BRAVO und die Homosexualität

Wer erinnert sich nicht an die gute alte BRAVO-Zeit? Und an das Dr. Sommerteam, das auf wirklich jede Frage eine Antwort wusste: „Wird man vom Onanieren schwul?“ Für viele Experten war die Zeitschrift der Beginn einer aufgeklärten Jugend. Erwin In het Panhuis, Bibliothekar und Autor, wollte wissen, wie die BRAVO im Laufe der Jahrzehnte mit dem Thema Homosexualität umgegangen ist und hat seine Erkenntnisse nun ausgestellt: „Aufklärung und Aufregung – 50 Jahre Schwule und Lesben in der BRAVO“ ist aktuell an der Uni Duisburg-Essen zu sehen.

Mr.Spucky

Mr. Spuck hat es mit seiner tuntigen Sprache auf die Titelseite der BRAVO geschafft. Jetzt schwebt er in der Uni-Bibliothek. Foto: Janna Cornelissen

In einer Kirche in Köln haben die Mitglieder des „SchwuBiLe“, des autonomen Referats Schwule, Bisexuelle und Lesben der UDE, die Ausstellung von Erwin In het Panhuis gesehen und waren total begeistert. „Wir haben dann mit Erwin Kontakt aufgenommen und es glücklicherweise mithilfe des AStA geschafft, die Ausstellung an die Uni zu holen“, so Rebecca Osono, Referentin der SchwuBiLe. Damit ist die Uni Duisburg-Essen der vierte Ausstellungsort.

„Michael ist nicht schwul“

In den Bibliotheken der beiden Campi sind Schautafeln und Vitrinen aufgebaut, die chronologisch sortiert die Themenbereiche Sexualaufklärung und Homosexualität in Film und Musik zeigen. Auf den Titelseiten ist von T-Rex bis Hape Kerkeling die ganze Bandbreite an prominenten eventuell-Schwulen oder defacto-Schwulen verteten.

Erkennbar ist auch, wie extrem sich das Bild im Laufe der Zeit gewandelt hat: Von Aussagen wie „Michael ist nicht schwul!“ bis zum offenen Umgang: „Turboschwul – die witzigsten Sprüche von Spucky und Co.“ Insgesamt hat Erwin In het Panhuis rund 1.000 Beiträge analysiert und kam dabei zu dem Schluss, dass die BRAVO den gesellschaftlichen Umgang mit Homosexualität widerspiegelt.

BRAVO auf dem Index

„Was viele nicht wissen: Als die BRAVO anfing, das Thema Homosexualität Mitte der 60er Jahre aufzugreifen, wurde die Zeitschrift eine Zeit lang auf den Index gesetzt“, sagt Rebecca. Es hieß, die BRAVO habe jugendgefährdende Schriften verbreitet.

Vitrine

Homosexualität wurde in der BRAVO anfangs nur ganz dezent dargestellt. Foto: Janna Cornelissen

Dr. Sommer an der Uni

Höhepunkt der Ausstellung: Dr. Sommer, alias Dr. Martin Goldstein (83), besuchte Mitte Mai die Uni Duisburg-Essen. „Der Mann war echt super cool und offen und hat auch viel aus seinem Leben erzählt“, so Rebecca. Über 100 Leute haben sich den Vortrag angehört und nachher auch kräftig mit dem Kultdoktor, der im Übrigen auch Theologe ist, diskutiert.

Für die SchwuBiLe sind solche Veranstaltungen natürlich von großer Bedeutung. Durch das positive Feedback sind sie stärker präsent und damit auch für die Hilfesuchenden erreichbarer. „Durch unsere persönlichen Erfahrungen können wir Leuten, die noch Angst davor haben sich zu outen, helfen“, sagt Rebecca.

Toleranz stärken

„Diskriminierung ist nun mal leider immer noch ein Thema und da ist es wichtig, dass die Leute wissen, dass es uns gibt und wir mit Rat und Tat zur Seite stehen.“ Die Referenten wünschen sich, dass nicht nur Schwule und Lesben an den Aktionen mitwirken, sondern auch Heteros.

„Wir wollen uns ja nicht abkapseln, hier sind alle willkommen und viele unserer Angebote werden auch von Heterosexuellen wahrgenommen.“ Die nächste geplante Aktion: „Rad statt Pendelbus – wir düsen gen Duisburg“. Zur Belohnung wartet dann ein großes Grillfest auf die Teilnehmer.

Vitrine

Die BRAVO hat bei vielen Jugendlichen die Aufklärung übernommen. Foto: Janna Cornelissen