Zurück zum Glück

2007 wurde die deutsche Handball-Nationalmannschaft Weltmeister im eigenen Land und löste eine nie gekannte Begeisterung für ihren Sport aus. Doch der Erfolg war nicht nachhaltig, seitdem ging’s fortwährend bergab. Nun startet der Deutsche Handball-Bund einen Neuanfang und setzt sich neue Ziele. 2014 geht’s um nicht weniger als die WM-Qualifikation. Das Jahr startet mit einem Vier-Länder-Turnier in Nordrhein-Westfalen.

Es war der 27. Januar 2007, ein Samstag, kurz vor Mitternacht. Martin Heuberger lag aufgekratzt in seinem Bett im Mannschaftsquartier in Kamen-Kaiserau und konnte nicht einschlafen. Die lautstarken Fan-Gesänge dröhnten fortwährend durch seine Ohren. Erinnerungen an eine Begegnung wenige Stunden zuvor, die sich die Bezeichnung Handball-Krimi verdient hatte.

Die deutsche Handball-Nationalmannschaft hatte Frankreich mit 29:26 besiegt und sich fürs WM-Halbfinale qualifiziert. „Das war eines der besten Spiele, die ich je gesehen habe“, erinnert sich Martin Heuberger, einst Co-Trainer Heiner Brandts. Deutschland wurde wenige Tage später Weltmeister und schenkte der Republik eine nie gekannte Handball-Begeisterung.

Bundestrainer Martin Heuberger will die deutschen Handballer zum Erfolg führen. Foto: Victor Fritzen

Bundestrainer Martin Heuberger will die deutschen Handballer zum Erfolg führen. Foto: Victor Fritzen

Mittlerweile ist Martin Heuberger selbst Chef der nationalen Handball-Auswahl. Sieben Jahren nach dem unvergessenen Match bei der WM im eigenen Land kehrt der Bundestrainer abermals zurück an jenen Ort, an den er sich so gut erinnert. Die Dortmunder Westfalenhalle ist einer von drei Austragungsorten eines freundschaftlichen Kurzturniers Anfang des Jahres: Am 3. Januar testet die deutsche Mannschaft ihren Leistungsstand gegen die Auswahl Österreichs.

Zuvor eröffnen Russland und Island (18 Uhr) das Turnier. „Österreich hat uns schon einmal ein Unentschieden abgerungen und kann sicher auch bei der kommenden EM die ein oder andere ‚große Mannschaft‘ ärgern. Das Team hat sich gut entwickelt“, meint Martin Heuberger – wohlwissend, dass Punktverluste gegen den geografischen Nachbarn für miese Stimmung sorgen würden.

Tags darauf trifft die deutsche Mannschaft in Krefeld auf Russland (17.15 Uhr). Zum Abschluss geht’s am 5. Januar in Oberhausen gegen Island. „Es erwarten uns bei dem Turnier gute Gegner, die uns in der Vorbereitung weiter bringen. Für Österreich, Russland und Island wird das Turnier die Generalprobe auf dem Weg zur EM sein. Wir wollen diese Mannschaften maximal fordern“, meint der Bundestrainer.

Nach der verpassten Qualifikation für die EM bezeichnet Heuberger die vorbereitenden Partien als „wichtige Meilensteine“ auf dem Weg zur Qualifikation für die Weltmeisterschaft 2015 in Katar. Bis dahin ist der Bundestrainer froh über jede Möglichkeit, seine Mannschaft zu testen.

Beim anstehenden Vier-Länder-Turnier  muss Heuberger dabei allerdings auf mehrere etablierte Kräfte im DHB-Team verzichten.Dazu gehören Linkshänder Adrian Pfahl (Ellbogen-OP), Michael Haaß (lässt sich eine Metallplatte aus dem Fuß entfernen) und Steffen Fäth (Innenbandriss im Knie). Auch der Berliner Sven-Sören Christophersen fehlt wegen anhaltender Knieprobleme. Ungewiss sind noch die Einsätze der Linkshänder Steffen Weinhold (Fersenprobleme) und Kai Häfner (auf dem Weg zurück nach Muskelabriss am linken Beckenkamm). Der 21-jährige Finn Lemke vom TBV Lemgo steht dagegen vor seinen ersten Länderspielen.

Es ist der Ehrgeiz und Antrieb Martin Heubergers, den deutschen Handball wieder erfolgreicher zu machen. Nach der Weltmeisterschaft 2007 aalte sich der Deutsche Handball-Bund im Glanz des Titels – doch seitdem ging’s bergab. Negative Höhepunkte waren die verpasste Olympia-Qualifikation 2012 und das Aus auf dem Weg zur EM 2014. Durch die Misserfolge ist der deutsche Handball mitunter aus dem Blickfeld der Öffentlichkeit gerückt.

Darunter leiden vor allem die Zuschauerzahlen bei Heimspielen, was zuletzt beim Supercup deutlich wurde. Mehrere tausend Plätze in den großen Hallen in Hamburg und Bremen blieben leer – vor einigen Jahren noch undenkbar. Allerdings: „Die Zahlen haben mich nicht überrascht, wir haben ja eine Bringschuld. Ich habe Verständnis dafür, dass die Zuschauer skeptisch sind nach dem, was passiert ist“, sagt Bernhard Bauer.

Bernhard Bauer ist seit September Präsident des Deutschen Handball-Bundes. Foto: Victor Fritzen

Bernhard Bauer ist seit September Präsident des Deutschen Handball-Bundes. Foto: Victor Fritzen

Der ehemalige politische Beamte, früher selbst Bundesliga-Torwart, steht seit September an der Spitze des Deutschen Handball-Bundes. Er traf die Nachfolge des Gummersbachers Ulrich Strombach an, der den DHB 15 Jahre lang geführt hatte. Bauer ist sich der Schwere seiner Aufgabe bewusst: „Es gibt große Defizite, ja. Deswegen müssen wir den Handball wieder entwickeln.“

Die Planungen des neuen DHB-Boss‘ sind langfristig angelegt. Vor allem von einem großen Turnier spricht Bauer immer wieder: die Weltmeisterschaft 2019 in Deutschland und Dänemark. Spätestens in sechs Jahren soll der deutsche Handball wieder jenen Glanz haben, der ihn einst auszeichnete und berühmt machte.

An Bauers Seite arbeiten Bob Hanning, Vizepräsident Leistungssport, und Ex-Bundestrainer Heiner Brand. Der Mann mit dem Walrossbart ist das Aushängeschild des Verbands und steht wie kein anderer für den Erfolg alter Tage. Bernhard Bauer formuliert das gemeinsame Ziel: „Wir wollen wieder die Sportart Nummer 2 in Deutschland sein.“ Damit Martin Heuberger eines Tages wieder mit dröhnenden Ohren in seinem Bett liegt und mit einem Lächeln einschläft.

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