Was kann „Wolle“ noch? Weiß der Geier!

Wolfgang Petry

Steht wieder am Mikrofon: Wolfgang Petry hatte 2006 seine Karriere eigentlich beendet, doch nun ist er mit einem neuen Album an die Spitze der Charts gestürmt. Teaserfoto/Fotos: Sonymusic

Wolfgang Petry ist ein Altes Eisen der deutschen Musikszene. Er landete schon Ende der 70er Jahre seine ersten Hits und seine größten Erfolge werden immer und ewig auf Partys gespielt – doch 2006 war es plötzlich vorbei. Weiß der Geier, warum! Zehntausende Fans weinten sieben Tage, sieben Nächte ihrem Idol nach, aber Petry stellte klar: Ich will das alles nicht mehr. Bis jetzt: Mit Brandneu hat Petry ein Comeback-Album veröffentlicht, das in der ersten Woche auf Platz 1 der Charts einstieg. Schafft es der 63-Jährige damit wieder in die Playlist so mancher Studentenparty oder ist es nichts als Müll – Müll, Sondermüll?

Ein Bild aus früheren Tagen: Wolfgang Petry mit Schnauzer und Lockenmähne. Foto: traveling.the.world/flickr.com cc-by-nc-nd 2.0

Ein Bild aus früheren Tagen: Wolfgang Petry mit Schnauzer und Lockenmähne. Foto: traveling.the.world/flickr.com cc-by-nc-nd 2.0

Von Thimo Mallon und Daniel Moßbrucker

Dass es Wolfgang Petry nach seinem Abschied zurück ins Studio zieht, konnten seine Fans schon 2014 erahnen. Wieso und weshalb hätte er sonst eine Neuinterpretation seiner größten Erfolge veröffentlichen sollen? Noch Einmal setzte sich sofort wieder an die Spitze der Charts. Seine Anhängerschaft fühlte sich an sein letztes Konzert 1999 in Essen erinnert – im Herzen vom Ruhrgebiet, dort wo sich der gebürtige Rheinländer immer zu Hause fühlte. Petry war nie wieder auf Tournee unterwegs, 2006 beendete er dann seine Karriere. Er fühlte sich nach eigener Aussage ausgebrannt und völlig leer

Petry zog sich komplett aus der Öffentlichkeit zurück. Doch seine Songs wurden zum Inbegriff des perfekten Partyhits, der auf jeder Feier den Schweiß von der Decke tropfen lässt – selbst in hippen Studenten-WGs. Nun, nach neun Jahren Pause, heißt es: „Ich hab’ noch lange nicht genug!“ Er wagt ein Comeback – und seine Fans empfangen ihn mit offenen Armen.

Einzigartig: Bronze, Silber und Gold!

Äußerlich ist 2015 nicht mehr viel vom alten „Wolle“ geblieben. Seine legendären Freundschaftsbänder hat er bereits 2002 zugunsten der Opfer der Flutkatastrophe in Ostdeutschland versteigert. Gut so! Die Wolle auf dem Kopf hat Petry mittlerweile durch eine Baseball-Cap ersetzt. Echte Freunde des Künstlers hatten sich zuletzt mit Petrys Sohn Achim getröstet, der seit 2007 versucht, an die Erfolg seines Vaters anzuknüpfen. Bei den meisten hat Achim allerdings schlechte Karten, denn an die Verkaufszahlen seines Vaters kommt er nicht annähernd heran: Wolfgang Petry setzte in seiner Karriere über zehn Millionen Tonträger ab. Wahnsinn! An seiner Wand hängen Schallplatten-Auszeichnungen in Bronze, Silber und Gold.

Rekordverdächtig ist auch der Start des Comeback-Albums: Alles bleibt, wie es war, denn Brandneu ist direkt wieder auf Platz eins in die deutschen Album-Charts eingestiegen. Herzlichen Glückwunsch! Aber überzeugt die Platte auch inhaltlich?

Petrys Stimme klingt wie früher. Aber die Musik hat an Tempo eingebüßt und ist längst nicht mehr so fetzig. Der neue Petry verabschiedet sich vom Schlager für die Massen und versucht sich am klassisch deutschen Rock-Pop. Schade!

Nirgendwo wird das deutlicher als bei Ich heb’ das Glas! Zwar heißt es von der Plattenfirma, der Song sei ein „weiterer Stadionkracher“ mit „brachial-rockigen Mitsing-Refrain, der es dann so richtig krachen lässt“. Tatsächlich klingt es aber eher nach „Geil, Geil, Geil“ mit angezogener Handbremse. Am Ballermann würde es maximal zum Warm-Up taugen. Dazu kommen viele geradezu balladeske Titel.

Der Himmel brennt nicht überall, wo „Wolle“ drauf steht

Wolfgang Petry

Wolfgang Petry „Brandneu“: 15 Songs, 12,90 Euro.

Doch kein Grund zur Panik: Inhaltlich bleibt sich Petry insofern treu, als dass die Texte weiterhin persönlich und lebensnah sind. In „Epoche“ zieht er ein persönliches Lebensresümee: Er reflektiert aufrichtig und ohne Verblendung die Gefühle eines 63-Jährigen, der seine erste Musik auf Schallplatten gehört hat.

Das ist zwar echt, für Studenten aber gleichzeitig auch fremd. „Spielt mich, wenn ich tot bin“ ist so ein Song, der die gute Stimmung bei einer WG-Party auf den Mond schießen kann. Allerdings: Auch „Wolles“ alte Alben hatten ruhige Phasen. Der Himmel brennt nicht überall, wo Wolle drauf steht – das war schon früher so.

Fazit: Alles geht einmal vorbei! Wer Wolfgang Petry nur dann gut findet, wenn früh morgens um Vier Verlieben, Verloren, Vergessen, Verzeihen aus den Boxen dröhnt, dem kann das Comeback-Album scheißegal sein. Neue Partykracher liefert Brandneu nicht. Doch was ist schon dabei? Für einen echten Fan ist das alles kein Problem, denn er lernt Wolfgang Petry noch einmal von einer neuen Seite kennen. Wolle liebt man eben ganz oder gar nicht.

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