Auf die Hocker fertig los

Sporthocker gibt es in individuellen Desings. Teaserbild: Selina Dicke und Annabell Bialas

Sporthocker gibt es in individuellen Desings. Teaserbild/Thinglink-Collage: Selina Dicke und Annabell Bialas. Fotos: Stephan Landschütz

Hocker sind zum Sitzen da. Manche sind sogar wahre Designerstücke. Dass im Hocker aber auch ein ganz anderes Potenzial stecken kann, zeigt Stephan Landschütz. Er ist Diplom-Produktdesigner. Alltagsgegenstände weiterzuentwickeln, gehört zu seinem Beruf.  2007 entwarf er den ersten Prototypen des Sporthockers. Seitdem vertreibt er sie weltweit.

Stephan schnappt sich mit der rechten Hand einen der bunten Hocker, die er selbst designet hat. Er legt ihn quer vor sich auf den Boden, sodass der Hocker vor und zurück rollen kann. Dann steigt er auf den Steg des Hockers und balanciert, bis er im Gleichgewicht ist. Gekonnt stellt er einen Fuß auf die Griffkante und verlagert sein Gewicht, damit er sich einmal um die eigene Achse drehen kann. Ein schneller Sprung und er landet auf dem Hocker-unter geübten Hockerern ist das der „Three-Sixty-Wheely“.

Die Idee des Sporthockers entstand auf einer Party in Kiel. Dort balancierten und jonglierten einige Studenten mit herkömmlichen Hockern. Das Interesse war groß. Was nur noch fehlte: Das passende Sportgerät. Was für Landschütz als „Schnapsidee“ anfing, wurde schnell zu einem größeren Projekt. In seiner Diplomarbeit entwickelte er den Sporthocker: „ Alle waren Baff vom Prototypen“, erzählt Landschütz. Gemeinsam mit seinem älteren Bruder realisierte er dann den ersten Sporthocker und gründete die Marke Salzig. „Die meisten gehen nach dem Studium in einen Betrieb. Ich bin ins kalte Wasser gesprungen.“

Angst vor der Selbstständigkeit

„Natürlich habe ich mir vorher tausend Gedanken darüber gemacht“, sagt der 33 Jährige. Trotzdem ließ er sich nicht von der Idee abbringen, denn er war sich sicher, dass was ihn begeistere, könne auch andere mitreißen. Schließlich sind die kleinen Möbelstücke universell nutzbar: Breakdance, Jonglage, Boarden und Sitzen – der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt.

Sporthocker bestehen aus leichtem Kunststoff und wiegen 1,6 bis 2,2 Kilogramm. Besonders stolz ist der Produktdesigner auf die Herstellung in Deutschland, denn dort herrschen hohe Qualitätsstandards. Die Produktion ist aufwendig und teuer. Ein ganzes Team bestehend aus Designer und Grafikern, gestalten jeden Hocker individuell. Verkauft werden die Unikate zwischen 80 und 160 Euro. Trotzdem: Davon leben kann Stephan Landschütz bisher nicht.

Große Pläne für Zukunft

Ob in Kanada, Dubai oder Australien, die Nachfrage ist groß. Häufig stehen sie als Designerstücke in Bars, weiß Landschütz. Wofür Hocker in Alaska gebraucht werden, bleibt für ihn ein Rätsel.

Sein Ziel ist es, das Produkt weiterzuentwickeln und auf dem Markt zu etablieren. Mit deutschlandweiten Workshops und Messeauftritten wie in Berlin und Dortmund konnte er so bisher tausende Hocker verkaufen. Seit 2006 gibt es sogar Hockermeisterschaften. Bei „King of Hock“ messen sich die Hockerer unter anderem in den Kategorien bester Trick, bestes Duo und bestes Nachwuchstalent. Mit Künstlernamen wie „Alfred Hitchhock“, „Hocktator“ und „Hockeraxel“ machen sie in der Szene auf sich aufmerksam.

Gutes Körpergefühl

Wer das Hockern ausprobiert, merkt schnell, worauf es ankommt: Gleichgewicht und Spannung halten. Ein gutes Körpergefühl macht die Tricks einfacher. Also höchste Konzentration: Jeder Trick hat eine spezielle Reihenfolge an Bewegungen. Zum Beispiel den einen Fuß leicht auf die rechte Seite stellen, der linke bleibt in der Mitte. Gewicht nach rechts verlagern, den Hocker in einer Drehung aufstellen und sitzend darauf landen. Geschafft! 

Auf der Dortmunder YOU Messe haben die Sportler einen kurze Einblick in die vielen Tricks gegeben, die mit Hockern möglich sind:

[jwplayer player=“6″ mediaid=“177699″]

 

Wer jetzt Lust auf Hockern hat, kann sich hier auf der Homepage der Trendsportart informieren.

Von Selina Dicke und Annabell Bialas