Neuer Zug für NRW

Zwei RRX-Züge auf dem Altenbekener Viadukt | Animation: RRX

Schon lange wird über ihn gesprochen – bald ist er da: Der Rhein-Ruhr-Express (RRX). Jetzt hat der Hersteller Siemens den neuen Zug auf einer Teststrecke vorgestellt. Ab 2018 fährt der RRX auf den Schienen durch NRW. Doch wird dadurch alles besser?

105 Meter lang, 400 Sitzplätze, 160km/h Höchstgeschwindigkeit. Das ist der RRX in Zahlen. Ab Ende des kommenden Jahres wird er nach und nach die Regionalexpress-Linien 1, 4, 5, 6 und 11 ersetzen und auch in Dortmund halt machen. Die roten Doppelstock-Züge der Deutschen Bahn gehören dann immer mehr der Vergangenheit an.

Viele Baustellen

Das Ziel der Umstrukturierung ist klar: Heute sind viele Pendler von der Bahn genervt. Volle Züge und Verspätungen drücken die Stimmung. Deshalb soll es mehr Zuverlässigkeit auf der Schiene zwischen Rhein und Ruhr geben. Zukünftig sollen zwischen Dortmund und Köln alle 15 Minuten zuverlässigere und größere Züge fahren. Bis dahin muss aber noch an einigen Stellen gebaut werden: Unter anderem müssen zwischen Düsseldorf und Köln zwei weitere Gleise gebaut werden, damit der RRX nicht den langsameren S-Bahnen und auch nicht den schnelleren ICE-Zügen in die Quere kommt. Kostenpunkt: 200 Millionen Euro. Neben anderen Punkten muss auch zwischen Dortmund und Münster gebaut werden: Dort ist die Bahnstrecke teilweise nur eingleisig und sorgt heute schon für Verspätungen. Da soll ebenfalls ein weiteres Gleis hinzukommen – wann genau ist aber unklar. Insgesamt kostet der Streckenumbau knapp eine Milliarde Euro, die Kosten dafür trägt der Bund.

Start in Stücken

Zum Einsatz kommt der RRX aber dennoch schon ab Dezember 2018: Stückweise ersetzen die neuen Züge erstmal die alten, Fahrplan und Strecke bleiben gleich. Die erste Teilstrecke führt den grau-orangenen Zug von Düsseldorf über Essen, Bochum, Dortmund, Hamm und Paderborn nach Kassel und ersetzt damit den heutigen RE11. Im Sommer 2019 folgt die Strecke Koblenz – Köln – Duisburg – Wesel. Und dann im Halbjahresrhythmus weitere Strecken. Das endgültige Netz soll laut VRR bis zum Jahr 2030 eingeführt werden, sobald alle Streckenengpässe beseitigt sind. Ob dann aber noch die bis jetzt geplanten Kapazitäten ausreichen, weiß noch keiner.

Steigende Sitzplatzkapazität

Bis dahin profitieren die Fahrgäste von Verbesserungen durch die neuen Züge: Im Vergleich zu den aktuell eingesetzten Zügen verdoppelt sich die Sitzplatzzahl: Bietet der RE11 heute 410 Fahrgästen einen Sitzplatz, sind es im neuen RRX schon 800 Plätze (Zwei Züge fahren immer zusammengekuppelt). 

Privatanbieter statt Deutsche Bahn

Statt der Deutschen Bahn, die aktuell die meisten Zuglinien in NRW betreibt, wird der RRX von privaten Anbietern betrieben: Das Bahnunternehmen „NationalExpress“ aus Großbritannien und der niederländische Anbieter „Abellio“ werden die Züge fahren. Und der Hersteller Siemens wird die Fahrzeuge instand halten, er verspricht eine Zuverlässigkeit von 99 Prozent. Die roten Regionalzüge der Deutschen Bahn findet man dann nur noch auf Nebenstrecken. Der Nachteil für Fahrgäste: Bei großen Verspätungen oder Zugausfällen des privat betriebenen RRX kann nicht mehr ohne Extra-Ticket auf einen schnelleren IC oder ICE der Deutschen Bahn umgestiegen werden.

Das Zielnetz des Rhein-Ruhr-Express.Quelle: MBWSV

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Steckdosen und besserer Handyempfang

Aber es gibt noch weitere Merkmale, die das Reisen im neuen Zug angenehmer machen: Neben Leseleuchten sollen Steckdosen an allen Plätzen das Arbeiten im Zug vereinfachen. Darüberhinaus wird mit kostenlosem WLAN geworben und neuartige Scheiben sollen den Handempfang wesentlich verbessern. Aber auch die Halte an den einzelnen Bahnhöfen sollen sich verkürzen, denn die Türen sind im Vergleich zu den aktuell eingesetzten Zügen breiter; Fahrgäste können so schneller aus- und einsteigen. Schneller fahren als die bisherigen Regional-Express-Züge kann der Neue allerdings nicht.

Kritik am Ausbau

Vor allem in Düsseldorf gibt es aber auch Kritik am RRX: Eine Bürgerinitiative protestiert gegen einen Ausbau der Infrastruktur. Im Stadtteil Friedrichstadt soll eine Lärmschutzmauer bis zu 80 Bäume ersetzen. Für viele Anwohner unvorstellbar. Und in Düsseldorf Oberbild muss ein Park verkleinert werden, denn dort benötigen die zusätzlichen Gleise einen breiteren Bahndamm. Dort gab es bereits über 1000 Beschwerden wegen des Vorhabens. Bis die nötige Infrastruktur für einen zuverlässigen 15-Minuten-Takt zwischen Köln und Dortmund also steht, kann es noch dauern. 

 

Aufmacher-/Beitragsbild: Siemens AG

2 Comments

  • Trenz sagt:

    Kann ich nur begrüße, trotz Beschwerden, es hilft ja alles nichts. Es muss ausgebaut werden. Der überlastete Schnellweg zwischen den Ruhrgebietsstädten ist ja keine Alternative.
    Der Bahnhof in Dortmund bleibt aber oberpeinlich für eine Stadt dieser Größe. Aber bei dem Tempo der Sanierung…

  • Paul Wehrhahn sagt:

    „Der Nachteil für Fahrgäste: Bei großen Verspätungen oder Zugausfällen des privat betriebenen RRX kann nicht mehr ohne Extra-Ticket auf einen schnelleren IC oder ICE der Deutschen Bahn umgestiegen werden.“

    Ohne Extra-Ticket darf man auch heute nicht ohne weiteres einen IC oder ICE nutzen. In der Hinsicht ändert sich überhaupt nichts.

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