Der beste TatORT im Ruhrgebiet

Ob Bochum, Dortmund, Essen oder Duisburg, sie alle wollen ihn haben – den „Tatort“. Seit Intendantin Monika Piel bekannt gab, dass der WDR an einem Konzept für einen neuen Tatort im Ruhrgebiet arbeitet, gingen so manche Finger in die Höhe. Während der WDR sich mit der Entscheidung noch ein bisschen Zeit lässt, wissen die Verantwortlichen in den Städten bereits genau, warum der Tatort zu ihnen kommen soll.

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Der WDR arbeitet an einem Konzept für einen "Tatort" im Ruhrgebiet. Welche Stadt wird das Rennen machen? Bild: ARD/SF DRS/ORF

Essens Oberbürgermeister Reinhard Paß hat als einziger in einem Brief an den WDR für „seine“ Stadt geworben. „Als wir hörten, dass der WDR einen neuen Tatort im Ruhrgebiet plant, dachten wir, dass schön wäre, wenn der von hier spielt. Wir hatten ja schon einmal 20 Tatort-Folgen aus Essen“, erklärt Pressesprecher Detlef Feige. Kurz darauf kam die Antwort vom WDR per Post. Der Programmdirektor habe sich darin für das Interesse der Stadt Essen bedankt und um Verständnis gebeten, dass er weiter keine Auskünfte geben dürfe, sagt Feige.

Die Stadt Duisburg war ebenfalls über viele Jahre Tatort-Heimat. Der Duisburger Ermittler „Schimanski“ bekam sogar eine eigene Sendung. Daher habe es über die Jahre immer wieder Gespräche mit dem WDR gegeben, in denen die Zusammenarbeit gewürdigt wurde, erzählt Josip Sosic, Sprecher des Oberbürgermeisters der Stadt Duisburg. „Es ist klar, dass wir das gerne fortsetzen möchten“. Seiner Meinung nach qualifiziert sich die Stadt als Drehort für den beliebten Krimi, da sie lebendig, vielschichtig und in jeglicher Hinsicht ein interessanter Schauplatz für eine Krimiserie sei. Der Kollege aus Essen gibt sich noch ehrgeiziger: „Wir würden alles tun, um das Projekt Tatort logistisch zu unterstützen. Essen hat sich außerdem seit dem letzten Tatort positiv gewandelt und bietet eine spannende Kulisse mit offenen Menschen.“

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Ein Klassiker aus Duisburg: Götz George (l.) alias "Schimanski" hier mit Ulrich Matschoss alias Kriminaloberrat Königsberg. Bild: WDR

„Tatort“ kommt einer Ehre gleich

Die Stadt Bochum kann sich ebenso vorstellen, neue Tatort-Heimat zu werden. Wie Kulturdezernent Michael Townsend erklärt, würde man sich dort aber genauso freuen, wenn es einen Tatort für das gesamte Ruhrgebiet gäbe, an dem Bochum teilhat. Wie die Verantwortlichen in Duisburg haben die Bochumer auf eine Bewerbung beim WDR verzichtet. „Man macht sich eher lächerlich, wenn man sich bewirbt. Das ist eine Ehre und da wartet man, bis sie kommt“, sagt Townsend. Doch auch er hat Argumente für „seine“ Stadt: „Bochum – das ist typisches Ruhrgebiet, mit großartigen Locations, einer langen Schauspieltradition und einer Menge Lokalcolorit.“

Zurückhaltender äußert sich Dortmunds Pressesprecher Udo Bullerdieck. Dieser wünscht sich den Tatort zwar ebenfalls, hält sich aus der Diskussion jedoch ganz raus: „Wir möchten das Auswahlverfahren, das gerade beim WDR läuft, nicht beeinflussen oder in irgendeiner Weise belasten. Daher möchten wir uns zu dem Thema nicht äußern, auch wenn wir das Interesse der Medien verstehen können.“

Kein offizielles Bewerbungsverfahren

Barbara Feiereis vom WDR betont indes, dass es gar kein offizielles Bewerbungsverfahren gebe und deshalb nicht von Bewerbungen seitens der Städte die Rede sein könne. Welche Ruhrgebiets-Stadt das Rennen am Ende machen wird, ist noch völlig offen. Bislang ist nur die Region umrissen – das Ruhrgebiet.

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Vielleicht bald auf Spurensuche in Essen oder Bochum? Armin Rohde (r.) hier als Biker Kulle im Kölner Tatort. Bild: WDR/Uwe Stratmann

Und auch welche Schauspieler demnächst im Pott auf Spurensuche gehen könnten, ist noch offen. Erst müsse das Konzept stehen, erklärt Barbara Feiereis. Detlef Feige hingegen hat schon eine klare Vorstellung davon, wie der mögliche Essener Ermittler sein sollte: „Armin Rohde wäre toll oder, wenn er noch leben würde, Diether Krebs. Wichtig ist, dass der Charakter die Menschen in der Region widerspiegelt: Ein Kumpel, offen und ehrlich, mit großer Klappe.“ Die Bochumer Vorlieben gehen in die gleiche Richtung. Kulturdezernent Townsend sagt: „Dietmar Bär aus Köln oder Armin Rohde wären super – beide spielen derzeit bei uns am Theater. Oder Peter Lohmeyer, der kommt sogar aus Bochum.“ In Duisburg ist man offener und möchte die Auswahl den Drehbuchautoren beim WDR überlassen. „Aber einen Ermittler oder eine Ermittlerin mit Migrationshintergrund könnten wir uns sehr gut vorstellen“, sagt Josip Sosic.

Tatort bringt spürbare Vorteile mit sich

Machen Köln in der ganzen Republik bekannt: Die "Tatort"-Darsteller Dietmar Bär (l.) und Klaus J. Behrendt. Bild: WDR/van Zoest

Machen Köln in der ganzen Republik bekannt: Die Tatort-Darsteller Dietmar Bär (l.) und Klaus J. Behrendt. Bild: WDR/van Zoest

Es würde Bochum und Co. gut tun, käme der Zuschlag vom WDR. Denn den Tatort in der eigenen Stadt zu haben, bringt Vorteile mit sich, wie Stefan Palm von der Pressestelle der Stadt Köln weiß. Dort ermitteln bereits seit vielen Folgen Dietmar Bär und Klaus J. Behrendt alias Freddy Schenk und Max Ballauf. Zwar seien die Vorteile nicht wirklich messbar, aber spürbar, erklärt Palm. „Durch den Tatort fällt Köln immer wieder positiv auf und ist den Zuschauern in der ganzen Bundesrepublik mit seinen Schokoladenseiten präsent“, beschreibt Palm die Werbewirksamkeit des WDR-Krimis. Der Tatort sei, so erklärt Palm weiter, zudem gut für Köln als Medienstandort im Allgemeinen: „Wenn im Tatort schöne Drehplätze zu sehen sind, dann kommen auch andere Produktionsfirmen und wollen genau dort drehen.“

Ob diese Rechnung bald auch in Bochum, Dortmund, Essen oder Duisburg aufgehen wird? Bis die Entscheidung fällt, müssen sich die Städte noch eine Weile in Geduld üben. Der WDR sieht keinen Grund zur Eile und möchte sich zeitlich nicht festlegen. Erst werde in Ruhe das Format entwickelt, wie Barbara Feiereis betont.

Der Tatort soll nach Dortmund, weil…

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Lena Hofemann hält den Mathe-Tower auf dem Campus der TU für einen guten Tatort. Fotos: Laura Lucas

Wir haben uns derweil schon einmal auf dem Dortmunder Campus umgehört und gefragt, welche Stadt im Ruhrgebiet den Zuschlag vom WDR bekommen sollte. Dort sind sich die Befragten einig: Der Tatort soll in Dortmund spielen! Lena Hofemann macht an der TU gerade ihren Master. Die 25-Jährige ist sicher, dass sich besonders die vielen Dortmunder Studenten über einen Tatort in „ihrer“ Ruhrgebiets-Stadt freuen würden. „Außerdem ist Dortmund total multi-kulti und bietet dadurch interessanten Stoff für eine Krimiserie.“ Lena kann sich ein deutsch-türkisches Ermittlerteam sehr gut vorstellen. Ihr Favorit ist Adnan Maral, der bereits in der beliebten Vorabend-Serie „Türkisch für Anfänger“ einen Kommissar mimt. „Als Mordschauplatz würde sich der Campus eignen. Da könnte jemand vom Mathe-Tower gestoßen oder in der Mensa vergiftet werden. Die H-Bahn wäre auch gut, die ist irgendwie gruselig“, sagt Lena.

Nicks Favorit, das "Spunk": tagsüber eher unscheinbar und nachts die perfekte Kulisse für einen Mord? Fotos: Laura Lucas

Für Nick Bond ist das "Spunk" die perfekte Kulisse für einen Mord. Fotos: Laura Lucas

Ein echter Dortmund-Fan ist Nick Bond aus den Niederlanden. Der 21-Jährige verbringt zurzeit ein Auslandssemester an der TU und sieht seine momentane Wahlheimat im Vorteil: „Dortmund ist vielseitig, hat ruhige und sehr belebte Orte.“ Nick könnte sich einen Mord im „Spunk“ im Studi-Dorf gut vorstellen. Das sei schließlich nicht mitten in der Stadt und man würde nicht sofort daran denken. „Wenn man den Mord mittwochs abends begeht, kann man sich sehr gut in der Menge verstecken, ohne dass es jemand bemerkt.“ Und welchen Schauspieler wünscht sich Nick für Dortmund? „Den von Kommissar Rex vielleicht – Tobias Moretti.“

Das U als Tatort: Für Ute Gerhard eine von vielen Möglichkeiten in Dortmund. Fotos: Laura Lucas

Das "U" als Tatort: Für Ute Gerhard eine von vielen Möglichkeiten in Dortmund. Fotos: Laura Lucas

Ute Gerhard ist Prodekanin der Fakultät Kulturwissenschaften und auch sie wünscht sich, dass der neue Tatort in Dortmund spielen wird: „Dortmund ist die lebendigste und urbanste der Ruhrgebiets-Städte und hat einfach Großstadtflair. Wir haben hier diverse kulturelle Milieus und Szenen, besonders das stadtnahe Hafengebiet.“ Und welchen Ort in Dortmund kann sie sich gut als Schauplatz für einen Mord vorstellen? „Das U und seine Rolltreppen oder das Stadion und der Hafen natürlich! Toll wäre außerdem der Phönix-See, da ist es ein bisschen Schicki-Micki“, sagt sie und lacht. Ihre Favoriten für das Dortmunder Ermittlerteam sind Bruno Eyron und Lugder Pistor. „Ich fand das Balko-Team immer gut. Das könnte ich mir auch im Tatort gut vorstellen.“

Und was ist mit Bochum, Essen oder Duisburg?

Warum sollte der Tatort in eure Stadt kommen? Schickt uns eure Vorschläge und Bilder von möglichen Mord-Schauplätzen im Ruhrgebiet an post@pflichtlektuere.com!  Die besten Ideen veröffentlichen wir demnächst.

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