Buch-Tipp: Der kluge Säufer

Solange Enno sie liebt, stört es Franziska nicht, dass er trinkt. (Foto/Teaserbild: Thomas Karsten)

Solange Enno sie liebt, stört es Franziska nicht, dass er trinkt. (Foto/Teaserbild: Thomas Karsten)

Der Roman „Der kluge Säufer“ ist das literarische Debüt der Autorin Franziska Steinrauch. Sie erzählt darin die Geschichte einer jungen Frau, die sich hoffnungslos in einen zehn Jahre älteren Mann verliebt. Dass er Alkoholiker ist, findet sie erst heraus, als sie schon nicht mehr ohne ihn leben kann. Aber ist ihre Liebe wirklich stärker als die Sucht?

Es ist Franziska Steinrauchs eigene Geschichte. Einfühlsam und ehrlich beschreibt die Autorin ihr Leben an der Seite ihres alkoholkranken Mannes Enno. Alles fängt damit an, dass Franziskas Schulfreundin Enno auf einem Konzert trifft.
Der Geiger mit den dunklen Locken und dem sanften Blick sei der einzig wahre Mann für Franziska, verspricht die Freundin ihr und stellt die beiden einander vor. Am Anfang scheint auch tatsächlich alles perfekt, obwohl Enno in Bremerhaven wohnt und Franziska in Stuttgart.

Etwas stimmt nicht mit Enno

Da die beiden sich nur an den Wochenenden und im Urlaub sehen können, schreiben sie sich liebevolle Briefe und telefonieren regelmäßig. Es dauert ein ganzes Jahr, bis Franziska bemerkt, dass mit Enno etwas nicht stimmt.

So beschreibt Franziska Steinrauch den Moment der Erkenntnis im Roman. Aber auch wenn Franzi zuerst schockiert ist, bleiben sie und Enno ein Paar. Sie fühlt sich oft einsam, wenn Enno den Alkohol ihrer Gesellschaft vorzieht, aber sie liebt diesen Mann und sie kämpft um ihn. Schließlich ziehen die beiden zusammen, dann heiraten sie. Beide haben Affären, aber sie kommen immer wieder zueinander zurück.

Die Sucht ist wie ein Orang-Utan-Männchen

Es gibt auch glückliche Momente und Phasen, in denen Enno trocken ist, sogar leidenschaftliche Liebe. Aber immer wieder kommen bei Franziska die Rückschläge, die Enttäuschung und die Wut.

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Das Männchen nimmt einer Affenmutter ihr Kind weg. Er spielt mit dem Kleinen, das sich neugierig alles gefallen lässt. Es versteht nicht, wie gefährlich das Affenmännchen mit seinen scharfen Zähnen werden kann. Irgendwann verliert der Orang-Utan das Interesse und lässt das Affenkind frei. Trotzdem behält er es im Auge. „Auch wenn es vergessen scheint, das Kind ist in der Obhut des Alten, der es leicht wieder fangen kann. […] Es greift in das rote Gold dieses Fells […] und hält sich daran fest, als der Alte sich unwillig erhebt und schüttelt, klammert sich fest, obwohl es zu seinem Schaden sein könnte“, schreibt Franziska Steinrauch.

So geht es auch Enno. Er trinkt, hat einen Autounfall, bleibt eine Weile trocken. Dann fängt er wieder an, stürzt betrunken in einen Graben, erfriert beinahe, aber trinkt weiter. Nach vier Monaten Abstinenz im Krankenhaus holt er sich noch auf Krücken das erste Bier. Sein bester Freund macht einen Entzug, Enno trinkt alleine weiter. Er wird dick und aufgeschwemmt, verwahrlost zusehends und kann nicht mehr arbeiten.
Irgendwann ist er zu schwach, um Franziska zu lieben. Da entscheidet sie endlich, zu gehen. Nach fast 20 Jahren. Sie geben einander auf – ab dann wird alles anders.

Überraschendes Ende

Solche überraschenden Wendungen und die Sprünge zwischen sprachlicher Schlichtheit und lyrischen Passagen machen den Roman aus. Der ungewöhnliche Zusammenhalt der Protagonisten wirkt beinahe kitschig, aber am Ende wird fair abgerechnet und Franziska gesteht ihre eigenen Fehler genauso ein, wie sie die der anderen beschreibt.

Verständnis für alle Seiten

Das Buch wirbt um Verständnis für alle Betroffenen der Sucht: Den Trinker, seine Freunde und Familie. Nur der Alkohol ist am Ende ein Teufel.

Für 9,90 Euro ist „Der kluge Säufer“ als Taschenbuch im Konkursbuch-Verlag erhältlich. Es umfasst schlanke 220 Seiten, genau die richtige Länge für eine einfühlsame Beschreibung ohne das Thema zu überdehnen.

Über die Autorin

Franziska Steinrauch lebt zurückgezogen auf einem umgebauten Bauernhof irgendwo „auf dem Land“, wie es im Klappentext des Buches heißt. Nach ihrem Journalistik-Studium schrieb sie bisher als Ghostwriterin Reden und unter einem Pseudonym hat sie auch schon mehrere Sachbücher veröffentlicht. „Der kluge Säufer“ ist ihr erstes literarisches Werk.