Bandportrait: Pele Caster

Foto: flickr.com/elward-photography/Jackson Lewchuk/mike.kotsch/tauress; Montage: Marc Patzwald, Teaserfoto:

Foto: flickr.com/elward-photography/Jackson Lewchuk/mike.kotsch/tauress; Montage: Marc Patzwald

Solo oder nicht solo, das ist hier die Frage. Man könnte meinen, eine Bandportrait-Serie mit Pele Caster zu beginnen, sei ungewöhnlich. Schließlich verbirgt sich hinter diesem Pseudonym das Soloprojekt des Bassisten Stefan „Pele“ Götzer der Band Klee. Tatsächlich ist Pele Caster aber alles andere als ein Alleingang des Dortmunder Musikers. Für sein neues Projekt hat sich Pele eine ganze Reihe weiterer Musiker mit ins Boot geholt.

Pele Caster Portrait

Die Zigarette darf mit auf's Foto. "Ich rauche ziemlich viel", gibt Pele zu. Foto: Laura Lucas

„Solo mit vielen Freunden“ ist die Formulierung, die Stefan Götzer selbst wählt. Es sind Worte, die nicht nur das Projekt Pele Caster treffend beschreiben, sondern auch ein Stück vom Menschen Pele offenbaren. Ihm ist beides wichtig: mit anderen Musikern zusammen zu arbeiten und sich selbst zu verwirklichen. Mit leicht angezogenen Schultern sitzt er auf einer Bierbank im Außenbereich des FZW in Dortmund. Es ist grau und ungemütlich, aber die eine oder andere Zigarette muss sein. In weniger als zwei Stunden wird er mit Klee auf der Bühne stehen. Für die pflichtlektüre hat Pele den Soundcheck unterbrochen.

„Jeder trägt seinen ganz persönlichen Teil bei“

Die Freude ist ihm anzusehen, als er über sein neues Projekt spricht. Einer der besagten Freunde, die an der Pele Caster-Platte „wasimmer“ mitgewirkt haben ist Ben Schadow, Bassist bei Bernd Begemann. „Von ihm habe ich viel gelernt“, sagt Pele. Auch die Singer-Songwriterin Meike Büttner hat maßgeblichen Anteil am Album gehabt. Gemeinsam mit ihr singt Pele die Songs „Der Laden“ und „Wir haben uns“. An Meike Büttner gefällt Pele vor allem die Art, „wie sie die Wörter betont“. Aber hervorheben möchte er von allen, die mit ihm gearbeitet haben, am liebsten niemanden. „Jeder trägt seinen ganz persönlichen Teil bei und von jedem nehme ich ein Stück mit.“

Allein auf weiter Flur? Mitnichten! Pele Caster ist ein Konglomerat aus mehreren, befreundeten Musikern. Foto: Pele Caster

Allein auf weiter Flur? Mitnichten. Pele Caster ist ein Konglomerat aus mehreren, befreundeten Musikern. Foto: Pele Caster

Trotzdem: Nicht ohne Grund trägt  das neue Projekt Stefan Götzers Spitznamen im Titel. Eben jenen Spitznamen, den er schon mit zwei Jahren trug. Die Geschichte dahinter ist, wie Pele selbst sagt, „nicht lustig“. Fakt ist jedoch, dass er bereits in der Grundschule Schwierigkeiten hatte, sich als Stefan vorzustellen. Heute nennt ihn ohnehin niemand so. „Pele Caster spiegelt mich als Person wider“, sagt der 32-Jährige dann doch. „Ich bin mein eigener Boss und genieße das auch.“ Bei der Band Klee spielt er Bass, bei Pele Caster spielt er so ziemlich alles. Er singt, er schreibt und er macht all das, was sonst Plattenfirma, Promo-Agentur und Management machen, inklusive Schokolade an Plakatkleber verteilen. „Es ist viel Arbeit und geht an die Nerven, aber es ist toll“, beschreibt Pele seine neue Arbeit. Klee oder Pele Caster? Was macht mehr Spaß? Die Antwort ist wieder eine diplomatische: „Pele Caster macht anders Spaß. Es ist privater und ich genieße das kleine Publikum.“


Vielseitiges Album

Den Sound von „wasimmer“ zu beschreiben, fällt Pele Götzer sichtlich schwer. So recht möchte er sich nicht festlegen. „Pop-Rock“ oder „Deutsch-Indie“ sind Begriffe, mit denen er leben kann. „Nicht immer ernst“, „offen“ und „verrückt“ fällt ihm auch noch ein. Die erste Singleauskopplung „Der Laden“ ist ein Song, der die stilistische Vielfalt des gesamten Albums in sich vereint. Pop trifft Gitarrenrock und ein bisschen was Elektronisches ist auch mit drin. Auch der Inhalt der zwölf Songs ist vielfältig. „Es geht auch um die Liebe – wer hätt’s gedacht?“, frotzelt Pele und meint damit wohl Songs wie „Wir haben uns“. Gesellschaftskritisch („Der Laden“), naiv („Tagebuch“) und beinahe dadaistisch („Wasserstoff“) kann Pele aber auch. „Manchmal nehme ich beim Schreiben einfach keine Rücksicht“, erklärt er schmunzelnd. „Ohnehin soll sich jeder seine eigenen Gedanken zu meinen Songs machen.“


„Ich kann nix anderes“

Peles Songs entstehen in der Schlosserstraße auf der Couch oder im Garten. Seit vier Jahren wohnt der Musiker, der in Datteln geboren ist, wieder in Dortmund. Zuvor hatte er das Gefühl, er müsse weg. Nach Hamburg etwa, auf keinen Fall aber nach Berlin. In Köln, wo Pele wegen Klee längere Zeit lebte, war es dann „irgendwie leichter“. „Aber als ich wieder zurück war, habe ich mich zu Hause gefühlt. Mir war gar nicht bewusst, dass ich Dortmund vermisst habe.“

Pele Caster und U

Pele lebt in Dortmund. Das Klee-Konzert am Fuße des U im FZW war somit für ihn ein Heimspiel. Foto: Laura Lucas

Zu Hause in der Schlosserstraße kann Pele „schön laut“ sein. Die Türen stehen immer offen und die Nachbarn sind keine Nachbarn, sondern Mitbewohner und Freunde. „Da kann man auch spät abends noch Schlagzeug spielen.“ Ein Glück für Pele Götzer, denn die Musik ist sein Leben. Sie an der Haustüre abzustreifen würde ihm schwer fallen. „Ich kann auch nix anderes“ sagt er und grinst. Es ist nicht so, als hätte er es nicht ausprobiert. Jura hat er mal studiert und Germanistik und auch Philosophie. „Aber ich bin immer wieder zurück zur Musik gekommen“. Ob er jemals einen anderen Beruf ausüben könnte? „Ich werde immer irgendwas mit Musik machen. Zur Not gebe ich Gitarrenunterricht.“ Doch dann überlegt Pele kurz und lächelt spitzbübisch. „Es gäbe da schon etwas, falls ich mal DEN Hit landen und reich werden sollte…“  Wein anbauen würde er gerne und nebenbei eine Käserei betreiben. Er selbst trinkt am liebsten den 2009er Riesling aus Deutschland. „Damit kann man nix falsch machen.“ Und musikalisch? „Einmal mit Beck zusammenarbeiten. Die sind großartig.“

Hier die Audioslideshow des Geheimkonzerts von Pele Caster und Ben Schadow in Dortmund