Fliegen mit Ü-Ei-Effekt

Wer an grauen Tagen aus dem Fenster schaut, wünscht sich wohl schnell mal an einen sonnigeren Ort. Doch wohin soll es gehen? An den Strand oder doch lieber in die Berge? Zum Shopping nach Mailand oder doch lieber romantisch nach Paris?! Diese quälende Frage beantworten „Blind Booking“ und „Joker Fliegen“ im Alleingang.

Wo soll der Flug hingehen? Foto: Melanie Bröcker

Wo soll der Flug hingehen? Foto: Melanie Bröcker

Bei Uneinigkeiten ist man gut beraten die Entscheidung einem Unbeteiligten zu überlassen. Das funktioniert nicht nur beim Nachbarschaftsstreit, sondern auch bei der Urlaubsplanung. Denn einige Fluggesellschaften bieten Flüge mit Überraschungseffekt: Unter dem Namen „Blind Booking“ oder „Joker Fliegen“ kann man einen Flug buchen, ohne zu wissen, wo man letztendlich landen wird. Sozusagen nach dem „Ü-Ei-Prinzip“. Das hat besonders für junge Leuten einen großen Reiz. So geht es auch der 20-jährigen Studentin Julia Hoffmann. Sie ist schon drei Mal auf diese Weise verreist. „Blind Booking ist für mich witzig und was Neues. Man sieht neue Städte, kann spontan sein und es macht auf jeden Fall Spaß, egal wo man landet“, sagt die Studentin aus Essen. Momentan plant sie ihren vierten Flug per Blind Booking und ist sehr gespannt, wo es diesmal hingehen wird.

Urlaubsmotto festlegen

Blind Booking heißt aber nicht, dass man erst am Flughafen erfährt, wo der Flug hingehen wird. Um falsch gepackten Koffern vorzubeugen, kommt die Reiseziel-Info direkt mit der Buchungsbestätigung. Beim „blinden“ Buchen kann aus verschiedenen Kategorien ausgewählt und somit schon einmal das Motto des Urlaubs im Groben festgelegt werden. Zur Auswahl stehen „Party“, „Kultur“, „Shopping“, „Metropole Osteuropa“, „Metropole Westeuropa“ oder „Wandern und Natur“. In jeder Kategorie gibt es bis zu zehn Reiseziele. Die Entscheidung darüber, welcher Ort es letztendlich wird, trifft die Fluggesellschaft. Sollte einem ein Ziel überhaupt nicht zusagen, dann kann man es ausschließen. Das kostet allerdings extra.

Studentin Julia Hofmann hat es beim „blinden“ buchen bisher noch nicht besonders weit verschlagen: Berlin, München und Wien waren ihre Überraschungs-Ziele. Damit war sie aber allemal zufrieden. Gerade die anfängliche Ungewissheit mache Blind Booking aus, sagt sie. Die Kurztrips hat sie immer gemeinsam mit Freunden geplant.

Das blinde Buchen sorgt für Überraschung. Foto: Melanie Bröcker

Das blinde Buchen sorgt für Überraschung. Foto: Melanie Bröcker

Natürlich ist Blind Booking vor allem eine Marketingstrategie. Eine der Fluggesellschaften, die das Buchen mit Überraschungseffekt anbietet, ist German Wings. Heinz Joachim Schöttes, Pressesprecher des Unternehmens, erklärt, worauf die Idee hinter dem „blinden Buchen“ abzielt: „Wir wollen interessanter für unsere Kunden werden und sie auf unsere Homepage ziehen. Viele Leute wollen sich gerne überraschen lassen“, sagt Schöttes. Für die Fluggesellschaften ist die Idee durchaus lohnend, denn die Blind Booker werden auf Flüge verteilt, auf denen noch Plätze frei sind. So gehen sie sicher, dass sie ihre Flüge möglichst voll bekommen.

Jung und flippig

Da die Blind Booking-Flüge sozusagen „Restposten“ sind, können sie zu geringeren Preisen angeboten werden, was sie besonders für junge Leute – die nichts gegen etwas Spannung haben – interessant macht. Doch offenbar sind nicht alle gegenüber dem Überraschungsfliegen so aufgeschlossen. Heinz Joachim Schöttes hat in den letzten Jahren ganz eigene Beobachtungen gemacht. „Man kann feststellen, dass es in verschiedenen Regionen unterschiedlich angenommen wird. Die Kölner und Rheinländer sind zum Beispiel sehr offen. Aber im Schwabenland ist die Akzeptanz nicht ganz so hoch. Die Kölner sind da einfach flippiger“, sagt Schöttes.

Der Name „Blind Booking“ wurde übrigens in Anlehnung an das Wort „Blind Date“ erdacht. Wer also mal Lust auf ein Blind Date mit einem Flug hat, für den ist diese Art zu buchen eine Überlegung wert. Bei aller Spontaneität sollte man allerdings nicht zu kurzfristig planen, weil die meisten Flüge kurz vor knapp doch schon voll sind.

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