiele einen Pyromanten, eine Art Feuermagier. Dieser kann nicht nur im Nahkampf, sondern auch mit Feuerbällen auf Entfernung angreifen. Ich spiele mit Controller. Das Tutorial zu Beginn von Dark Souls III fängt eigentlich ganz entspannt an: Hier und da erscheinen ein paar schwarz verhüllte Skelette, die bekämpft und besiegt werden müssen. Das Ganze spielt sich in einer – wie in den vorherigen beiden Teilen auch schon – trostlos düsteren Welt ab. Ein paar Nachrichten leuchten auf dem Weg auf und erklären mir die Steuerung. Ich folge einem Fluss und komme schnell zum ersten Leuchtfeuer. An den Feuern kann in dieser Spielreihe der bisherige Spielfortschritt gespeichert werden. Die Welt, in der ich mich befinde, ist grau und hoffnungslos. Einsam und ziellos streift mein Charakter an kahlen Felswänden entlang und versucht, zu überleben und die dunkle Welt weiter zu erkunden.  

Schnelldurchlauf

Düstere Welt: Schwere Holztüren führen in den nächsten Bereich des Spiels. Foto: flickr.com/Kputt mit CC Lizenz

Ich laufe den Bergweg hinter dem Feuer hinunter. Dann stehe ich vor einem Torbogen und blicke die sich dahinter erstreckende Treppe hinab. Hinter den Stufen breitet sich ein kreisrunder Platz aus. Nichts greift mich an, ich höre nichts klirren, kein Atmen: Es ist ruhig. Nur die Statue eines großen Ritters auf einem Podest in der Mitte des Platzes fällt mir auf. Ich bewege mich langsam auf sie zu und schaue sie mir genauer an. Dem Ritter steckt ein Schwert in der Brust. Man kann es raus ziehen. Dann mache ich das mal … und plötzlich bin ich tot! Die Statue hatte sich urplötzlich erhoben und schlug mir mit zwei aufeinanderfolgenden Schwertschlägen sämtliche Lebenspunkte weg. Ich hole tief Luft und starte ab dem letzten Leuchtfeuer von vorn. Und noch einmal … und noch einmal… bis ich es tatsächlich schaffe, der Blecheimer-Statue mit Axt und meinem Feuerball die Hälfte seiner eigenen Lebenspunkte wegzuschlagen.  

Der richtige „Spaß“ an diesem Gegner fängt erst an, wenn er die Hälfte seiner Lebenspunkte verloren hat. Dann wächst ihm nämlich ein schwarzes Schlamm-Schlangen-Monster mit leuchtend roten Augen aus dem Rücken. Dieses Monster macht sich einen Spaß daraus, auf meinem armen Charakter herumzuspringen, ihn ins Maul zu nehmen oder mit seinem Schwanz zu Brei zu schlagen. Ich fluche schon wieder, viel und laut. „Meine armen Nachbarn“, denke ich. Nachdem ich den Entschluss gefasst habe, meinen Controller nicht wutentbrannt gegen die Zimmerwand zu schmettern, versuche ich es aber wieder. Und wieder … und wieder.

Es kommt mir so vor, als spiele ich schon seit vielen Stunden, als ich es schließlich mit vielen Ausweichmanövern und Feuerattacken schaffe, den verhassten Feind zu schlagen. Sehr erschöpft aber doch zufrieden über den mit vielen Nerven teuer bezahlten Sieg, wage ich ein Blick auf die Uhr: Ich spielte schon seit knapp einer Stunde – und ich habe nur beschwerlich das Tutorial auf die Reihe bekommen. Ich atme noch einmal tief ein und lasse meinen halb toten Charakter die massive Holz-Doppeltür vor mir öffnen und verlasse den Tutorialbereich des Spiels. 

Kurzweilig

Dark Souls III wird zweifelsfrei seinem Ruf gerecht: Es ist nervenaufreibend, anstrengend und bringt mich oft an die Grenzen meiner Geduld. Aber meistert man einen Kampf, dann ist das Gefühl von Zufriedenheit auch entsprechend groß. Und ich gestehe, so sehr ich auch fluchte und so viel ich mich auch ärgerte, es fiel mir schwer, den Controller aus der Hand zu legen. Zu dringlich ist der Wunsch, die Gegner, an denen ich immer wieder scheiterte, doch noch zu besiegen. Das Spiel ist sehr atmosphärisch, alles ist grau und trist und die Welt wirkt stets bedrohlich und unbehaglich. Während des Spiels ist es eine absolute Unmöglichkeit, die Augen von dem Bildschirm zu entfernen – hinter jeder Ecke könnte schließlich ein neues Ungetüm hervorspringen! 

Düstere Gestalten: Die Untoten in Dark Souls. Foto: flickr.com/Natty Dread mit CC Lizenz

Langatmig

Es ist nicht leicht, das Spiel zu kritisieren. Jeder, der dazu neigt, schnell von häufigem Scheitern frustriert zu sein, sollte Dark Souls lieber meiden. Mir war bekannt, dass das Spiel als sehr schwer gilt und deshalb wusste ich, worauf ich mich einlasse. Ich hatte schon vorher erwartet, während der zwei Stunden mehrfach in roten Buchstaben „DU BIST GESTORBEN“ auf dem Bildschirm zu lesen. Ich war also gar nicht überrascht. Trotzdem: Zwei Stunden am Stück ständig umgehauen zu werden, ist nicht so angenehm. Grade nachdem der Endgegner im Tutorial endlich besiegt war, hätte ich mir auch gut eine Pause und ein weniger anstrengendes Spiel gewünscht. Eines, bei dem der Spieler hin und wieder auch das Gefühl haben darf, dass seine Heldentaten wertgeschätzt werden, wie beispielsweise in dem Spiel in Borderlands, bei dem man zur „Belohnung“ ständig neue Waffen zur Verteidigung gegen Gegner findet.

Zeit um

Ich fühle mich gerädert. Hinter jeder Ecke lauert bei Dark Souls eine neue Gemeinheit. Nach den zwei Stunden fällt es mir daher bemerkenswert leicht, den Controller erst einmal wegzulegen. Allerdings hält das nicht allzu lange an. Das Spiel ist nämlich grafisch sehr ansprechend und zieht einen schnell in seinen Bann. Der Spieler verliert sich in der trostlosen Welt. Dark Souls ist anspruchsvoll, die Erfolgserlebnisse daher umso schöner. Ich werde auf jeden Fall weiter spielen. 

Der dritte Teil von Dark Souls kostet auf der Onlinespieleplattform „Steam“ zurzeit um die 60 Euro. Die ersten beiden Teile muss man nicht kennen, um den Dritten spielen zu können. Dark Souls III ist ab 16 Jahren freigegeben und neben dem PC auch für die Playstation 4 und X-Box One verfügbar. 

 

Beitragsbild: Lilith Teusch