Breitmaulfrosch: Die spinnen doch!

Ob Glitzerbärte, grüne Smoothies oder hippe Fummel aus der Mottenkiste – über Kunst, Lifestyle, Mode und Kultur lässt es sich gut das Maul zerreißen. Besonders gut kann das der Breitmaulfrosch, der in dieser Kolumne über merkwürdige Trends wütet – dabei nimmt er kein Seerosenblatt vor den Mund. Dieses Mal ärgert sich der Breitmaulfrosch über die nervigen Fidget Spinner.

Wenn man zurzeit einen Tag im Freibad verbringt oder über die Trödelmärkte schlendert, hat man das Gefühl, fast alle Leute drehen am Rad – oder eher gesagt am Fidget Spinner. Ein Fidget Spinner, das ist nichts weiter als ein kleines Stück Plastik mit verbautem Kugellager, das sich mal schneller und mal langsamer dreht, je nachdem wie man es in der Hand hält. Ja, genau so ist es: Kinder und Erwachsene reißen sich um ein kleines, bedeutungsloses Stück Plastik. Egal wie klein die Hände, ein Fidget Spinner passt rein.

Spielzeug mit Suchtpotenzial

Eigentlich sollten die Spielzeuge bei nervösen und hyperaktiven Menschen oder Patienten mit Autismus zur Beruhigung eingesetzt werden. Es ist aber noch nicht einmal wissenschaftlich erwiesen, ob das funktioniert. Stattdessen bergen die Teile, die einen in bunten, fröhlichen Farben anstrahlen und verführen, ein großes Suchtpotenzial: Denn man kann es drehen, wie man will, ein Ende hat das Rumgespiele nicht. Es ging sogar schon so weit, dass die bunten Teile im Schulunterricht verboten werden mussten. Schulen in den US-Bundesstaaten Massachusetts, Connecticut, Florida und Indiana haben die Plastikteile verbannt. Zu sehr würden die Schüler und Schülerinnen davon abgelenkt. Richtig so! Denn warum sollten Schüler an Fidget Spinnern drehen dürfen, aber keine Spiele auf dem Smartphone spielen? Ablenken vom Unterricht tut beides. Dabei kommt einem das Ganze doch ziemlich absurd vor: Was da für ein Fass aufgemacht wird für kleine, bunte Möchtegern-Kreisel, die nebenbei noch den Schwarzmarkt an Schulen durch (unerlaubte) Tauschgeschäfte und Verkäufe der Spielzeuge fördern. Als ob es keine wichtigeren Probleme gäbe.

 

Fidget Spinner gibt es mittlerweile in verschiedenen Farben und Formen – doch alle bergen das gleiche Suchtpotenzial, Foto:flickr.com/ lizenziert nach Creative Commons

Gefährliche Liebe

Fidget Spinner sind also keinesfalls harmlos. Sie bergen große Gefahren für die kleinen Fans. Ein Hersteller musste die Spielzeuge sogar schon zurückrufen, weil die Batterien, die die leuchtenden LED-Handkreisel benötigen, zu leicht verschluckt werden können. Und natürlich ruft der Fidget-Spinner-Markt auch billige Nachahmer auf den Plan, die optisch ähnliche Kreisel verkaufen. Die nachgemachten Produkte sind oft qualitativ schlechter, was sich darin zeigt, dass beispielsweise die Kugeln schnell aus dem Kugellager herausfallen und somit leicht verschluckt werden können. Deshalb sollte man vor allem bei zu günstigen Angeboten vorsichtig sein. Oder es am besten ganz sein lassen. Denn die knapp zehn Euro, die man zum Beispiel online dafür zahlen muss, kann man sicherlich auch sinnvoller investieren: Eine Süßigkeitentüte am Kiosk, zehn Kugeln leckeres Eis an der Eisdiele oder ein unlustiges Mathebuch sind nur einige Beispiele, die spontan in den Sinn kommen.

Da war doch mal was…

Ja, die älteren Fidget-Spinner-Spinner (oder wie man die Besitzer der Handkreisel nennt) werden sich sicher noch an ihre Kindheit erinnern. Denn es gab schon eine Reihe an Spielzeug-Vorgängern. Dazu zählen zum Beispiel die für jeden normalen Menschen unlösbaren Zauberwürfel in den 90er Jahren, bei denen man nach ein paar Versuchen die Lust verlor. Und die Bayblades im Jahrzehnt darauf. Vor allem diese Spielkreisel weisen gewisse Parallelen zu den Fidget Spinnern auf. Bei beiden Spielzeugen geht es darum, die Plastikteile mit besonderen Techniken kreiseln zu lassen. Doch Bayblades waren damals neuartig, wohingegen die neuen Handkreisel wie ein billiger Abklatsch wirken. Und mal ehrlich: Konnten die Amerikaner nicht etwas Sinnvolleres wieder aufleben lassen, wie beispielsweise Kaugummiautomaten oder echt vintage-mäßige Spielautomaten zum Zeitvertreib? Das hätte wenigstens Stil im Gegensatz zu den läppischen Handkreiseln aus Plastik.

Auch Bayblades waren auf dem Schulhof der Hit. In den Pausen sind die Schüler und Schülerinnen in kleinen Wettkämpfen mit ihren Kreiseln gegeneinander angetreten. Schon damals waren die Kids also bescheuert genug, sich von einem kleinen, drehenden Stück Plastik, das in der Herstellung vermutlich nicht mehr als ein paar Cent kostet, hypnotisieren und sich das lang ersparte Taschengeld aus dem Portemonnaie ziehen zu lassen. Das alles nur, um sich dann darüber zu streiten, wer den besten Kreisel hat: „Wie, dein Bayblade kreiselt nur? Meins leuchtet sogar!“ Zugegeben, Bayblades wurden später zum Kultobjekt und zu einer Reminiszenz an die Kindheit. Mit den Jahren sind die Kreisel der 2000er Wende aber völlig in Vergessenheit geraten. Man kann nur hoffen, dass dieses Schicksal auch in naher Zukunft die Fidget Spinner ereilen wird. 

Teaserbild: flickr.com/Chris Yarzab lizenziert nach Creative Commons

Beitragsbild: Helena Brinkmann/Thorben Langwald