Auffallende Menschen hinter schlichtem Design

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Man nehme zwei Kreativköpfe, eine Hand voll Ideen und schon kommt ein neues Unternehmen dabei heraus. Evi Spies und Fedor Bräutigam sind seit dem 11. September Inhaber des Unternehmens Ohne Lakritz und der Marke Zehnhochacht – neben Studium, Arbeit und eigener Kunst. Erfolgsorientierte Verbissenheit sucht man bei den beiden aber vergeblich. Viel mehr haben sie eine klare – und etwas andere – Vorstellung von Unternehmensphilosophie.

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Der Beutel, der am Anfang der Partnerschaft stand.

„Es gibt immer Mittel und Liebe“ – diese Buchstabenweisheit stand in gewisser Weise am Anfang der Zusammenarbeit der beiden Wahldortmunder und gab den Anstoß für die Unternehmensgründung. Evi ist seit Januar unter dem Namen „21g Kunst“ kreativ und verwandelte mit Textilfarbe, Mitteln und Liebe einen Jutebeutel zum Statement. Mit dem Gedanken, vielleicht weitere Objekte mit dem Spruch zu bedrucken, bat sie Fedor, Operationstechnischer Assistent und Wortakrobat, die Grafik zu digitalisieren. Daraufhin waren die beiden von der Fruchtbarkeit ihrer Zusammenarbeit überzeugt. Zeitgleich strebte Fedor schon länger eine Kooperation mit der Papeterie „Schreibweise“ an, dessen Geschäftsführerin er gut kennt. Für die 30-jährige Evi waren die weiteren gemeinsamen Schritte danach klar: „Diese unterschiedlichen Faktoren haben dazu geführt, dass wir uns überlegt haben: Eigentlich müssten wir Dinge zusammen machen. Wir machen beide gerne Text, haben Botschaften, die wir gerne in die Welt tragen würden und wir stehen auf die gleiche Art von Design.“

Geradliniges Design und nicht ganz so geradlinige Lebensläufe

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Zehnhochacht: Die Marke wirbt mit hoher Qualität und minimalistischem Design.

Zehnhochacht sind Evi und Fedor, sind Papeterie und Textilien, sind klares Design, minimalistische Optik und vor allem inhaltsvolle Kurzliteratur. Geschenkpapier, Postkarten, Beutel und Geschenkboxen wird es bald in ausgewählten Geschäften in Dortmund und online zu kaufen geben. Die Marke lebt nicht nur von der klaren Ästhetik, sondern auch von den beiden Kreativköpfen, die dahinter stehen.

Evis Lebenslauf ist nicht das, was man unter geradlinig versteht. Nach ihrem Abschluss der Schule arbeitete sie mehrere Jahre in Vollzeit als Sekretärin. Für die Kreative ein zu enges Korsett. Sie holte ihr Abitur in München auf dem zweiten Bildungsweg nach und studiert nun Angewandte Sprachwissenschaften, Angewandte Literatur- und Kulturwissenschaften und Soziologie an der TU Dortmund. Ein Studium, das ihr die Freiheit und die Möglichkeit gibt sich verwirklichen zu können. Für die Gründung des Unternehmens gibt es ihrer Meinung nach keinen besseren Zeitpunkt:

Ich bin total dankbar, dass sich das alles gerade entwickelt, während ich studiere. Mein Studium bietet mir die Freiheit, zum Beispiel einen Tag in der Woche frei zu haben oder weniger Seminare zu belegen.

Durch die Flexibilität des Studiums ist es ihr möglich Studium, „21g Kunst“, einen 450-Euro-Job und nun auch Zehnhochacht unter einen Hut zu bringen. „Natürlich muss ich dann ein, zwei Semester länger studieren“, erklärt die Studentin. Einen Kompromiss, den sie gerne eingeht. Auch der 28-jährige Fedor lässt sich nicht in eine Kategorie sperren: als gelernter Operationstechnischer Assistent ist er freiberuflicher Rapper, Texter, Konzeptentwickler und nun auch Unternehmensinhaber. Zurzeit arbeitet er Teilzeit im Krankenhaus:

Ich habe gemerkt, dass ich mit einer Hundertprozentstelle nicht die Sachen machen kann, die ich gerne tue.

Arbeit und „Freizeit“ wechseln sich bei ihm im wöchentlichem Turnus ab: eine Woche Krankenhaus, eine Woche Zehnhochacht – eine Woche Alltag, eine Woche Kreativität.

Markenlaunch und Produkpräsentation am 4. Dezember
Die Marke Zehnhochacht wird am 4. Dezember feierlich der Öffentlichkeit präsentiert. Fedor und Evi laden ab 18 Uhr in den Projektraum Offene Antworten, Kaiserstraße 75, ein.

Zwischen Selbstverwirklichung und sozialer Intervention

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Consciousness is the new black – ein Statement, das Evi und Fedor leben.

Den Schritt, ein Unternehmen zu Gründen, ist für Evi und Fedor nicht nur ein Schritt in Richtung Selbstverwirklichung, sondern auch ein Schritt hin zur sozialen Verantwortung. Unternehmen funktioniert für sie nur in einem ständigen Prozess des Nehmen und Gebens. Der gelernte Op-Assistent erklärt: „Um diesen Kreislauf nachhaltig zu gestalten, muss der Gesellschaft etwas zurückgegeben werden.“ Das Ziel der beiden ist ambitioniert: Eine Manufaktur aufbauen, die Menschen mit schwierigem Hintergrund einen Arbeitsplatz bietet. Die Gewinne, die zukünftig durch Zehnhochacht erwirtschaftet werden, sollen ehemaligen Drogenabhängigen, Flüchtlingen oder sozial Benachteiligten zugutekommen. Trotz der vielfältigen Herausforderungen und der hohen Ziele haben die Kreativköpfe vor einer Sache keine Angst: Scheitern. An die Möglichkeit denken die beiden zwar, messen diesem Gedanken aber keine große Bedeutung bei. Für das Team hinter Zehnhochacht ist das Jetzt entscheidend. Evi ist überzeugt:

Es ist wichtig sich zu gestatten, dass es auch völlig nach hinten losgehen kann und dass das aber auch kein Drama ist. Unseren Fokus richten wir aber auf die erfolgreiche Umsetzung unserer Vorstellungen – und das läuft bisher mehr als gut.

Fotos: Jasmin Assadsolimani

 

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