Kommentar: Vielleicht esse ich mein Pferd

In Deutschland gibt es nur wenige Pferdemetzgereien. (Foto: Eschweiler)

In Deutschland gibt es nur wenige Pferdemetzgereien. (Foto: Eschweiler)

Angefangen hat es im Januar – mit Pferdefleisch in irischen Rinderburgern. Dann wurde auch in Lasagne, Ravioli und Gulaschkonserven Pferd gefunden. Jetzt geht der Skandal in die zweite Runde: Fast 50.000 Tonnen Pferdefleisch hat eine niederländische Fleischerei in den vergangenen zwei Jahren mit falschen Etiketten in die EU verfrachtet. Alle Medien berichten, die Verbraucher seien entsetzt, und Politiker suchen hektisch nach Lösungen. Aber warum regen wir uns eigentlich so auf?

Vier ganze Rinder, vier Schafe, zwölf Gänse, 37 Enten, 46 Schweine, 46 Puten und 945 Hühner – laut „Fleischatlas 2013“ isst jeder Deutsche im Laufe seines Lebens durchschnittlich 1097 Tiere. Komischerweise scheint es dabei allerdings einen Unterschied zu machen, ob man ein Tier auch streicheln oder darauf reiten kann. Aber ganz im Ernst: Woran machen wir diesen Unterschied fest? Wenn man ein Pferd erst mal durch den Fleischwolf gedreht und in seinen eigenen Darm gepresst hat, sieht es als Wurst auch nicht mehr viel anders aus als eine Kuh oder ein Schwein.  Wenn man also Fleisch isst, dann ist es doch eigentlich egal, von welchem Tier es stammt, oder? Bei der Lasagne hat schließlich auch keiner was rausgeschmeckt.

Nur, weil es ein Pferd ist!?

Ich hätte jedenfalls kein Problem damit, ein Pferd zu essen, nur weil es ein Pferd ist. Vielleicht würde ich sogar mein eigenes Pferd essen – wenn ich nicht genau wüsste, was es schon für Medikamente bekommen hat. Vor der Verabreichung musste ich nämlich unterschreiben, dass mein Pferd nicht als Lebensmittel verwertet werden darf. Und da liegt doch das eigentliche Problem. Wer sagt mir, ob die Lasagnepferde für den Verzehr zugelassen waren!?

Es soll jetzt geklärt werden, wohin das falsch etikettierte Fleisch ausgeliefert wurde. Dabei ist das wohin eigentlich klar: Egal ob Gammelfleisch, Pferdefleisch oder Formfleisch aus Schlachtabfällen – am Ende stehen wir mit den betroffenen Produkten an der Supermarktkasse. Schon in der ersten Runde des Pferdefleischskandals landeten Discounter wie Lidl, Aldi, Real, Kaufland und Rewe auf der Liste ganz oben. Jetzt wird es Zeit, dass die Frage nach dem woher gestellt wird – auch ohne Skandal.

Der Skandal als Chance

Ein Billigschnitzel aus dem Supermarkt kann kein gutes Fleisch sein. Trotzdem muss niemand auf den Sonntagsbraten verzichten – nur  muss endlich Schluss sein mit billiger Massenproduktion.  Wir sollten den Denkanstoß durch den aktuellen Skandal als Chance sehen. Als Verbraucher müssen wir endlich unsere Bequemlichkeit aufgeben und wieder dort einkaufen, wo man uns auch sagen kann, was wir kaufen. Weniger Fleisch – aber dafür Gutes.  Ein ordentliches Stück Pferd kann da sogar eine richtig gute Idee sein, denn legal gehandeltes Pferdefleisch stammt in Deutschland laut Verband der Fleischwirtschaft ausschließlich von ausrangierten Nutzpferden und wird meistens regional verarbeitet und verkauft.

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